OutSystems, Appian, Mendix, Kony, Salesforce

Low-Code-Plattformen auf einen Blick

22.03.2019
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Das Angebot an Low-Code-Entwicklungsplattformen ist üppig und wächst weiter rasant. Oft richtet es sich zunächst an Profientwickler, die schnell neuere Themen wie die Realtime-Verarbeitung von Sensordaten im Internet of Things (IoT) oder Machine-Learning-Ideen umsetzen wollen. Doch auch die sogenannten Citizen Developers kommen auf ihre Kosten.

Wichtige Kriterien in der Beurteilung von Low-Code-Entwicklungsplattformen sind die Breite und Tiefe des Tool-Angebots sowie Funktionen wie Prozessautomatisierung, Collaboration, Reporting, mobile App-Entwicklung und die IoT- und Machine-Learning-Features. Hinzu kommen die Strategien und Ambitionen der Anbieter, die Kundenbasis und das Partner-Ökosystem.

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Mit all dem haben sich die Analysten von Gartner und Forrester Research beschäftigt. Als Marktführer machen letztere OutSystems, Mendix, Kony, Salesforce und Microsoft aus. Gut positioniert und mit ihren Angeboten auf der Überholspur sind zudem ServiceNow, Appian, GeneXus, Progress Software, MatsSoft, AgilePoint, Bizagi und K2.

OutSystems, Mendix und Microsoft schnitten in der Beurteilung des Angebots am besten ab, während Salesforce in Sachen Strategie die Nase vorn hatte. Auch in puncto Marktpräsenz liegt der CRM-Spezialist vorne, nur ServiceNow kann angesichts der schieren Größe Paroli bieten.

Eine vergleichbare Analyse der Markforscher von Gartner sieht ebenfalls Salesforce, Outsystems und Mendix im Quadranten der führenden Anbieter. Gartner spricht in seinem Produktvergleich von "High-Productivity Application Platform as a Service" und führt auch ServiceNow unter den Topanbietern.

Outsystems - starke Plattform

Zu den Pionieren im Markt für Low-Code-Entwicklungsplattformen gehört OutSystems, das seine Funktionen permanent in neue Bereiche der Geschäftsanwendungen ausdehnt - insbesondere in die Verarbeitung von IoT-basierten Realtime-Daten sowie Künstliche Intelligenz (KI). Die Plattform bietet einen ausgereiften, funktional breit aufgestellten Public-Cloud-Service inklusive eines umfangreichen Sharing-Marktplatzes und einer großen Entwickler-Community.

Was uns 2030 erwartet

OutSystems hat in einer Investitionsrunde, die von Goldman Sachs und KKR angeführt wurde, im Juni 2018 stolze 360 Millionen Dollar eingestrichen. Der Wert des Unternehmens beläuft sich damit inzwischen auf über eine Milliarde Dollar. Das Unternehmen will das Geld nutzen, um seine Geschäfte international auszuweiten und in Forschung und Entwicklung die Softwareautomatisierung voranzutreiben. OutSystems setzt jährlich über 100 Millionen Dollar um und wächst derzeit mit 70 Prozent per annum.

Forrester bezeichnet das Tooling der Plattform zur Unterstützung professioneller Entwicklerteams als hervorragend. Es sei breit gefächert in Applikations- und Portfolio-Management, Plattform- und Sicherheits-Management sowie Entwicklungsprozess-Management, Troubleshooting und Performance Management. Die Stärken machten OutSystems zu einer ersten Wahl bei den Kunden und trügen zum hohen Wachstumstempo sowie einem stark expandierenden Kundenstamm bei. Die Schwächen von OutSystems liegen den Ausführungen zufolge in der mäßigen Tool-Unterstützung für Citizen Developers, unzulänglichen Cloud-Sicherheitszertifizierungen und - bis zu einem gewissen Grad - im zu dünnen Partner-Ökosystem.

In einer zweiten, aktuelleren Studie, die im März 2019 herauskam, beschäftigt sich Forrester explizit mit den Eigenschaften, die Low-Code-Entwicklungsplattformen für professionelle Developers bieten. Hier schneidet OutSystems sehr gut ab, da das Unternehmen kontinuierlich neue Features für Professionals beisteuere, seine strategischen Ziele hartnäckig verfolge und seine Roadmap zuverlässig abarbeite.

