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L&H prüft Übernahmeangebote

18.12.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die in Schieflage geratene belgische Softwareschmiede Lernout & Hauspie (L&H) hat mehrere Übernahmeangebote erhalten. Das Interesse beziehe sich auf einzelne Unternehmensbereiche sowie auf die Akquisition der kompletten Firma, erklärte Chairman Roel Pieper gegenüber der Presse. Derzeit prüfe man die einzelnen Offerten, hieß es weiter.

Das auf Spracherkennung und -synthese spezialisierte Softwarehaus steht unmittelbar vor der Pleite. Begonnen hatte die Misere mit manipulierter Bilanzen, die L&H zu einer Ergebniskorrektur für die letzten zweieinhalb Geschäftsjahre zwangen. Zudem fehlen dem Unternehmen über 100 Millionen Dollar in der Kasse seiner südkoreanischen Niederlassung. Die Banken fordern Kredite in dreistelliger Millionenhöhe zurück und zu allem Überfluss verweigerte ein belgisches Gericht der Firma unlängst den beantragten Gläubigerschutz. Pieper teilte am vergangenen Freitag dazu mit, man werde Revision gegen das Urteil einlegen. Zu den 100 Millionen Dollar in Korea hieß es: "Das Geld ist nicht verschwunden; es ist im Moment nur nicht abrufbar."

L&H hat inzwischen von General Electrics Investitionsgesellschaft GE Capital eine Finanzspritze in Höhe von 20 Millionen Dollar erhalten. Ferner stünden dem Unternehmen bei Bedarf weitere Mittel zur Verfügung. Damit könne L&H seine Angestellten "noch Monate" beschäftigen, bekräftigte Pieper.