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Mannesmann-Prozess: Durch die (Anklage-)Bank Freisprüche

22.07.2004

Das Landgericht Düsseldorf hat im Mannesmann-Prozess auf Freispruch für alle sechs Angeklagten entschieden. Damit entlasteten die Richter die Beschuldigten vom Vorwurf der Untreue. Es ging um eine Summe von 57 Millionen Euro, die im Zuge der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone Anfang des Jahres 2000 an amtierende und frühere Vorstände des Düsseldorfer Konzerns geflossen waren. Auf der Anklagebank saßen deswegen unter anderem der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, der frühere IG-Metall-Vorsitzende Klaus Zwickel und der ehemalige Mannesmann-Chef Klaus Esser.

Richterin Brigitte Koppenhöfer machte keinen Hehl daraus, dass ihr das anderthalbjährige Verfahren missfallen hat. Sie beklagte in einer persönlichen Erklärung "eine massive Einflussnahme durch Politik und Wirtschaft" auf den Prozess. Sie habe in ihrer langjährigen Karriere "noch nie derartig viele Versuche der Einflussnahme auf die Entscheidung" erlebt. Das Gericht habe indes weder unternehmerische Entscheidungen gefällt noch moralische oder ethische Bewertungen vorgenommen. "Wir sind kein Scherbengericht für die deutsche Wirtschaft“, so Koppenhöfer. "Man muss den Angeklagten nicht alles glauben, darf ihnen aber auch nicht alles unterstellen." (tc)