OutSystems unterstütze native Mobile Apps, bewältige Geschäftsanwendungen sicher und skalierbar, außerdem sei die globale Verfügbarkeit ein Pluspunkt. Forrester betont, dass OutSystems zu den Low-Code-Anbietern gehöre, die die Grenzen dessen, was solche Plattformen leisten könnten, immer wieder neu auslote. Man taste sich voran in Apps für die Verarbeitung von IoT-und Streaming-Daten, KI-Aufgaben und große transaktionale Anwendungen.

Die größten Nachteile der Plattform gelten laut Forrester ebenso für deren Wettbewerber: Das Pricing sei so komplex, das sich mancher potenzieller Kunde schon im Vorfeld frustriert abwende. Tatsächlich glaubten die Manager von OutSystems und dessen großen Wettbewerbern, ihre Preispolitik sei nachvollziehbar und transparent - das sei aber ein Irrtum, wie es bei Forrester heißt.

Stärken - Noten auf einer Skala von 1 (schlecht) bis 5 (sehr gut):

  • Tooling für Anwendungsentwicklung: 4,58

  • Tooling für Plattform und Anwendungsadministration: 5,0

  • Anwendungsentwicklung, Ops-Tools, Features: 4,60

Schwächen:
keine gravierenden

Die Erfolgsrate von Low-Code-Plattformen.
Die Erfolgsrate von Low-Code-Plattformen.
Foto: Forrester

Mendix - SAP-Nähe zahlt sich aus

Einen aggressiven Expansionskurs verfolgt Mendix, das inzwischen von Siemens übernommen wurde. Als bekannte Low-Code-Plattform für Profis schafft Mendix ständig neue innovative Use-Cases und verbessert seine Funktionalität auf breiter Front. Die Entscheidung, die Low-Code-Umgebung auf Cloud Foundry aufzusetzen, hat sich laut Forrester ausgezahlt: SAP als ein Cloud-Foundry-Distributor habe die Mendix-Plattform als weltweite Low-Code-Lösung übernommen. Diese Partnerschaft dürfte der Plattform Auftrieb geben und das bereits starke Wachstum von Mendix weiter beschleunigen.

Abgesehen von den engen Bindungen an SAP hat Mendix weitere Stärken. Dazu gehören die positive User Experience (UX), die Collabora­tion-Tools, der Support und die Administrationstools. Auch den Cloud-Service und die Entwickler-Community bezeichnet Forrester als herausragend. Der Anbieter verfüge über führende KI- und Machine-Learning-Entwicklungsfunktionen und biete ein besonderes Tool für die Einbindung von Business-Developern in Anwendungsprojekte. Schwächen zeige Mendix bei den Cloud-Sicherheitszertifizierungen, der Breite an Partnern sowie bei den weniger ausgefeilten Berichts- und Prozessfunktionen.

Für Profi-Entwickler ist Mendix laut der neueren Forrester-Studie interessant, weil sich die Plattform für das Management von professioneller Software-Entwicklung und Anwendungs-Lebenszyklen eigne und auch das Anwendungs-Deployment zu einem Gutteil automatisiert werden könne. Hier wirke sich der Einfluss der Muttergesellschaft Siemens und der Partner SAP und IBM spürbar aus. Kein anderer Low-Code-Provider pflege solch weitreichende Partnerschaften, die den Kunden so viele Möglichkeiten eröffneten.

Forrester fällt auch hier die intransparente Preispolitik auf, außerdem hätten Referenzkunden hier und da über Mängel bei den Integrations-Features geklagt.

Stärken:

  • Tooling für Anwendungsentwicklung: 4,28

  • Tooling für Plattform und Anwendungsadministration: 5,0

  • Anwendungsentwicklung, Ops-Tools, Features: 4,20

Schwächen:
keine gravierenden

Salesforce - stark verbreitet

Als den "Gorilla des Marktes" bezeichnet Forrester Salesforce. Der CRM-Spezialist betreibe - gemessen an Einnahmen und Kundenzahl - die bei weitem größte Low-Code-Plattform für Entwickler. Für die Kunden sei das Angebot lange nicht einfach zu durchschauen gewesen, inzwischen mache Salesforce aber Fortschritte mit der Integration seiner Produkte.

