OutSystems, Appian, Mendix, Kony, Salesforce

Low-Code-Plattformen auf einen Blick

Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Das Angebot an Low-Code-Entwicklungsplattformen ist üppig und wächst weiter rasant. Oft richtet es sich zunächst an Profientwickler, die schnell neuere Themen wie die Realtime-Verarbeitung von Sensordaten im Internet of Things (IoT) oder Machine-Learning-Ideen umsetzen wollen. Doch auch die sogenannten Citizen Developers kommen auf ihre Kosten.

Wichtige Kriterien in der Beurteilung von Low-Code-Entwicklungsplattformen sind die Breite und Tiefe des Tool-Angebots sowie Funktionen wie Prozessautomatisierung, Collaboration, Reporting, und die IoT- und Machine-Learning Features. Hinzu kommen die Strategien und Ambitionen der Anbieter, die Kundenbasis und das Partner-Ökosystem.

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Mit all dem haben sich die Analysten von Gartner und auch Forrester Research beschäftigt. Als Marktführer machen letztere OutSystems, Appian, Mendix, Kony und Salesforce aus. Gut positioniert und mit ihren Angeboten auf der Überholspur sind zudem ServiceNow, AgilePoint, Bizagi und K2.

OutSystems, Mendix und Appian schnitten in der Beurteilung des Angebots am besten ab, während Salesforce in Sachen Strategie die Nase vorn hatte. Auch in puncto Marktpräsenz liegt der CRM-Spezialist weit vorne, nur ServiceNow kann angesichts der schieren Größe Paroli bieten.

Eine vergleichbare Analyse der Markforscher von Gartner sieht ebenfalls Salesforce, Outsystems und Mendix - Anfang August 2018 von Siemens übernommen - im Quadranten der führenden Anbieter. Gartner spricht in seinem Produktvergleich von "High-Productivity Application Platform as a Service" und führt auch ServiceNow unter den Topanbietern.

Outsystems - starke Plattform

Zu den Pionieren im Markt für Low-Code-Entwicklungsplattformen gehört OutSystems, das seine Funktionen permanent in neue Bereiche der Geschäftsanwendungen ausdehnt - insbesondere in die Verarbeitung von IoT-basierten Realtime-Daten sowie Künstliche Intelligenz (KI). OutSystems investiert viel Geld, um die Bandbreite von klassischen Geschäftsanwendungen ebenfalls besser abzudecken - auch von sogenannten Systems of Records. Die Plattform bietet eine ausgereiften, funktional breit aufgestellten Public Cloud Service inklusive eines umfangreichen Sharing-Marktplatzes und einer großen Entwickler-Community.

OutSystems hat in einer Investitionsrunde, die von Goldman Sachs und KKR angeführt wurde, erst im Juni 2018 den stolzen Betrag von 360 Millionen Dollar eingestrichen. Der Wert des Unternehmens beläuft sich damit inzwischen auf über eine Milliarde Dollar. Das Unternehmen will das Geld nutzen, um seine Geschäfte international auszuweiten und in Forschung und Entwicklung die Softwareautomatisierung voranzutreiben. Das Unternehmen setzt jährlich über 100 Millionen Dollar um und wächst derzeit mit 70 Prozent per annum.

Forrester bezeichnet das Tooling der Plattform zur Unterstützung professioneller Entwicklerteams als hervorragend. Es sei breit gefächert in Applikations- und Portfolio-Management, Plattform- und Sicherheits-Management sowie Entwicklungsprozess-Management, Troubleshooting und Performance Management. Die Stärken machten OutSystems zu einer ersten Wahl bei den Kunden und trügen zum hohen Wachstumstempo sowie einem stark expandierenden Kundenstamm bei. Die Schwächen von OutSystems liegen den Ausführungen zufolge in der zu schwachen Tool-Unterstützung von Citizen Developers, unzulänglichen Cloud-Sicherheitszertifizierungen und - bis zu einem gewissen Grad - im zu dünnen Partner-Ökosystem.

Die Erfolgsrate von Low-Code-Plattformen.
Die Erfolgsrate von Low-Code-Plattformen.
Foto: Forrester

Mendix - SAP-Nähe zahlt sich aus

Einen aggressiven Expansionskurs verfolgt Mendix. Als bekannte Low-Code-Plattform für Profis schafft Mendix ständig neue innovative Use-Cases und verbessert seine Funktionalität auf breiter Front. Die Entscheidung, die Low-Code-Umgebung auf Cloud Foundry aufzusetzen, hat sich laut Forrester ausgezahlt: SAP als ein Cloud-Foundry-Distributor habe die Mendix-Plattform als weltweite Low-Code-Lösung übernommen. Diese Partnerschaft dürfte der Plattform Auftrieb geben und das bereits starke Wachstum von Mendix weiter beschleunigen.

Abgesehen von den engen Bindungen an SAP hat Mendix weitere Stärken. Dazu gehören die positive User Experience (UX), die Collabora­tion-

Tools der Plattform, der Support und die Administrationstools. Auch den Cloud-Service und die Entwickler-Community bezeichnet Forrester als herausragend. Der Anbieter verfüge über führende KI- und Machine-Learning-Entwicklungsfunktionen und biete ein besonderes Tool für die Einbindung von Business-Developern in Anwendungsprojekte. Schwächen zeige Mendix bei den Cloud-Sicherheitszertifizierungen, der Breite an Partnern sowie bei den weniger ausgefeilten Berichts- und Prozessfunktionen.

