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Kleinaktionäre verklagen Telekom-Chef

28.02.2001
Die Aktionsgemeinschaft geschädigter T-Aktionäre hat gegen Telekom-Chef Ron Sommer sowie den Unternehmensvorstand Strafanzeige eingereicht. Der Vorwurf: Verschleierung, Kapitalanlagebetrug und Verstöße gegen das Börsengesetz.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Aktionsgemeinschaft geschädigter T-Aktionäre hat gegen Telekom-Chef Ron Sommer sowie den Unternehmensvorstand Strafanzeige gestellt. Sie werfen dem Konzern Verschleierung, Kapitalanlagebetrug und Verstöße gegen das Börsengesetz vor. Im Mittelpunkt der Anklage steht die Abwertung des Telekom-Immobilienvermögens um rund vier Milliarden Mark wodurch der Jahresgewinn 2000 um etwa 1,5 Milliarden Euro (20 Prozent) nach unten korrigiert wurde (Computerwoche online berichtete).

Die Vorwürfe der Aktionsgemeinschaft, die durch die Rechtsanwälte Jens-Peter Gieschen und Hans-Joachim Wiebe vertreten wird, richten sich vor allem gegen den Telekom-Chef, der für die Revision zuständig sei. "Wer Kontrollpflichten hat, muss sie auch ausüben", so Gieschen. Den Anwälten zufolge spricht einiges dafür, dass zumindest beim zweiten und dritten Börsengang keine wahrheitsgemäßen Angaben über die Immobilienwerte gemacht worden seien. Sollte sich der Verdacht bestätigen, dass Vermögenswerte falsch dargestellt wurden, werde man versuchen, für die bislang zehn Mandanten Ersatz für deren "beträchtliche Schäden" zu erreichen, erklärte Wiebe. Einige von ihnen hätten mehr als 80.000 Mark durch die Investition in die T-Aktie verloren.

Sommer wies unterdessen diesen Verdacht zurück und zeigte sich der Klage gegenüber gelassen. In einem Interview mit dem ZDF sagte der Vorstandsvorsitzende, die Börsenprospekte seien von den bedeutendsten Kanzleien, dem Bundesfinanzministerium und Wirtschaftsprüfern erstellt worden: "Das lässt mich ruhig in diese Klage blicken." Den jüngsten Kursverlust der T-Aktie sieht Sommer nicht als besonderes Problem der Deutschen Telekom, sondern eher als ein Zeichen für die derzeit schwierige Lage an den Weltbörsen. Unternehmen mit Substanz, wie die Telekom, werden nach Sommers Worten diesen Sturm meistern. Außerdem bekräftigte der Konzernchef erneut, dass er nicht an einen Rücktritt denke: "Ich bin kein Schönwetter-Kapitän."

Trotz Sommers Zuversicht zeigt sich die Bundesregierung über den Kursverfall der Telekom-Aktie zunehmend beunruhigt. Wie die "Financial Times Deutschland" berichtet, heißt es in Regierungskreisen, dass ein niedriger Aktienkurs die geplante Finanzierung der Pensionskasse von Telekom- und Postbeamten aus Privatisierungserlösen gefährden könnte. Die mittelfristig zu erwartende Finanzierungslücke müsste letztendlich durch Steuereinnahmen gedeckt werden. Für das aktuelle Haushaltsjahr sind die Zuschüsse an den Bundes-Pensions-Service für Post und Telekom (BPS) aus den Verkäufen von Telekom- und Post-Aktien im vergangenen Jahr gedeckt. In den vergangenen zwölf Monaten haben die Aktien der Telekom jedoch rund 60 Prozent an Wert verloren. Wie weiter bekannt wurde, hält die Regierung unter den gegenwärtigen Umständen den Verkauf weiterer Telekom-Anteile in diesem Jahr für nicht denkbar, da man sich zur Kurspflege verpflichtet

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