Für Kunden der Sales- und Service-Cloud seien die Lightning Platform (vormals Force.com) und die PaaS-Umgebung Heroku gut geeignet, um Aufgaben wie Daten- und Content-Management, Identity- und Access-Management (IAM), die Plattformverwaltung und das Entwickeln ereignisgesteuerter Anwendungen voranzutreiben. Die große Liste der Salesforce-Partner und die vielen Sicherheitszertifizierungen seien ebenfalls starke Argumente.

Salesforce ist laut Forrester allein wegen seiner Marktgröße auch im Segment der Low-Code-Plattformen der Platzhirsch, doch in Sachen Funktionalität seien andere besser. Die Lightning Platform sei bezüglich Tools für Prozess-Automatisierung, Mobile und User Experience solide, aber nicht führend. Dass einige Referenzkunden die integrierten Workflow-Funktionen lobten, ändere daran nichts.

Die Kunden müssten eigens Code entwickeln, um ihre Integrations- und Reporting-Wünsche zu erfüllen. Dasselbe gelte für die Unterstützung des Entwicklungsprozesses und des Change Managements bei Anwendungen: Hier könne Salesforce die Kundenwünsche derzeit kaum bedienen. Kritisiert wird auch, dass das Deployment neuer Anwendungen ausschließlich für die Public Cloud funktioniere.

Stärken:

  • Tooling für Anwendungsentwicklung: 4,06

  • Training, Community, Marktplatz: 5,0

  • Partner: 5,00

  • Zahl der Enterprise-Kunden: 5.0

  • Umsatz mit Low-Code-Plattform: 5,0

Schwächen:
Anwendungsentwicklung, Ops-Tools, Features: 2,60

Kony - Wurzeln in Mobile Apps

Den Weg von einer Mobile-First- zu einer vollumfänglichen Low-Code-Entwicklungsplattform ist Kony mit viel Energie und großem Erfolg gegangen. Dank seiner Geschichte ist Kony für Unternehmen, die eine Plattform für die Entwicklung mobiler Anwendungen suchen, eine Option. In den vergangenen Jahren hat der Anbieter aber auch in andere Produkt-Features, Marketing und Entwickler-Support-Programme investiert, um sich als universell einsetzbare Low-Code-Plattform zu positionieren.

Die Stärken von Kony liegen im visuellen Design, grafischer Benutzerführung, Integration, Collaboration, Reporting, Identity Management und Gesamtstrategie. Darüber hinaus verfügt der Anbieter über einen ausgereiften Public-Cloud-Service. Als "solide" bezeichnet Forrester das Angebot in den Bereichen Prozessentwicklung, Datenmanagement, Unterstützung von Entwicklungsprozessen und Plattformadministration. Die Hauptschwäche liege noch im nur unterdurchschnittlich entwickelten kommerziellen Marktplatz und dem wenig entwickelten Partnernetzwerk. Das werde sich aber wohl schon bald ändern.

Gartner lobt die flexible Architektur der Plattform und die Trennung des "Kony Visualizer" für die Frontend-Entwicklung und der "Kony Fabric" für Backend-Services. Damit könnten Entwickler flexibel auch andere Tools einbinden. Kony unterstütze eine breite Palette von Endpoints, darunter auch Interfaces mit Sprachschnittstelle und Wearables. Viele Kunden berichteten zudem von einer kurzen Time to market, wenn neue Anwendungen entwickelt und eingeführt werden sollten.

Stärken:

  • Tooling für Anwendungsentwicklung: 3,90

  • Tooling für Plattform und Anwendungsadministration: 4,60

  • Anwendungsentwicklung, Ops-Tools, Features: 3,80

  • Training, Community, Marktplatz: 5,0

Schwächen:

  • kaum ausgeprägtes Partnernetz

  • geringe Wachstumsdynamik

Microsoft - fulminante Aufholjagd

Die PowerApps-Plattform von Microsoft war laut Forrester jahrelang gut genug für "Business-Developers" positioniert, nicht aber für Software-Entwicklungsprofis. Das habe sich nun gewandelt, wenngleich Referenzkunden den Analysten sagten, die Plattform würde in ihren Unternehmen nicht in der Breite eingesetzt. Offensichtlich muss Microsoft hier noch Überzeugungsarbeit leisten.

