Berühmte Entwickler ganz privat

Kurse sind Zeitverschwendung

23.11.2009
Von 


Simon Hülsbömer betreut als Senior Project Manager Research Studienprojekte in der IDG-Marktforschung. Zuvor verantwortete er als Program Manager die Geschäftsentwicklung und die Inhalte des IDG-Weiterbildungsangebots an der Schnittstelle von Business und IT - inhaltlich ist er nach wie vor für das "Leadership Excellence Program" aktiv. Davor war er rund zehn Jahre lang als (leitender) Redakteur für die Computerwoche tätig und betreute alle Themen rund um IT-Sicherheit, Risiko-Management, Compliance und Datenschutz.

Thomas E. Kurtz, BASIC: OOP ist ein großer Betrug

Welches ist der beste Weg, eine neue Programmiersprache zu erlernen?

Tom: Wenn Sie einmal wissen, wie man programmiert, und die Konzepte kennen (zum Beispiel wie Speicher alloziert wird), ist das Erlernen einer neuen Sprache einfach, wenn man Zugriff auf eine Referenzanleitung und eine ordentliche Implementierung (zum Beispiel einen Compiler) hat. Ich habe das häufig getan.

An einem Kurs teilzunehmen, ist eigentlich ziemliche Zeitverschwendung.

BASIC-Programmierer Thomas E. Kurtz (Foto: MIT)
BASIC-Programmierer Thomas E. Kurtz (Foto: MIT)

Jeder Programmierer, der sein Geld wert ist, wird während seiner Arbeitsjahre viele Sprachen erlernen. (Ich habe vermutlich mehr als 20 verwendet.) Neue Sprachen lernt man, indem man die Anleitung liest. Mit ein paar Ausnahmen haben die meisten Programmiersprachen eine ähnliche Struktur und ein ähnliches Verhalten, daher lassen sich neue Sprachen ziemlich einfach erlernen, wenn es eine ständige Beschreibung für sie gibt.

Nachdem Sie sich einmal mit den spracheigenen Begriffen vertraut gemacht haben (Was bedeutet Polymorphismus?), geht der Rest quasi von allein.

Ein Problem beim heutigen Programmierstil ist, dass es keine Anleitungen gibt - nur Tools zum Bauen von Schnittstellen. Sie sind so entworfen, dass Programmierer viele der Anweisungen nicht mehr Buchstabe für Buchstabe tippen müssen, sondern eher wie bei den CAD- und CAM-Tools der Ingenieure vorgehen können. Für Programmierer der alten Schule ist das ein Gräuel - ich möchte den ganzen Code tippen, Zeichen für Zeichen.

Es gab in der Vergangenheit Versuche, das Tippen zu vereinfachen (für schlechte Schreiber oder Studenten), indem Makros bereitgestellt wurden (wie zum Beispiel ein einzelner Tastendruck für das Schlüsselwort LET), aber so richtig durchgesetzt haben sie sich nie.

Ich versuche momentan, eine Sprache zu erlernen, die wohl "objektorientiert" ist. Es gibt keine Referenz, zumindest habe ich keine gefunden. Die verfügbaren Anleitungen zeigen nur ziemlich triviale Beispiele und nutzen 90 Prozent des Platzes dafür, zu zeigen, warum OOP (objektorientierte Programmierung, Anm. d. Red.) eine so überragende "Religion" ist. Ich habe Freunde, die an einem C++-Kurs teilgenommen haben, aber es war aus pädagogischer Sicht ein Desaster. Meiner Meinung nach ist OOP ein großer Betrug, der an der Community begangen wird. Alle Sprachen wurden ursprünglich für eine bestimmte Klasse von Anwendern entworfen - FORTRAN für umfangreiche numerische Berechnungen und so weiter. OOP war dafür gedacht, dass seine Anwender sich überlegen fühlen können, weil sie "dazugehören". In Wahrheit ist der einzige wichtige Aspekt des OOP ein Ansatz, der schon vor Jahrzehnten entwickelt wurde: das Kapseln von Unterroutinen und Daten. Alles andere ist nur Dekoration.