CW Spezial Top 100 - Storage

Machtkämpfe im Speichermarkt

27.09.2011
Von 
Kriemhilde Klippstätter ist freie Autorin und Coach (SE) in München.

Die Player stellen sich auf

Markt für externe Speichersysteme in Deutschland nach Stückzahlen
Markt für externe Speichersysteme in Deutschland nach Stückzahlen
Foto: Gartner

Als Hauptargument für den hohen Kaufpreis – der dem Zwölffachen des Jahresumsatzes von 3Par entspricht – wird allgemein das gute Know-how von 3Par bei den Speicherfunktionen „Thin Provisioning“ und „Wide Striping“ genannt. Es kann aber auch sein, dass sich HP mit der Übernahme gegen die schleichende Marktverdrängung wehren wollte: Dell und Cisco als neue Allround-Anbieter, Netapp als immer heller glänzender Stern am Speicherhimmel, Fujitsu als Newcomer im Speichergeschäft und die konstanten Größen EMC, Hitachi Data Systems bedrängen HP.

Markt für externe Speichersysteme in Deutschland nach Umsatz
Markt für externe Speichersysteme in Deutschland nach Umsatz
Foto: Gartner

Dessen Speicherspitzenplatz, gerechnet nach verkauften Stückzahlen, ergibt sich zum Großteil aus der Tatsache, dass viele Festplattensysteme in oder zusammen mit den hauseigenen Servern abgesetzt werden. Dabei kann man HP derzeit keine besonderen Aktivitäten im Speicherbereich zuschreiben. „Die Entwicklungszyklen bei HP sind zu lang“, befindet Speicheranalyst Josh Krischer. Das lag sicher auch am Ex-Chef Mark Hurd, der vor seinem rigiden Sparkurs auch die Entwicklungsabteilungen nicht verschonte.
Denn neben dem Versuch, sich durch Zukäufe Marktanteile zu sichern, sollen die Übernahmen auch fehlende Technik ins Haus bringen – wichtig in Zeiten, in denen Time-to-Market eine immer größere Rolle spielt. Ist eine bestimmte Technik, die ein Kunde benötigt, nicht im eigenen Portfolio verfügbar, dann wird sie eben am Markt per Firmenübernahme eingekauft. Ein Meister darin scheint EMC zu sein: Seit 1994 hat die Company mehr als 65 Firmen geschluckt.

Auch 2010 hat der Speicher-Riese aus Hopkinton, Massachusetts, erneut drei größere Speicheranbieter gekauft und insbesondere mit der Übernahme von Isilon für 2,25 Milliarden Dollar für den zweitteuersten Storage-Deal gesorgt. Interessant für EMC ist das Produktportfolio von Isilon: Clustered-NAS-Systeme, die vor allem im Media-Umfeld eingesetzt werden. Schon heute machen unstrukturierte Daten rund 90 Prozent aller neu gespeicherten Informationen aus.

EMC setzt also wieder einmal auf die NAS-Karte, nachdem man sich darin in der Vergangenheit schon mehrfach versucht hatte: Windows-basierte Filer verschwanden nach kurzer Laufzeit, bevor Celerra-Systeme dem Wettbewerber Netapp Paroli bieten sollten. Jetzt wird die VNX-Familie für Unified Storage angeboten, die Speicherung und Verwaltung File- und Block-basierter Daten unter einem Dach liefert.