PowerApps bietet demnach die richtigen Eigenschaften, um Web- und Mobile-Anwendungen zu entwickeln, die für eine gute User-Experience sorgen. Zum Umfang gehört ein großer Katalog an Integrationsadaptern und eine gewisse Nähe zu Excel im Scripting-Tool, was vor allem Business-Entwickler freuen dürfte.

Problematisch sei indes, dass PowerApps-User in der Regel weitere Lizenzen für Visual Studio und - in Sachen Reporting und Analytics - für Power BI brauchten, Microsoft mache das nicht immer ausreichend transparent. Außerdem hinke die "Flow-"Komponente für die digitale Prozessautomatisierung in PowerApps den vergleichbaren Produkten des Wettbewerbs hinterher.

Stärken:

  • Tooling für Anwendungsentwicklung: 4,26

  • Tooling für Plattform und Anwendungsadministration: 3,80

  • Anwendungsentwicklung, Ops-Tools, Features: 3,80

  • Training, Community, Marktplatz: 5,0

  • Partnernetzwerk: 5,0

  • Marktpräsenz: 5,0

Schwächen:

  • mögliche versteckte Zusatzkosten

  • Flow-Komponente

ServiceNow - Admin-Geschichte bremst

Während die genannten Anbieter laut Forrester zu den "Leadern" gehören, haben wir es bei den folgenden Anbietern mit mehr oder weniger starken Herausforderern zu tun. Auf einem aufsteigenden Ast befinde sich vor allem ServiceNow: Mit seinen Service-Management-Tools sei das Unternehmen so stark verbreitet, dass die Low-Code-Plattform ähnlich wie bei Salesforce von alleine zur ersten Option für Kunden werde.

Den Analysten zufolge hat ServiceNow viel in seine Plattform investiert. Das zahle sich nun aus. Die Now-Plattform biete solide Integrationsfunktionen, gute Mobile Tools, moderen KI-Funktionalität, neue Programmier- und IAM-Tools sowie wichtige Cloud-Sicherheitszertifizierungen. Die Schwächen von ServiceNow im Vergleich zu marktführenden Systemen: zu viele funktionale Kriterien sind gut, aber nicht sehr gut.

Dennoch sollten Entwickler in der Lage sein, die gängigsten Anwendungsfälle mit der Now-Plattform zu bewältigen. Referenzkunden berichten, dass sie damit auch kundenorientierte Anwendungen erstellt hätten, wenn auch in begrenztem Umfang. Forrester erwartet vor allem KI-Innovationen von ServiceNow, wenngleich sich die Entwicklungsgeschwindigkeit in Grenzen halten dürfe. Für viele Kunden sei das aber in Ordnung.

Appian - Kundenbasis ausbaufähig

Appian hat sich laut Forrester erfolgreich von einem Portal- zu einem Business-Process-Management-(BPM-) und schließlich zu einem Low-Code-Entwicklungsspezialisten entwickelt. Das Unternehmen habe ein Geschäftsmodell eingeführt, das Kostentransparenz und einen einfachen Zugriff biete. Die Herausforderung bestehe jetzt darin, mehr Kunden zu erreichen.

Die Funktionen der Plattform sind breit gefächert, besonders tief reichen die Prozess- und Datenmanagement-Features. Der Anbieter bietet Profi-Entwicklern auch Werkzeuge, um Vorstöße in die Welt des Machine Learnings zu wagen. Hier bringt das Unternehmen ständig neue Produkte und Features heraus. Appian stellt auch ein Tool zur Verfügung, das fachabteilungsnah arbeitende Citizen Developer nutzen können. Außerdem hat das Unternehmen viel Geld in umfangreiche Sicherheitszertifizierungen für seinen Cloud-Service investiert. Wenn es an etwas fehlt, dann laut Forrester an Möglichkeiten einer kontrollierten Skalierung der Plattform sowie an Werkzeugen zur Unterstützung komplexer Web-Anwendungsprojekte, in die mehrere Teams eingebunden sind.

