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Mark Hurd soll alles neu machen, aber nichts verändern

30.03.2005
HPs neuer President und CEO wird es nicht leicht haben - er soll die bestehenden Strukturen erhalten, aber mehr Profit und Wachstum schaffen als seine Vorgängerin Carly Fiorina.

COMPUTERWOCHE (MÜNCHEN) - Mark Hurd, Hewlett-Packards neuer Chief Executive Officer (CEO) und ehemaliger Topmann von NCR, wird mit einer schweren Aufgabe betraut: Er soll die Geschäftsstrategie des zweitgrößten IT-Anbieters der Welt erfolgreicher als seine Vorgängerin Carleton Fiorina umsetzen. Einerseits. Andererseits hat Hurd sich mit dem HP-Board schon in einem wichtigem Punkt geeinigt: Ein Spin-off einer HP-Division wird es auch unter dem neuen Chef nicht geben, die Ausrichtung des Unternehmens und seiner einzelnen Geschäftsbereiche soll nicht angetastet werden.

Patricia Dunn, nach Fiorinas Rauswurf vorübergehend Chairwoman des Unternehmens und federführend in die Suche und Auswahl eines neuen Vorstandsvorsitzenden involviert, bestätigte, dass Hurd daran gemessen werde, die vorgegebene Geschäftsstrategie von HP umzusetzen. Das bedeutet, dass das gesamte Portfolio vom Handheld über Drucker und Druckerkartuschen bis zu hoch leistungsfähigen, fehlertoleranten NonStop-Systemen und zu IT-Dienstleistungen erhalten bleiben soll. Alle Sparten, so die Zielvorgabe für Hurd, sollen von dem ehemaligen NCR-Chef zu mehr Wachstum gebracht werden.

Solch eine Aufgabe zu erledigen, dürfte der Schwierigkeit gleichkommen, den gordischen Knoten zu lösen. Hurd darf an der vorgegebenen Struktur nichts ändern, darf die Portfolioausrichtung nicht antasten, soll aber HP dennoch zu neuem Wachstum führen. Dies ist Fiorina in fünfeinhalb Jahren als CEO nicht geglückt.

Hurd wird das Verdienst zugesprochen, eine NCR mit Schlagseite 2003 als CEO übernommen und wieder in die Gewinnzone geführt zu haben. Der 48-Jährige begann seine Laufbahn bei NCR vor 25 Jahren, durchlief verschiedene Marketing-, Vertriebs- und Services-Management-Aufgaben. Er war zwischen 1998 und 2001 verantwortlich für NCRs Paradebereich, das Teradata-Datenbankgeschäft. Dieses erwirtschaftete 2004 mit 1,2 Milliarden Dollar fast 20 Prozent des gesamten Konzernumsatzes. 2001 avancierte er zum President und war als Chief Operating Officer (COO) für das Tagesgeschäft zuständig. 2003 beerbte er schließlich Lars Nyberg als CEO, nachdem dieser sich plötzlich aus unbekannten familiären Gründen aus der Firma zurückzog.

Während seiner Zeit als CEO restrukturierte Hurd NCR. Er entließ 1600 Angestellte und reduzierte dadurch die Mitarbeiterzahl von 30.100 auf 28.500. Zu den Entlassenen zählten auch viele, die fast ihr ganzes Leben bei NCR gearbeitet hatten.

NCR war 1991 von AT&T gekauft worden. Diese Übernahme zählt allerdings zu den sehr erfolglosen der Branche. 1996 gliederte die Mutter NCR wieder aus, ohne dass dies zunächst für das Unternehmen von Vorteil gewesen wäre. 2002 erlitt der wieder selbständig agierende Konzern einen herben Verlust von 220 Millionen Dollar. Doch schon im darauf folgenden Jahr kehrte NCR wieder in die Gewinnzone zurück. Im vergangenen Jahr nun lag der Umsatz bei 5,98 Milliarden Dollar, der Gewinn bei 285 Millionen Dollar.

Trotz dieses Erfolgs ist die Frage, wie Hurd den Koloss HP in eine sichere Zukunft steuern will. NCRs Gesamtumsatz 2004 von knapp sechs Milliarden Dollar entspricht dem von HPS Imaging- and Printing Division allein - für das erste Quartal 2005 (Ende: 31. Januar 2005). Hewlett-Packards PC-Division hat mit knapp 6,9 Milliarden Dollar Umsatz im gleichen Zeitraum rund 16 Prozent mehr Umsatz erwirtschaftet als NCR im gesamten Jahr 2004 konzernweit mit Kassensystemen, seiner Teradata-Datenbank-Hard- und Software und seinen Point-of-Sales-Systemen. NCR zählte zum Zeitpunkt der Hurd-Demission 28.500 Mitarbeiter. Bei HP sind noch rund 150.000 Beschäftigte angestellt.

HPs PC-Division macht mittlerweile den meisten Umsatz im Unternehmen, der Gewinn des Geschäftsbereichs - im ersten Quartal 2005 147 Millionen Dollar - ist aber vergleichsweise minimal. Die Softwaresparte bleibt chronisch defizitär seit etlichen Quartalen - bis heute hat HP keine Antwort auf dieses Problem gefunden. Auch die Großdivision Enterprise Storage and Servers muss froh sein, wenigstens geringe Profite zu erwirtschaften (erstes Quartal 2005: 71 Millionen Dollar). Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (153 Millionen Dollar) hat sich der Gewinn aber mehr als halbiert.

Die IT-Services-Division fährt zwar ebenfalls seit mehreren Quartalen schwarze Zahlen ein, aber auf einem Niveau, das HP nicht zufrieden stellen kann: Gerade mal um 20 Millionen Dollar im Vergleich zum Vorjahr stieg der Gewinn auf 281 Millionen Dollar. Allerdings verzeichnete HP im vierten Quartal 2004 noch einen Profit von 375 Millionen Dollar - ein Absturz um 25 Prozent.

Hurd darf, so die Vorgaben bei Amtsantritt, weder die Printer- und Imaging-Division ausgliedern, er darf den PC-Bereich ebenfalls nicht - anders als dies IBM gerade tat, als sie ihre PCs an den chinesischen Anbieter Lenovo veräußerte - abstoßen. Alle Bereiche aber sollen profitabler werden.

Es dürfte spannend werden, wie Hurd mit gebundenen Händen ein Portfolio aufstellt, das heute mehr als ein halbes Dutzend Betriebssysteme und Hardware-Plattformen aufweist, dessen Druckermannschaft Quersubventionen für andere Bereiche tragen muss und dessen IT-Dienstleistungs-Division noch lange nicht die Potentiale etwa einer IBM Global Solutions aufweist.

Die Anleger jedenfalls trauen dem neuen Mann an der Spitze einiges zu: Der HP-Aktienkurs stieg nach Bekanntgabe der Hurd-Inthronisation um zehn Prozent auf 21,78 Dollar. (jm)