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Kodak-Chef vertröstet Investoren und hofft auf neue Wifi-Kamera

29.09.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der seit Juni 2005 amtierende Eastman-Kodak-Chef Antonio Perez hat in einer Konferenz mit Investoren eingeräumt, dass sich der Prozess des Übergangs von der traditionellen zur digitalen Photographie für seinen Konzern nach wie vor schwierig gestaltet. Der Chief Executive Officer reduzierte die kurzfristigen Profiterwartungen, sagte aber auch, auf lange Sicht sei Kodak gut positioniert (siehe auch: "Daniel Carp räumt den Kodak-Chefsessel").

In der Präsentation des Kodak-Managements war viel vom Jahr 2008 die Rede. Der Umsatz, der sich im vergangenen Geschäftsjahr auf 13,5 Milliarden Dollar belief, soll dann bei über 17 Milliarden Dollar liegen. Das Unternehmen will zu diesem Zeitpunkt 80 Prozent seiner Einnahmen mit digitalen Produkten und Services generieren. Allerdings musste Perez auch gestehen, dass die Produktion digitaler Kameras für das wichtige vierte Quartal 2005 erst einmal zurückgefahren worden sei. Das Unternehmen fürchtet eine Konsumschwäche angesichts der hohen Ölpreise und weist ferner auf die kaum absehbaren Auswirkungen der Hurrikans "Katrina" und "Rita" auf die Kauflaune der US-Bürger hin.

Der operative Gewinn der Digital-Photographie-Sparte soll mit 275 bis 325 Millionen Dollar etwas schwächer ausfallen als zuletzt erwartet. Das Vorjahresergebnis von 45 Millionen Dollar werde aber mindestens vervierfacht. Konkrete Umsatz- und Gewinnerwartungen für das laufende oder das kommende Geschäftsjahr Kodak nicht heraus.

Im Juli dieses Jahres hatte das Unternehmen mitgeteilt, seine bereits begonnene Restrukturierung zu beschleunigen und statt der angekündigten 15 000 rund 25 000 Arbeitsplätze abzubauen (siehe auch: "Digitalisierung kostet deutlich mehr Kodak-Arbeitsplätze"). Finanzchef Robert Brust sagte den Investoren, Kodak werde in diesem Jahr voraussichtlich 1,5 Milliarden Dollar an Aufwendungen für den Konzernumbau aufwenden, von denen 600 Millionen Dollar in bar für den Personalbbau in die Hand genommen werden sollen. Für den Rest sollen Abschreibungen auf Produktionsstätten und Herstellungsequipment verantwortlich sein (siehe auch: "Kodak schließt Produktionsstätten").

Nicht alle Analysten waren mit den Erklärungen des Managements glücklich. Der Konzern blicke zu sehr auf das Jahr 2008 und zu wenig auf die nächsten beiden Quartale, ereiferte sich ein Investor. Auch die Strategie, möglichst schnell die aufgelaufenen Verbindlichkeiten von 3,2 Milliarden Dollar abtragen und so das Kredit-Rating verbessern zu wollen, wurde beanstandet. Wesentliche Unternehmensbereiche, etwa der für medizinische Imaging-Lösungen, steckten noch in zu großen Schwierigkeiten, um eine solche Strategie verfolgen zu können, hieß es.

Doch es gibt auch Hoffnungsträger im Kodak-Angebot, vor allem die Digitalkamera "Easyshare-one". Das rund 500 Euro teure Gerät wird mit einer WLAN-Karte ausgeliefert, die Benutzern den direkten drahtlosen Zugang zum Internet ermöglicht. Die Bilder können direkt via Email an Freunde und Bekannte verschickt oder auf die Easyshare-Photo-Website hochgeladen und dort bearbeitet oder archiviert werden. Kodak plant eine aufwändige Werbekampagne, um diese und andere Digitalkameras besser zu vermarkten. (hv)