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März

23.12.1998
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - SAP macht es, Baan macht es, Peoplesoft macht es: Alle großen Anbieter betriebswirtschaftlicher Standardsoftware ergänzen ihre Portfolios um Anwendungen zur Unterstützung von Vertriebs- und Marketing-Aktivitäten. Doch es gibt bereits Spezialisten für die sogenannte Sales Force Automation - allen voran Vantive, Clarify und Marktführer Siebel Systems Inc., der sich mit dem Kauf der 461 Millionen Dollar teuren Scopus Technology Inc. noch erheblich verstärkt.

Der zweite Teilmarkt, den SAP & Co. auf Druck neuer Wettbewerber ansteuern müssen, ist der für Supply Chain Management. Spezialisten wie i2 Technologies, Numetrix und Manugistics gelingt es, mit Produkten zur Verbesserung von Logistikketten in und zwischen Unternehmen einen neuen Markt zu öffnen. Mit ihrer Scope-Initiative (Scope = Supply Chain Optimization, Planning and Execution) will SAP dem Spuk ein Ende machen. Neu an der Strategie der Walldorfer ist, daß die hier entstehenden Produkte auch unabhängig vom R/3-System vermarktet werden sollen.Computer 2000 steht nach langer Talfahrt ungeachtet eines zuletzt wieder besseren Geschäftsergebnisses zum Verkauf. Insider des

Mehrheitseigners Viag lassen durchblicken, daß der Konzern seinen 75-Prozent-Anteil abstoßen will. Als Interessenten werden Ingram Micro und Tech Data gehandelt. Am Ende wird Tech Data die Nase vorn haben.

Lange war es ruhig um den ehemaligen Minicomputer-Anbieter Wang Laboratories. Mit dem Kauf von Olivettis Servicetochter Olsy für rund 390 Millionen Dollar gibt das Unternehmen ein kräftiges Lebenszeichen von sich. Ein 20 000 Mitarbeiter starker Konzern namens Wang Global entsteht, dessen größter Einzelaktionär der italienische Traditionsanbieter ist.

Im November 1996 hatte Sun Microsystems seine Network Computer mit Namen „Javastation“ angekündigt. Erst als das Thema schon fast wieder vergessen ist, bringt der Hersteller sein Gerät heraus. Doch nun zeigt sich: Die Protagonisten des Thin Client haben den Kampf gegen die Fat-Client-Koalition von Microsoft und Intel verloren. Offensichtlich möchte der Anwender am Arbeitsplatz auf sein liebstes Spielzeug, den PC, nicht verzichten.

Ungemach droht Sun derweil aus dem Lager der Konkurrenz: Hewlett-Packard schickt sich an, eine eigene Java-Ablaufumgebung zu entwickeln, die sich für Embedded-Systeme, Kleingeräte und Drucker eignen soll. Microsoft will diese Entwicklung in Lizenz nehmen. Bei Sun fragt man sich nun, ob Teile der eigenen Produkte „Personal Java“, „Embedded Java“ oder „Javacard“ kopiert werden könnten und ob HPs Entwicklung zu den eigenen Produkten kompatibel ist. Die Aufregung ist überflüssig: HP distanziert sich später wieder von diesem Vorhaben.

Billig, billiger, am billigsten - der Prozessorgigant Intel weiß sich gegen die Konkurrenz im Low-end-Sektor nicht mehr anders als durch die Ankündigung besonders preiswerter Pentium-II-Prozessoren („Celeron“) zu helfen. Der PC-Markt wächst zu dieser Zeit langsamer, Intel warnt vor nachlassenden Gewinnen und kündigt den Abbau von 3000 Stellen an. CEO Andrew Grove wird die Luft an der Konzernspitze zu dünn. Er übergibt an den bisherigen President und Chief Operating Officer Craig Barrett.

Auch Compaq zeigt Schwäche. Für das erste Jahresviertel 1998 werden Geschäftsergebnisse erwartet, die Erinnerungen an das „schwarze dritte Quartal“ von 1991 wecken. In dessen Folge war Unternehmensgründer Rod Canion gefeuert worden. Compaqs Umsatz steigt nur minimal, der Gewinn bleibt mit 16 Millionen Dollar weit hinter dem des Vorjahres (414 Millionen Dollar) zurück. Vollgestopfte Händlerkanäle, ein harter Preiskampf in der PC-Branche und der Verlust von Marktanteilen an Direktanbieter Dell setzen der Company zu. Ironischerweise legt die designierte Firmentochter Digital, die lange Jahre Probleme hatte, einen glänzenden Quartalsabschluß vor.

Microsofts Sonderweg in Sachen Java stößt immer mehr Entwicklern sauer auf. Softwareprofis sollen nach den Vorstellungen der Softwareschmiede das Framework „Distributed Internet Applications Architecture“ (DNA) nutzen, deren Dreh- und Angelpunkt Windows NT und das Component Object Model (COM) sind. Der Java-Idee „Write once, run everywhere“ erteilte die Gates-Company bereits mit Ankündigung der Entwicklungsumgebung "J++ 6.0" eine Absage: Damit erstellte Applikationen laufen nur unter Windows.