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Marconi-Aktionäre fürchten Zerschlagung

20.08.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Gerüchte, der finanziell angeschlagene britische TK-Ausrüster Marconi PLC werde die verbleibenden Vermögenswerte zur Umschuldung an seine Gläubigerbanken übergeben, sorgten am gestrigen Montag für Panikverkäufe. Im Laufe des Tages sank der Kurs der Aktie um knapp 40 Prozent. Bei einem Wert von knapp drei Cent büßten die Anleger damit innerhalb eines Jahres fast 98 Prozent ihres Kapitals ein. Sollten sich die düsteren Vermutungen bestätigen, könnten die übriggebliebenen Aktionäre bald einen Totalverlust verbuchen: Presseberichten zufolge wird Marconi bis Ende dieser Woche ein Abkommen mit den Investoren unterzeichen, in dessen Rahmen die Gläubigerbanken und Inhaber von Anleihen Vermögenswerte als Ausgleich für die Verbindlichkeiten erhalten sollen (Debt for Equity Swap). Der TK-Ausrüster will dazu Vermögenswerte und

Verbindlichkeiten auf eine neu zu gründende Tochtergesellschaft namens Marconi Corp. übertragen. Anschließend übernehmen die Gläubiger die Kontrolle über die Gesellschaft, während die Aktionäre im günstigsten Fall ein Prozent an der neuen Firma erhalten oder sogar leer ausgehen.

Das britische Unternehmen schuldet 31 Banken insgesamt rund 3,6 Milliarden Euro, gleichzeitig hat Marconi Anleihen im Gesamtwert von über 2,6 Milliarden Euro ausgegeben.

Mit dem Deal erhält das Unternehmen zwar eine Verschnaufpause, das Hauptproblem ist jedoch noch längst nicht beseitigt: Ähnlich wie der französische TK-Ausrüster Alcatel leidet Marconi unter der anhaltenden Auftragsflaute, nachdem die angeschlagene TK-Branche ihre Ausgaben auf das Nötigste begrenzt hat. (mb)