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L&Hs letztes Aufbäumen: Neuer Restrukturierungsplan

11.09.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Am gestrigen Montag hat der unter Gläubigerschutz stehende Softwarekonzern Lernout & Hauspie (L&H) erneut einen Restrukturierungsplan im belgischen Konkursgericht in Ieper eingereicht. Dem Konzept zufolge soll das Kerngeschäft mit Spracherkennungs- und Sprachsyntheseprodukten sowie 400 Mitarbeiter in eine neue Firma (vorläufiger Codename "Newco") überführt werden. In der Folge müssten 200 Beschäftigte entlassen werden. Zur Finanzierung benötigt L&H 20 bis 25 Millionen Dollar. Auch L&Hs US-Division Dictaphone soll dem neuen Konzept zufolge in ein separates Unternehmen überführt werden. Im Juni 2001 hatte das Gericht einen ersten Restrukturierungsplan des Unternehmens zurückgewiesen.

Die neuen Firmen, Newco und Dictaphone, sollen dem neuen Plan zufolge mehrheitlich in den Besitz der Kreditgeber von L&H übergehen. Ein Konsortium von fünf belgischen und deutschen Banken, denen L&H insgesamt 340 Millionen Dollar schuldet, werde 65 Prozent von Dictaphone erhalten, heißt es weiter. Newco soll zu 100 Prozent an die Kreditgeber gehen.

Sollte der Restrukturierungsplan grünes Licht erhalten, werde L&H sofort mit der Implementierung der Maßnahmen beginnen. Die neuen Firmen wiederum könnten bald Käufer beziehungsweise Investoren finden: Wie L&H bekannt gab, habe man Anfang September ernsthafte Angebote von zwei renommierten Vertretern der Softwarebranche erhalten, die entweder das gesamte Spracherkennungsgeschäft oder Teile davon kaufen beziehungsweise darin investieren wollen. Die Identität der Interessenten wollte Firmenchef Philippe Bodson nicht nennen. Sollte es jedoch bis Oktober 2001 zu keinem Vertragsabschluss kommen, will er Konkurs erklären. Wie er vor kurzem mitgeteilt hatte, reichen L&Hs Geldmittel nur noch bis dahin. Bodson hofft nun auf ein Ergebnis noch vor dem 18. September. Dann nämlich steht das nächste Treffen mit seinen Gläubigern auf dem Programm.

Ob L&Hs Kerngeschäft in zwei neuen Firmen überlebt oder nicht, kann den Aktionären jedoch einerlei bleiben. Sie werden auf jeden Fall leer ausgehen. "Die Anleger sind die Opfer", erklärte Bodson. "Sowohl unter dem US- als auch dem belgischen Konkursgesetz werden bei einem Konkurs zunächst die Kreditgeber entlohnt. Wenn von der Konkursmasse nicht genug übrig bleibt, um die Schulden zu bezahlen, dann reicht es auch nicht für die Aktionäre. In dieser Situation sind wir jetzt. Daran kann ich nichts ändern", bedauerte Bodson.

Andere Geschäftseinheiten hat L&H inzwischen veräußert, darunter die auf Übersetzungssoftware spezialisierte Einheit Mendez, die 44,8 Millionen Dollar einbrachte (Computerwoche online berichtete).