Start ohne Job-Description

Lonza und das Experiment mit dem Data Scientist

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Um den agilen Modus der bimodalen IT bei Lonza in Schwung zu bringen, stellte CIO Diane Bitzel einen jungen Data Scientist aus China ein. Er startete ohne Job-Description. Der mit ihm entwickelte Service bescherte dem IT-Team eine Silbermedaille beim internen CFO-Award.
  • Der Data Scientist hat Mathematik und Statistik studiert
  • Der gemeinsam mit ihm entwickelte "Enterprise Analytics"-Service ist einer der erfolgreichsten IT-Services
  • CIO Bitzel ist überzeugt: der Bedarf an Data Scientists wird steigen
Dr. Diane Bitzel ist CIO beim Schweizer Chemie- und Pharmaunternehmen Lonza.
Dr. Diane Bitzel ist CIO beim Schweizer Chemie- und Pharmaunternehmen Lonza.
Foto: Dr. Diane Bitzel/ Lonza

Wer in Basel unterwegs ist, kennt das Lonza-Hochhaus. Stolze 68 Meter ragt der moderne Bau des Chemie- und Pharmaunternehmens in den Himmel. Unter Architekturfans bleibt er ein Klassiker, für Diane Bitzel ist er nur einer von mehreren Arbeitsorten. "Wir sind als Unternehmen und als IT sehr global aufgestellt", sagt die CIO, "Unternehmenssprache ist Englisch." Nahtlos wechselt sie zwischen den USA, der Schweiz und China hin- und her, und mit derselben Leichtigkeit hat sie in China einen Data Scientist eingestellt. Ein Experiment, wie sie sagt - mit bisher guten Ergebnissen.

Bitzel war in derselben Ausgangslage wie viele CIOs großer Konzerne: Mit der Digitalisierung wächst die Notwendigkeit einer bimodalen IT. Mode 1 - bei der es salopp gesagt darum geht, den Betrieb am Laufen zu halten - funktioniert bei der klassisch aufgestellten Lonza-IT gut. Wie aber geht man Mode 2 an mit den Erwartungen, das Unternehmen innovationsfähiger zu machen?

Bitzel sah sich an, was Analysten wie Gartner empfehlen. Immer wieder stieß sie auf das neue Buzzword Data Scientist. Dann meldete sich ihr IT-Leiter in China. Er habe einen jungen Data Scientist an der Hand, berichtete er seiner Chefin. Die reagierte: der junge Mann wurde im Herbst 2015 eingestellt. "Wir wussten zu Beginn ehrlich gesagt nicht, was genau er machen sollte", sagt Bitzel offen, "und eine echte Job Description hatten wir auch nicht."

Silbermedaille beim internen CFO Award

Von den Hard Skills her ist James (Name aus Datenschutzgründen geändert, Anm. d. Red.) Mathematiker und Statistiker. Seine Soft Skills liegen in Flexibilität, Eigenständigkeit und Höflichkeit. "James ist das Ganze mit Design Thinking angegangen", sagt Bitzel. Er habe viele Fragen gestellt, wollte wissen, wo bei Lonza Big Data stattfindet. Dann hat er begonnen, Use Cases zu identifizieren.

Daraus entstanden Insights, die das Unternehmen vorher nicht hatte. "Als Ergebnis konnten wir zum Beispiel das Inventory Management verbessern. Außerdem haben wir Market Research und in der Folge auch das Marketing optimiert", zählt Bitzel auf. Dabei bildete James mit zwei Kollegen aus den USA und China ein kleines Team. Krönender Abschluss einer ersten Etappe: Im Juni qualifizierte sich das Data Scientist Team für den internen CFO Award und holte die Silbermedaille - zum ersten Mal erreichte ein Team aus der IT eine solche Auszeichnung.

Inzwischen wurde der zweite Data Scientist eingestellt. Den Service, den James und seine Kollegen entwickelt haben, bietet Bitzel heute als "Enterprise Analytics" firmenweit an. "Das ist einer unserer erfolgreichsten Services", sagt sie. Und stellt fest: "Wir werden plötzlich als innovativ wahrgenommen!"