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Linux-Welle in der öffentlichen Verwaltung

07.06.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das quelloffene Betriebssystem Linux steht vor einem Boom in den Behörden. Auf dem Linuxtag in Karlsruhe erklärte Brigitte Zypries, Staatssekretäring im Bundesinnenministerium: „In den Jahren 2003 und 2004 steht eine Migrationswelle in der Öffentlichen Verwaltung bevor, da bisherige Kooperationen mit anderen Herstellern dann auslaufen.“ Angesprochen ist damit Microsoft, das Windows NT, ein in deutschen Ämtern sehr verbreitetes Betriebssystem, nicht mehr unterstützen wird. Desweiteren sind die IT-Verantwortlichen in den Behörden verärgert über das neue Lizenzmodell von Microsoft, das ihnen höhere Kosten bescheren würde, während sie an allen Ecken sparen müssen. Ein Kommentar auf dem Behördenkongress des Linuxtags: „Damit hat sich Microsoft gleich in beide Knie geschossen. Die

Linux-Gemeinde kann sich bei Microsoft bedanken.“

Auf dem Behördenkongress, der den Linuxtag eröffnete, wurde in verschiedenen Beiträgen klar, dass Linux längst mehr als die Server in deutschen Ämtern erobert. Allenthalben gibt es Pilotprojekte, das quelloffene Betriebssystem auch auf Clients einzusetzen. Wären da nicht die Makros in Microsoft Office, würde auch diese Quasi-Standardanwendung aus vielen Büros verbannt. Staatsekretärin Zypries berichtete, dass sich das Verkehrministerium entschieden habe, langfristig nur noch Software nach offenen Standards zu verwenden. Dies betrifft rund 18.000 Arbeitsplätze.

Eine Umkehrung der Linux- und Open-Source-freundlichen Politik deutscher Behörden nach den Bundestagswahlen ist nach Ansicht von Uwe Küster, SPD-Abgeordneter im Bundestag nicht zu erwarten. Auch die CDU hat ein Arbeitspapier vorgelegt, in dem sie erklärt: Zur Förderung von Open-Source-Software sollten öffentliche Stellen nur Software verwenden, deren Quellcode frei zugänglich ist, soweit solche Software vorhanden ist.“ Bundesinnenminister Otto Schily hatte Anfang dieser Woche eine Kooperation mit IBM und dem Nürnberger Distributor Suse geschlossen, um die öffentliche Verwaltung zu besonders günstigen Konditionen auf Linux umzustellen (Computerwoche online berichtete). (ls)