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Kredite für Mobilcom sind weiter gefährdet

23.09.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der finanziell angeschlagene Mobilfunkanbieter Mobilcom muss weiter um den Großteil der zugesicherten Kredite über 400 Millionen Euro bangen. Zwar hat das Büdeldorfer Unternehmen bereits am Donnerstag Abend die erste Tranche über 50 Millionen Euro abgerufen, nachdem die Bundesregierung die Bürgschaft für das Geld übernommen hatte. Die bankmäßige Prüfung über weitere Darlehen von 270 Millionen Euro dauere aber noch an, teilte die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) mit. Erst nach weiteren Gesprächen mit Mobilcom und den Banken könne eine Entscheidung über die weitere Kreditvergabe getroffen werden, erklärte die Förderbank. Die Kreditanstalt dementierte damit einen Bericht des Magazins "Der Spiegel", wonach die KfW- gegenüber der Bundesregierung signalisiert hätten, dass es

zu keiner weiteren Auszahlung außer den bisher bereitgestellten 50 Millionen Euro an Mobilcom kommen werde.

Nach dem Ausstieg des Großaktionärs France Télécom ist der Mobilfunkanbieter vom Bankrott bedroht. Nachdem der Kooperationspartner beim Aufbau eines deutschen UMTS-Netzes seine Zahlungen eingestellt hat, wird Mobilcom nur durch Kreditzusagen der Bundesregierung und dem Land Schleswig-Holstein am Leben erhalten. Absicherung des 270 Millionen Euro hohen Darlehens sind lediglich offene Forderungen gegen die Franzosen aufgrund eines laut Mobilcom noch gültigen Rahmenvertrags.

Presseberichten zufolge droht dem Unternehmen im schlimmsten Fall sogar die Rückzahlung der Sofortbeihilfe, da die Summe ohne die erforderliche Genehmigung der EU-Wettbewerbskommission bereitgestellt wurde. Die Bundesregierung soll das Hilfspaket zwar rechtzeitig vor der Überweisung an Mobilcom angemeldet, jedoch nicht auf eine Entscheidung aus Brüssel gewartet haben. Dies sei zwar nicht korrekt, in der Praxis aber gebräuchlich, da Firmen oft das Geld sofort bräuchten, hieß es. (mb)