Salesforce - besonders stark verbreitet

Als den "Gorilla des Marktes" bezeichnet Forrester Salesforce. Der CRM-Spezialist betreibe - gemessen an Einnahmen und Kundenzahl - die bei weitem größte Low-Code-Plattform für Entwickler. Für die Kunden ist das Angebot nicht immer einfach zu durchschauen: Soll man Force.com verwenden oder auch Heroku? Ist Lightning UX wirklich im großen Stil einsatzbereit? Hat sich Salesforce für die Entwicklung von mobilen Anwendungen mit Low Code entschieden?

Forrester würdigt, dass Salesforce seine Sales- und Service-Cloud-Anwendungen in seine Low-Code-Plattform integriert habe und die Lightning-User-Experience inzwischen voll unterstütze. Vor allem seien die Cloud-Services ausgereift und der AppExchange-Marktplatz sowie das Trailhead-Entwickler-Lernprogramm seien der Benchmark für andere Low-Code-Plattformen.

Dennoch merke man Salesforce an, dass hier eine 15 Jahre alte Plattform für die mobile Ära fit gemacht werden müsse. Das brauche Zeit und helfe jüngeren, wendigeren Konkurrenten sich einen Innovationsvorsprung herauszuarbeiten. Nachteilig wirke sich zudem aus, dass Salesforce sich bei neuen Features auf Partner verlasse, anstatt diese selbst in seine Plattform zu integrieren. Insbesondere bei Integrationsfragen und der Unterstützung des Entwicklungs­prozesses zeigten sich dann die Schwächen.

ServiceNow - Admin-Geschichte bremst

Zu den Anbietern, die sich auf einem aufsteigenden Ast befinden, zählt Forrester ServiceNow: Mit seinen Service-Management-Tools sei das Unternehmen so stark verbreitet, dass die Low-Code-Plattform von alleine zu einer wichtigen Option für Kunden werde. Die Analysten kritisieren aber die "übermäßige Abhängigkeit von Skripten" bei ServiceNow und ein noch wenig ausgeprägtes Verständnis für Developer, das den eigenen Wurzeln im Admin-Bereich geschuldet sei.

Durch die "Now Platform" reduziere sich das Scripting aber, das Prozess-Tooling werde breiter und die Entwicklerwahrnehmung positiver. Hinzu komme, dass ServiceNow ohnehin von einer Community von rund 100.000 Developern unterstützt werde. Vielversprechend sei auch die Roadmap, die Realtime-Datenverarbeitung, Predictive Analytics, Machine Learning und Event-based-Anwendungen vorsehe.

Laut Forrester ist ServiceNow "auf der ganzen Linie solide" mit besonderer Stärke bei IoT-Anwendungen und Reporting, Anwendungsskalierung und Performance-Tools sowie einer Roadmap für KI und erweiterte Analysen sowohl für Entwickler als auch den Plattformbetrieb. Ursprünglich auf IT-Systemadministratoren fokussiert, gebe es aber Schwächen bei der Unterstützung von Business-Anwendern und der Anwendungsbereitstellung.

Gartner lobt zudem das große Investment des Softwareunternehmens in künstliche Intelligenz, Chatbots und Mobile Computing. Die Now-Plattform biete unterschiedliche Entwicklungsumgebungen für No-Code- und Low-Code-Entwickler, ausgefeilte Testing-Möglichkeiten und konzentriere sich dabei vor allem auf tiefergehende Workflow- und Systemintegrationsfähigkeiten. Weil Developersd während der Entwicklungsphase nicht zur Kasse gebeten würden, wachse die Kundenzahl und auch die der interessierten Devs rasant.

Kony - Wurzeln in Mobile Apps

Den Weg von einer Mobile-First- zu einer vollumfänglichen Low-Code-Entwicklungsplattform ist Kony mit viel Energie und großem Erfolg gegangen. Dank seiner Geschichte ist Kony für Unternehmen, die eine Plattform für die Entwicklung mobiler Anwendungen suchen, eine erste Option. In den vergangenen Jahren hat der Anbieter aber auch in andere Produkt-Features, Marketing und Entwickler-Support-Programme investiert, um sich als universell einsetzbare Low-Code-Plattform zu positionieren. Die Wurzeln im Bereich der mobilen Anwendungen führen zu einem unverwechselbaren Design-Erlebnis und außergewöhnlichen Features insbesondere in der Benutzerführung. Jetzt muss Kony seinen Kunden diese Vorteile nur noch vor Augen führen.

Die Stärken von Kony liegen demnach im visuellen Design, grafischer Benutzerführung, Integration, Collaboration, Reporting, Identity Management und Gesamtstrategie. Darüber hinaus verfügt der Anbieter über einen ausgereiften Public-Cloud-Service. Als "solide" bezeichnet Forrester das Angebot in den Bereichen Prozessentwicklung, Datenmanagement, Unterstützung von Entwicklungsprozessen und Plattformadministration. Die Hauptschwäche liege noch im nur unterdurchschnittlich entwickelten kommerziellen Marktplatz und dem wenig entwickelten Partnernetzwerk. Das werde sich aber wohl schon bald ändern.

Gartner lobt die flexible Architektur der Plattform und die Trennung des "Kony Visualizer" für die Frontend-Entwicklung und der "Kony Fabric" für Backend-Services. Damit könnten Entwickler flexibel auch andere Tools einbinden. Kony unterstütze eine breite Palette von Endpoints, darunter auch Interfaces mit Sprachschnittstelle und Wearables. Viele Kunden berichteten zudem von einer kurzen Time to market, wenn neue Anwendungen entwickelt und eingeführt werden sollten.