Die Defizite bisheriger Programmiersprachen, Frameworks und Middleware.
Die Defizite bisheriger Programmiersprachen, Frameworks und Middleware.
Foto: Forrester

K2 - Prozessautomatisierung im Fokus

Auch der Anbieter K2 verfügt laut Forrester über starke Referenzen in den Bereichen Low-Code- und Geschäftsprozessautomatisierung. Das Unternehmen habe einen weltweiten Kundenstamm von über 3.500 Unternehmen auf­gebaut. Ziel von K2 sei es, die Breite und den Umfang der Unternehmensprozesse zu automatisieren - ohne Grenzen. Die K2-Plattform ist demnach stark in den Bereichen Mobile- und Web-UX-Design, Datenmanagement (dank der "SmartObjects"-Technologie), Reporting und Analyse sowie Identity- und Access-Management. Prozess-Management, Integration sowie mobile Entwicklung und Plattformadministration werden "solide" unterstützt. K2 müsse aber neue Entwicklungs-Tools rund um IoT und KI besser und schneller unterstützen, heißt es. Zudem seien die Cloud-Sicherheitszertifizierungen und das Low-Code-Geschäftsmodell des Anbieters schwächer als die der Marktführer. Das Unternehmen wisse das aber und arbeite intensiv an diesen Schwächen.

AgilePoint - mit Microsoft-Background

Forrester macht zudem auf zwei Unternehmen aufmerksam, deren Perspektiven als aussichtsreich gelten: AgilePoint und Bizagi. AgilePoint habe sich noch vor einigen Jahren als Anbieter von SharePoint-Add-ons für kleine und mittlere Unternehmen verdingt. Heute biete das Unternehmen eine universell einsetzbare Low-Code-Plattform, die auch für große Unterneh­men interessant sei. Dabei konzentriert sich der Anbieter weiter auf das Microsoft-Ökosystem. Der wichtigste Schritt wäre nun die Schaffung einer weltweiten Entwickler-Community.

Die Stärken von AgilePoint liegen in der agilen, innovativen Produktentwicklung: Auf IoT-Entwicklung und KI-basierte Lösungen, etwa für natürlichsprachige Schnittstellen, habe sich der Hersteller erstaunlich schnell eingestellt. Auch hätten sich die Prozess- und UX-Features des Produkts zuletzt rasant entwickelt.

Bizagi - große Community

Starke Prozess- und Case-Management-Funktionen waren Bizagis Sprungbrett zu Low-Code-Plattformen, und sie bleiben die größte Stärke. Der kostenlose Einstieg und die enorm große Community von 880.000 registrierten Benutzern sprechen für das Unternehmen, das zuletzt ein nutzungsbasiertes Preismodell und einen ersten Public-Cloud-Service zu seinem Angebot hinzugefügt hat. Das kostenlose "Studio"-Produkt von Bizagi ist ein effektives Werkzeug, mit dem Entwickler auf der Business-Seite Beiträge zu Projekten beisteuern können. Es bietet auch starke Content- und Collaboration-Funktionen.

Laut Forrester ist aber Bizagis Transformation von einem BPM- zu einem Low-Code-Plattform­anbieter noch unvollständig. Der Anbieter müsse seine Migration in die Cloud mit eigenen Sicherheitszertifikaten beschleunigen und sich mehr um IoT und Machine Learning kümmern. Auch habe er noch Lücken in der Plattformadmi­nistration und der Anwendungsunterstützung.

Forrester stützt sich in seiner Bewertung zum einen auf Umfragen und Recherchen bei den Anbietern selbst. Zum anderen wurden die Anbieter um Produktdemonstrationen gebeten. Und schließlich haben die Marktforscher zu jedem Anbieter drei oder mehr Kunden ausgiebig interviewt.

MatsSoft - jetzt für Profis

Nach der Übernahme durch Netcall hat MatsSoft seinen Fokus verändert und adressiert jetzt verstärkt Profientwickler, nachdem die Wurzeln im Geschäft mit Business -Developern liegen. In diesem Zusammenhang wurde der Mats-Plattform eine Reihe neuer Codier- und Management-Tools beigefügt. Forrester meint, MatsSoft sei möglicherwiese die geeignete Plattform für Unternehmen, die sowohl Profis als auch ambitionierte Anwender in einer einheitlichen Umgebung entwickeln lassen wollten.

Kunden sagen, die Automatisierungseigenschaften sprächen für die Plattform, außerdem bräuchten Nutzer wenig Training, um relativ schnell auch umfangreichere Anwendungen zu schreiben. Forrster mahnt allerdings eine bessere Unterstützung des Managements von Entwicklungsvorhaben an. In einigen Produktionsbereichen (Deployment-Optionen, Data Loading, Fehler-Handling) habe MatsSoft Probleme, das Tempo der führenden Wettbewerber mitzugehen. Forrester erwartet hier aber schon bald deutliche Verbesserungen.

