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Kleinaktionäre kritisieren die Telekom

28.05.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Harsche Kritik an der Deutschen Telekom und insbesondere deren Chef Ron Sommer haben Vertreter von Kleinaktionären auf der heutigen Hauptversammlung des Bonner Konzerns geübt. Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) schmähte die Telekom-Aktie "hoch riskantes Zocker-Papier"; Sommer lasse keine klare Strategie erkennen und geriere sich als "Sonnenkönig". Mit den zwei Träumen des Unternehmens, UMTS und VoiceStream, sei in absehbarer Zeit kein gutes Geld zu verdienen.

Die - vom Aufsichtsrat bestrittene - Anhebung der Vorstandsbezüge um 90 Prozent auf 17,4 Millionen Euro nannte die DSW-Frau "eine Ohrfeige für alle Aktionäre" und kritisierte auch die im vergangenen Jahr genehmigten Aktienoptionspläne für die Chefetage. "Wer in Zeiten der Cholera noch Kaviar bestellt, darf nicht auf das Verständnis der T-Aktionäre hoffen", so Benner-Heinacher. Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre blies ins gleich Horn und bezeichnete die T-Aktie als "Investment für Masochisten" - nicht zuletzt wegen der "quälenden Statements des Vorstands", durch die sich die Anleger verhöhnt sähen.

Sommer hatte zuvor in seiner rund eineinhalbstündigen Rede zwar Fehleinschätzungen eingestanden, zugleich aber seine Strategie als zukunftsorientiert verteidigt. Der Absturz der Telekom-Aktie an der Börse sei angesichts der objektiv positiven Fakten, beispielsweise des Umsatzwachstums, nicht nachvollziehbar und nur mit psychologischen Mechanismen zu erklären, so der Telekom-Chef. Geirrt habe sich das Management etwa in der Einschätzung des regulierungsbedingten Preisverfalls, räumte Sommer ein. Dieser sei in seiner Dynamik einfach nicht vorhersehbar gewesen.

Die Telekommunikation sei weiterhin eine Wachstumsbranche, die Telekom habe sich im Wettbewerbsumfeld gut behauptet. Um seinen Schuldenberg von derzeit rund 67 Milliarden Euro bis Ende 2003 auf 50 Milliarden Euro zu senken, will der Konzern unter anderem in den nächsten zwei Jahren Immobilien im Wert von sechs Milliarden Euro und seine Beteiligung an France Telecom verkaufen. Außerdem ist ein weiterer, laut Sommer aber keineswegs beschleunigter Stellenabbau geplant. Bis Ende 2004 gebe es einen "Überhang von 22.000 Stellen" in erster Linie im Festnetzbereich T-Com. Diese sollen sozialverträglich abgebaut werden. Die Telekom plant Sommer zufolge auch weiterhin den Verkauf ihrer restlichen Kabelfernsehnetze und den Börsengang der Mobilfunktochter T-Mobile. Dafür müssten sich aber die Rahmenbedingungen erst verbessern. (tc)