Digitalisierungsgrad im Mittelstand steigt

KI rückt beim Mittelstand in den Fokus

11.11.2019
Von 
Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Digitalisierung lohnt sich für den Mittelstand. Zu diesem Ergebnis kommt die vierte repräsentative Telekom-Studie „Digitalisierungsindex Mittelstand 2019/2020“. Dabei ist der Grad der Digitalisierung ist über alle Branchen und Unternehmensgrößen hinweg weiter angestiegen.
Glaubt man dem Digitalisierungsindex Mittelstand 2019/2020, soi steigt der Digitalisierungsgrad im deutschen Mittelstand beständig.
Glaubt man dem Digitalisierungsindex Mittelstand 2019/2020, soi steigt der Digitalisierungsgrad im deutschen Mittelstand beständig.
Foto: SynthEx - shutterstock.com

Zwei Buchstaben elektrisieren dem Digitalisierungsindex zufolge derzeit Wirtschaft und Gesellschaft - KI. Und zwar nicht als ferne Utopie, sondern als reales Arbeitswerkzeug. Der "Digitalisierungsindex Mittelstand 2019/2020" zeigt: Viele Mittelständler diskutieren das Thema bereits intensiv und informieren sich über die Chancen, die zum Beispiel Machine-Learning-Systeme für das eigene Geschäft bieten. Hierzu befragte techconsult im Auftrag der Telekom im Sommer 2019 2.100 kleine und mittelständische Unternehmen. 71 Prozent der befragten Unternehmen sehen das Potenzial von KI für ihre Branche. Durchschnittlich setzen bereits sieben Prozent der Unternehmen KI-Systeme ein. 19 Prozent verfolgen konkrete Pläne.

Allerdings gibt es zwischen den Branchen große Unterschiede. Am stärksten sind KI-Systeme bei den Versorgern und in der Informations- und Kommunikationsbranche (17 Prozent) verbreitet. Banken und Versicherungen (zwölf Prozent) zählen ebenfalls zu den Vorreitern. Die Einsatzgebiete variieren stark: Vielerorts assistieren bereits Chatbots im Kundenservice, während in der Produktion lernende Bildverarbeitung die Ausschussware aussortiert. Des Weiteren wartet KI in zahlreichen Fabriken Maschinen schon vorausschauend. Genau wie bei anderen Digitalisierungsthemen haben die Digital Leader auch in Sachen KI erneut die Nase vorn: Knapp 20 Prozent der digitalen Vorreiter setzen KI-Anwendungen bereits ein; 32 Prozent wollen diesem Beispiel bald folgen.

Besonders aufgeschlossen zeigen sich die Unternehmen gegenüber Robotik-Systemen. Sechs von zehn Unternehmen können sich vorstellen, sie selbst zu nutzen. Bei den Digital Leadern wäre dazu jedes achte Unternehmen bereit. Ihr Einsatz hängt von der jeweiligen Branche ab: So kann sich der Handel vorstellen, sich von Robotik-Systemen bei Inventuren unterstützen zu lassen, das Hotelgewerbe denkt über Roboter als Unterstützung am Empfang nach, im Gesundheitswesen könnten die Systeme den Mitarbeitern bei der Probenbehandlung unter die Arme greifen.

Digitalisierungsgrad steigt

Der Mittelstand arbeitet konsequent an seiner digitalen Transformation. Der Digitalisierungsindex zeigt: Im Vergleich mit dem Vorjahr sind die Unternehmen weiter vorangekommen.
Der Mittelstand arbeitet konsequent an seiner digitalen Transformation. Der Digitalisierungsindex zeigt: Im Vergleich mit dem Vorjahr sind die Unternehmen weiter vorangekommen.
Foto: Digitalisierungsindex Mittelstand, Deutsche Telekom und techconsult

Insgesamt stieg der Digitalisierungsgrad über alle Branchen und Unternehmensgrößen hinweg weiter an. Er erreicht nun 56 von 100 möglichen Indexpunkten. "Mittelständische Unternehmen erkennen immer deutlicher, dass sich ihr Einsatz für die Digitalisierung auszahlt. Sie steigern ihren Umsatz, verbessern Prozesse. Und sie gewinnen leichter neue Kunden," so Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden der Telekom Deutschland. Geht man ins Detail, so zeigt die Studie, dass vier von zehn Unternehmen durch digitale Projekte ihren Absatz (40 Prozent) steigerten. Umsatz und Betriebsergebnis konnten je 41 Prozent verbessern. 45 Prozent der Befragten konnten Neukunden gewinnen. 52 Prozent haben ihre Prozesse vereinfacht. Für 47 Prozent ließen sich so Service oder Produktqualität verbessern.

Digitale Geschäftsmodelle

Bei den digitalen Geschäftsmodellen legte der Mittelstand um einen Indexpunkt auf 48 zu. Dies ist die Königsdisziplin der Digitalisierung. Hier sind Fortschritte besonders schwer zu erzielen, aber immens wichtig. Wer wettbewerbsfähig bleiben möchte, so die Studienautoren, muss seinen Kunden digitale Produkte anbieten und sein Portfolio sowie seine Vertriebskanäle erweitern. Zudem müssten etablierte Unternehmen disruptive Innovationen entwickeln, denn nur so könnten sie sich im Wettbewerb mit Start-ups und der internationalen Konkurrenz behaupten. Dem Index zufolge veredeln mittlerweile 21 Prozent der Unternehmen ihre Produkte mit vernetzten und intelligenten Funktionen. Weitere 30 Prozent sind dabei, smarte Funktionen zu entwickeln.

Top-Digitalisierer profitieren überproportional

Besonders deutlich wird der Zusammenhang zwischen dem Grad der Digitalisierung und wirtschaftlichem Nutzen bei den "Top 10" der Befragten. Diese digitalen Vorreiter sind den anderen Befragten mit einem Indexwert von 85 Punkten deutlich voraus. Sie sind mit ihren erzielten Ergebnissen wesentlich zufriedener als die anderen Unternehmen. Fast drei Viertel der Top-Performer heben einen höheren Umsatz hervor. Noch deutlicher ist der Unterschied in Sachen Produkt- und Servicequalität: Hier sehen sich 83 Prozent der digitalen Vorreiter auf bestem Weg.

Intelligente Datenanalyse als Schlüssel zum Erfolg

Einer der Beschleuniger der Digitalisierung sind die Daten. Und die Vielzahl der vorhandenen Daten wird von den Unternehmen zunehmend intelligenter genutzt - sie ziehen mehr Informationen heraus. So verstehen die Unternehmen ihre Kunden besser und erkennen Muster oder Trends im Kaufverhalten. Damit lassen sich Aktivitäten in Richtung Kunden zielführender umsetzen. So individualisieren fast ein Drittel der Befragten Produkte und Services mithilfe von Daten, denn personalisierte Produkte und Services wirken sich positiv auf die Umsätze aus. Dies sagen 85 Prozent der befragten Unternehmen.

Dauerproblem bleibt der Fachkräftemangel und das fehlendes Know-how. Dies verzögert die digitale Transformation. 37 Prozent der Studienteilnehmer greifen mittlerweile zur Selbsthilfe und investieren gezielt in die digitale Weiterbildung ihrer Beschäftigten.