Progress Software - die Kinvey-Übernahme hilft

Mitte 2017 hat Progress Kinvey übernommen, einen Anbieter, der sich als "Mobile Backend-as-a-Service"-Provider positioniert hatte. Aufbauend aus dessen Produkten hat Progress eine Low-Code-Entwicklungsplattform geschaffen, die nun "Progress Rollbase" ersetzt und laut Forrester die viel bessere Plattform ist - vor allem wenn es gilt Apps und Web-Anwendungen mit exzellenten User-Experience-Eigenschaften zu schreiben.

Progress hat seine Integrations-Tools mit der Low-Code-Plattform verknüpft und bietet nun unter anderem starke IAM-Features. Hervorzuheben sind laut Forrester auch die Werkzeuge für die Entwicklung von Benutzeroberflächen, Interfaces, mobilen Anwendungen und KI-Programmen.

Nachteile zeigen sich bei der Bewältigung von Aufgaben rund um Prozessautomatisierung, Content Management, Organisation des Entwicklungsprozesses, Deployment-Funktionalität und in einigen anderen Bereichen. Laut Forrester hängt das auch damit zusammen, dass Progress eher den Ansatz vertritt, die eigene Low-Code-Umgebung in die Entwicklungslandschaft des Kunden einzubetten, anstatt selbst ein Full-Service-Angebot auszubauen.

GeneXus - der Spätstarter in der Cloud

In Japan und Lateinamerika ist GeneXus wohlbekannt, in anderen Regionen weniger. Wie OutSystems will das Unternehmen ein Anbieter sein, bei dem Kunden einen Vendor Lock-in vermeiden können, wie er etwa mit den Low-Code-Plattformen von Salesforce, Microsoft oder ServiceNow gegeben wäre. Die Stärken des Produkts liegen in Daten-Management, Reporting, mobiler App-Entwicklung und Codier-Tools. In allen anderen Bereichen ist die Plattform laut Forrester Durchschnitt, zumal Anwender berichten, immer wieder aufwändig Schnittstellen für die Integration schreiben zu müssen.

Die größte Schwäche von GeneXus liegt aber im späten Cloud-Einstieg des Herstellers. Zwar können Kunden die Plattform heute in der Cloud-Umgebung ihrer Wahl betreiben, aber sie steht nicht als von GeneXus betriebener Cloud-Service mit eigenen SLAs und Security-Zertifizierungen zur Verfügung.

Thinkwise - Business-Apps modernisieren

Auf die Modernisierung von Kern-Business-Anwendungen ist Thinkwise mit seiner Low-Code-Plattform spezialisiert. Referenzkunden bestätigen in der Tat, dass sie ihre Finanz-, Lagerwirtschaft- oder Produktionsanwendungen komfortabel mit Thinkwise an neue Anforderungen anpassen können. Der Entwicklungsansatz von Thinkwise beginnt mit dem Erstellen eines ausgefeilten Modells für die gewünschten Funktionen und bietet den Entwicklungsprofis dann Tools für das Verfeinern und Detaillieren, um entsprechende Anwendungen entwickeln zu können.

Thinkwise gilt als solide Wahl für das Modernisieren transaktionaler Kern-Geschäftsanwendungen. Mit nativen mobilen Nutzerschnittstellen, fortgeschrittenen KI-Funktionen oder auch Event-basierten Anwendungen - Eigenschaften also, die Forrester in seinem Ranking besonders würdigt - hat Thinkwise eher wenig am Hut.

Scopeland - Low Code made in Germany

Weder bei Forrester Research noch bei Gartner erscheint die Scopeland Technology GmbH, deren Gründer Karsten Noack zu den Pionieren der Low-Code-Plattformentwicklung gilt. Die COMPUTERWOCHE hat kürzlich über ein Projekt bei der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung berichtet, in dem eine große Fachanwendung sehr schnell entwickelt wurde.

Man entschied sich für ein modulweise abgestuftes phasenagiles Vorgehen nach Design-Thinking-Prinzipen. Das Vorgehensmodell ermöglichte eine strukturierte, planbare und zugleich evolutionäre Vorgehensweise in der Softwareentwicklung. Mehr dazu lesen Sie hier.