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LinuxWorld: Stanford-Professor Lessig fordert neues Urheberrecht

30.08.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - In seiner Keynote auf der LinuxWorld Conference & Expo in San Franzisko hat Lawrence Lessig, Professor für Rechtswissenschaft an der renommierten Stanford University, insbesondere für Software und Internet ein neues Urheberrecht eingefordert. Nicht zuletzt der US-amerikanische DMCA (Digital Millennium Copyright Act) hemme Innovationen. Das bestehende Recht helfe nur großen Konzernen dabei, ihre Vormachtstellung in die neue Netzwelt hinüberzuretten. Die versammelten Programmierer und Open-Source-Fans warnte Lessig: "Euer Leben wird zunehmend von denen bestimmt, die sagen was erlaubt ist. Die Folge ist eine Rezentralisierung der Innovationsprozesse."

Ein hartes, aber kurzes Copyright erschiene dem Professor sinnig. Vorstellen könnte er sich etwa einen fünf Jahre dauernden Schutz, der sich bei Bedarf immer wieder (bis zu maximal 75 Jahren) verlängern ließe. Den Programmierern warf er zwei falsche Einstellungen vor. Es bringe gar nichts, sich auf den Standpunkt "Wir schreiben bloß Code und überlassen die Politik den Politikern" oder "Was in Washington passiert, ist pur Zeitverschwendung - lasst uns eine Welt der Freiheit errichten, in die die [Politiker] nicht hineinkommen" zu stellen, so Lessig weiter. Sein Appell: "Ihr müsst unsere Gesellschaft daran erinnern, was Ihr geschaffen habt und wo dessen Wurzeln liegen. Ihr müsst das verteidigen."

Lessig, der auch im Verwaltungsrat der EFF (Electronic Frontier Foundation) sitzt, hielte es für sinnvoll, Leute dann zu bestrafen, wenn sie Technologie missbrauchen - und nicht wenn sie sie schaffen. "Mitarbeiter von Smith & Wesson ist es egal, wenn Revolver Polizisten töten", argumentierte der Jurist drastisch. "Man kann sie illegal benutzen oder auch legal. Wer aber Code schreibt, den man zum Guten wie zum Bösen verwenden kann, wird festgenommen und wandert ins Gefängnis - da stimmt doch etwas nicht."

Große Firmen, die es sich leisten könnten eine ganze Armee von Anwälten anzuheuern, könnten ihre Macht einfach besser verteidigen. "Bestimmte Firmen sind in Sachen Innovation und Entwicklung in einer besseren Position", so Lessig weiter. "Große Unternehmen mit einer großen Sammlung meiner Studenten sind besser dran als kleine Companies, die sich keine Stanford-Absolventen leisten können."