COVID-19 hinterlässt Spuren

Markt für Managed Services bricht ein

18.05.2020
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Die Analysten von ISG beobachten einen deutlichen Rückgang bei Managed-Services-Verträgen. Anfang März sei der Markt in Europa eingebrochen, Ende des Monats ging es dann auch in den USA bergab.
Ein düsteres Bild vom laufenden zweiten Quartal 2020 zeichnet ISG für den Managed-Services-Markt, nicht aber für As-a-Service-Dienstleistungen. Das Cloud-Business profitiert von der Krise vorrangig im IaaS-Segment.
Ein düsteres Bild vom laufenden zweiten Quartal 2020 zeichnet ISG für den Managed-Services-Markt, nicht aber für As-a-Service-Dienstleistungen. Das Cloud-Business profitiert von der Krise vorrangig im IaaS-Segment.
Foto: ISG

Im zweiten Quartal 2020 wird aufgrund der Corona-Krise das Volumen für Managed-Services-Verträge weltweit um 17 Prozent einbrechen. Diese Prognose wagt die Information Services Group (ISG). Probleme in wichtigen Wirtschaftszweigen, allen voran Tourismus, Gastgewerbe, Konsumgüterindustrie, Handel und Finanzdienstleistungen, beeinträchtigen demnach massiv die Nachfrage.

Im ersten Quartal sah die Marktsituation besser aus. Der Einbruch sei dann in Europa Anfang März erfolgt, in den USA erst gegen Ende März. Insgesamt seien also im ersten Jahresviertel die weitaus meisten weltweiten Managed-Services-Verträge (85 Prozent) im Januar und Februar abgeschlossen worden.

Viel stabiler als das Managed-Service-Segment zeigte sich der Cloud-Markt, ISG spricht vom "As-a-Service-Markt". Er sei im ersten Quartal von der Pandemie nur geringfügig beeinflusst worden. Infrastructure as a Service (IaaS) habe sogar einen kurzen Aufschwung verzeichnet, als die Nachfrage nach Homeoffice- und E-Commerce-Lösungen sprunghaft anstieg.

IaaS-Markt profitiert von Cloud-Offensive der Kunden

Laut ISG könnten IaaS-Anbieter zukünftig davon profitieren, dass Unternehmen mehr und mehr Aufgaben in die Public Cloud verlagerten. Anbieter von Software as a Service (SaaS) hingegen würden wohl darunter leiden, dass die Betriebe ihre IT-Kosten reduzieren und im Zuge des weltweit zu erwartenden Personalabbaus Nutzerlizenzen streichen müssten. Anbieter, die ihren Kunden Mehrjahresverträge anbieten könnten, seien besser abgesichert, heißt es bei ISG.

Dank der beiden guten Monate Januar und Februar sieht die Bilanz für das erste Quartal 2020 im Markt für Managed Services und As-s-Service-Dienstleistunmgen ordentlich aus.
Dank der beiden guten Monate Januar und Februar sieht die Bilanz für das erste Quartal 2020 im Markt für Managed Services und As-s-Service-Dienstleistunmgen ordentlich aus.
Foto: ISG

Das Vertragsvolumen mit sämtlichen As-a-Service-Leistungen erreichte in den ersten drei Monaten des Jahres in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (Emea) ein Volumen von 1,8 Milliarden Euro - ein Prozent mehr als in der Vorjahresperiode, und damit ein neuer Quartalsrekord. IaaS stieg um sieben Prozent auf 1,4 Milliarden Euro und lag damit das achte Quartal in Folge bei über einer Milliarde Euro. Der SaaS-Umsatz schrumpfte indes um 13 Prozent auf 478 Millionen Euro.

Der gesamte Markt für As-a-Service- und Managed-Services-Leistungen in EMEA (Europa, Naher Osten, Afrika) hat im ersten Quartal im Jahresvergleich immer noch um 3,8 Prozent auf insgesamt 4,5 Milliarden Euro zugelegt. Im Großraum EMEA wären ohne die COVID-19-Pandemie wohl Wachstumsraten von sieben bis neun Prozent möglich gewesen.

Briten kämpfen mit COVID-19 und dem Brexit

In Europa zeigte sich das Managed-Services-Geschäft im ersten Quartal in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) sowie den Benelux-Staaten noch stabil. Weniger wachstumsstark präsentierten sich Skandinavien und Großbritannien. Die Briten kämpften noch mit einem anderen Virus namens Brexit, was die Nachfrage schon zum Jahresbeginn lähmte.

ISG-Geschäftsführerin Barbara Florschütz glaubt an eine Wiederbelebung des Managed-Services-Geschäfts in der zweiten Jahreshälfte. "Auf's ganze Jahr gesehen, wird das Vertragsvolumen von Managed Services allerdings um sieben Prozent sinken. Das As-a-Service-Segment dagegen wird im zweiten Quartal um fünf Prozent gegenüber dem ersten Quartal wachsen. Das Plus für das gesamte Jahr wird bei zwölf Prozent liegen."

Im ersten Quartal 2020 fiel das Geschäft mit Managed Services und Cloud-Diensten in den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich aus, so die Analysten von ISG.
Im ersten Quartal 2020 fiel das Geschäft mit Managed Services und Cloud-Diensten in den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich aus, so die Analysten von ISG.
Foto: ISG

Das Analysten- und Beratungshaus ISG stellt in seinem "EMEA ISG Index" vierteljährlich Daten und Trends zum Outsourcing-Markt zur Verfügung. In die Statistik fließen alle kommerziellen Outsourcing-Verträge mit einem Jahresvolumen (Annual Contract Value = ACV) von mindestens fünf Millionen Euro ein.