Führen im Home Office

Manager, schaltet die Kamera frei!

01.05.2020
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Schreibt und bearbeitet Führungs- und Karrierethemen - in der Redaktion von CIO-Magazin und COMPUTERWOCHE. Ihre Schwerpunkte sind CIOs, IT-Arbeitsmarkt, Recruiting, Freiberufler, Aus- und Weiterbildung, IT-Gehälter, Work-Life-Balance, Employer Branding, Führung und und und.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Hofft auf mehr Frauen in der IT.
Lutz Hirsch hat die ersten zwei Wochen im Home Office hinter sich. Der CEO von Hirschtec zieht Bilanz: Wer den Geschäftsbetrieb am Laufen halten will, für den sind digitale Kanäle unerlässlich. Aber auch digitale Nähe zum Team ist wichtig und will gelernt sein.
100 Prozent Home Office ist für Lutz Hirsch Neuland. Der CEO von Hirschtec sieht aber auch Chancen darin.
100 Prozent Home Office ist für Lutz Hirsch Neuland. Der CEO von Hirschtec sieht aber auch Chancen darin.
Foto: Hirschtec

Seit Montag, dem 16. März 2020, arbeiten die über 100 Mitarbeitenden von Hirschtec an den Standorten Hamburg, Berlin, Düsseldorf, Wien und Zürich von zu Hause aus. Die interne Nutzung digitaler Tools prägt seit jeher den Arbeitsalltag der Full-Service Agentur für digitale Arbeitsplätze. Aber seit der Corona-Krise und der Verordnung, im Home Office zu arbeiten, gibt es plötzlich den persönlichen Austausch am Schreibtisch, in der Küche vor der Kaffeemaschine oder auf dem Büroflur nicht mehr. Das stellt auch Führungskräfte vor eine neue Situation, wie Firmenchef Lutz Hirsch zugibt.

Technisch setzt das Unternehmen auf eine verschlankte, interne Tool-Landschaft mit den Kerninstrumenten Yammer (als Social Network), das Intranet "Lichtung" (basierend auf SharePoint Online und Powell 365) plus Powell App, Teamwork (für die Projektarbeit) sowie Microsoft Teams als eine Art "aufgepimpte Dateiablage".

Pragmatisch bleiben

"Speziell in den letzten Tagen merke ich sehr deutlich, wie hilfreich diese digitalen Tools nicht nur für das tägliche produktive Miteinander, sondern auch für die Orchestrierung der Krisenkommunikation sind", sagt Hirsch. Sein Motto ist derzeit: pragmatisch bleiben! Neben einem Yammer-Post zur anstehenden Heimarbeit habe er kurzerhand selbst eine kurze Videobotschaft an die Mitarbeiter von zu Hause aus produziert. Diese wurde ohne Zeitverzug im Intranet "Lichtung" veröffentlicht. Die gesamte Kommunikation und Zusammenarbeit laufe seitdem bei Hirschtec über Microsoft Teams.

Stellen Sie Rückfragen

Der CEO empfiehlt in Sachen Kommunikations- und Kollaborations-Tools allen Managern: "Schaffen Sie trotz räumlicher Distanz digitale Nähe." In Videokonferenzen sind Mimik und Gestik oft nur rudimentär zu erkennen, wodurch eine wichtige Rückkopplung in der Kommunikation fehlt. Der Manager rät Führungskräften daher, in virtuellen Team-Meetings vermehrt mit Rückfragen zu arbeiten wie "Sind die kommenden Maßnahmen für alle klar?" oder "Wisst ihr Bescheid, wo ihr die Informationen findet?"

Darüber hinaus versucht er in Einzeltelefonaten immer auch noch die persönliche Stimmung abzuholen. "Diese wird in Calls mit vielen Teilnehmern selten bis nie geäußert."

Kamera an bei Video-Calls!

Und noch einen Tipp hat er parat für Videokonferenzen: "Gehen Sie als Führungskraft mit gutem Beispiel voran und schalten Sie Ihre Kamera frei." Wenn man tage- und wochenlang nur das Profilfoto der Vorgesetzten sieht, würden diese ihren Mitarbeitern nicht nahe kommen. Hirsch: "Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes dann nicht sichtbar!"

Genauso wichtig ist es für den Manager auch, sich täglich in die digitalen Diskussionen im internen Social Network einzuklinken. So erhalte er direkt wertvolles Feedback oder könnte zu bestimmten, brisanten Themen nachfragen. So spüre er schnell, wo es momentan noch Klärungsbedarf gibt.

Digital loben

Gerade in Krisenzeiten ist der Zusammenhalt der Belegschaft essenziell. Führungskräfte sollten den Teamgeist positiv beeinflussen, so Hirsch, ganz gleich, ob es ein lobender, digitaler Kommentar zu einem Arbeitsergebnis, ein aufmunterndes GIF oder ein "Like"-Daumen oder Smiley sei. Manager könnten so öffentlich Wertschätzung ausdrücken und andere Kollegen animieren, es einem gleich zu tun. Stichwort: Vorbildfunktion.

Lernen für die Zeit danach

Die fast ausschließlich über virtuelle Kanäle laufende Arbeit ist anstrengend, auch weil es für viele komplettes Neuland ist. Aber laut Hirsch steckt auch eine große Chance darin, da man fokussiert seine Themen selbst mit großen Teams abarbeiten könne. Er ist optimistisch: "Mit den jetzt - zugegeben im Hauruck-Verfahren - gelernten digitalen Arbeitsweisen kann dann in normalen Zeiten ein viel besserer Mix zwischen persönlicher und virtueller Nähe gefunden werden."