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Lernout & Hauspie will sich nicht teilen

04.12.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der vor dem Konkurs stehende Spracherkennungsspezialist Lernout & Hauspie (L&H) lehnt die Ausgliederung einzelner Abteilungen zur Sanierung des Unternehmens ab. "Wir wollen das, was wir haben, erhalten und nicht abstoßen," erklärte Chairman Roel Pieper am vergangenen Freitag vor Analysten und Vertretern der Presse. Noch habe man den sicheren Hafen nicht erreicht, aber er sei zumindest schon in Sicht, hieß es weiter. Der unmittelbare Fokus des belgischen Unternehmens liege nun auf der kurzfristigen Finanzierung. Firmenchef John Duerden hat vier Ziele vor Augen: Er will die Vergangenheit hinter sich lassen, saubere Bilanzen aufweisen, weder Mitarbeiter noch Kunden verlieren und einen soliden Restrukturierungsplan aufstellen.

L&H beantragte in der vergangenen Woche Gläubigerschutz in den USA und meldete in Belgien Konkurs an (Computerwoche online berichtete). Den Experten für Spracherkennung und -synthese fehlen rund 100 Millionen Dollar, die ihr koreanischer Ableger eigentlich einnehmen sollte. Außerdem pochen Banken auf die Rückzahlung von Krediten in dreistelliger Millionenhöhe. Die Misere begann für L&H mit gefälschten Bilanzen in den vergangenen zweieinhalb Geschäftsjahren. Inzwischen sind die Firmengründer Jo Lernout und Pol Hauspie sowie andere hochrangige Manager von ihren Posten zurückgetreten.