Schweiz startet mit modernem Bildungskonzept

KI-Nachhilfe für CEOs

05.04.2019
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Europa ist in der praktischen Umsetzung von Künstlicher Intelligenz rückständig. In der Schweiz hat nun die "Artificial Intelligence Business School" eröffnet, um digitale Bildung vom Schüler bis zum Chef zu ermöglichen.

Nur 16 Geschäftsführer der 80 größten Mittelständler haben laut einer Studie der HTW Berlin ausgewiesene Digitalerfahrung. Bei 285 weiteren Unternehmen im Mittelstand sind es noch knapp acht Prozent. "Das ist nicht verwunderlich", meint Selçuk Boydak, Gründer der AI Business School und zeigt Verständnis: "Man darf die Veränderungsgeschwindigkeit nicht vergessen. Bei vielen Führungskräften gab es noch nicht einmal das Internet, als sie studiert haben."

Selçuk Boydak ist Gründer der AI Business School, die er Ende März in Zürich eröffnete, und die sich zunächst an das Management wendet. (Foto: C-Level)
Selçuk Boydak ist Gründer der AI Business School, die er Ende März in Zürich eröffnete, und die sich zunächst an das Management wendet. (Foto: C-Level)

Technologische Innovation schreite mit solch hohem Tempo voran, dass es normal sei, mit digitalem Neuland nicht per se vertraut zu sein. Deshalb herrsche Weiterbildungsbedarf. Um diesen zu decken, entwickelt der Digitalunternehmer eine Plattform. Fast alle Themen der Künstlichen Intelligenz seien neu oder noch im Entstehen. "Mir sagte Robotics Process Automation (RPA), also robotergesteuerte Prozessautomatisierung, bis vor zwei Jahren auch noch nichts", gibt Boydak zu. Doch mittlerweile habe er gleich mehrere Unternehmen gegründet, die sich damit befassen.

Experten gehen davon aus, dass durch RPA in Kombination mit weiteren AI-Lösungen bis 2035 rund die Hälfte aller Bürotätigkeiten automatisiert werden können. Andererseits entstehen neue Aufgaben und Jobprofile. Hier gelte es anzusetzen, um den Menschen zu helfen, sich weiterzubilden und umzuschulen. Bereits vor mehr als 20 Jahren beobachtete der studierte Wirtschaftsingenieur, wie schwer sich Unternehmen mit neuen Technologien tun und wie groß die Kluft zwischen IT und Kerngeschäft sein kann. Später als Internetunternehmer der ersten Stunde merkte Boydak, wie schwerfällig sich Großunternehmen im Vergleich zu kleinen, agilen Startups bewegen.

2002 zog Boydak in die Schweiz um. 100 der 400 größten Firmen des Landes hat er in den Folgejahren in Sachen digitaler Transformation beraten. Hinzu kommt mit "C-Level" ein Netzwerk für Manager: 4000 Geschäftsleitungs- und Verwaltungsratsmitglieder der größten Schweizer und internationaler Unternehmen gehören dem Zirkel an. 20 Mitarbeiter umfasst das Kernteam. Unterstützt wird diese durch eine Riege von AI-Koryphäen.

Ende März fand die Eröffnung der AI Business School im Papiersaal in Zürich statt in Anwesenheit von über 100 Schweizer und deutschen Geschäftsführern und Vorständen. "Nachhaltiges Change-Management beginnt in der Spitze. Darum sind die ersten Kurseinheiten für das Top-Management ausgelegt", erklärt Boydak. Für sie würden Tageskurse angeboten, die einen Überblick liefern, um den aktuellen Stand von Technologien und auf diesen basierenden Anwendungen zu verstehen und die sich eröffnenden Chancen zu erkennen.

In eintägigen Vertiefungskursen können Entscheider diesem Ziel folgend die Werkzeuge kennenlernen und deren Potenziale verstehen. In einem ersten Teil werden dazu anwendungsorientierte Hintergründe und Praxisbeispiele etwa zu Machine Learning vorgestellt und anhand von Fallstudien bis hin zur Implementierung erklärt. In einem zweiten Teil können die Teilnehmer selbst Elemente wie Chat Bots entwickeln oder erste einfachen Algorithmen für Machine Learning schreiben.

Bis zu 30 Unternehmensführer nehmen pro Kurs teil. Zehn solcher Kurse sind für 2019 geplant. Das Ziel: Die Teilnehmer sollen besser entscheiden können, welche Digitalprojekte sich für ihre Firma lohnen. Und sie sollen unterscheiden können, welche Technologieanbieter für das jeweilige Ziel geeignet sind und welche nicht.

Ab Sommer startet in der nächsten Stufe der AI Business School das "Corporate AI Programm", um Mitarbeiter auf das AI-Zeitalter vorzubereiten. Hier ist das Curriculum umfangreicher und detaillierter konzipiert, da die Teilnehmer sich mit konkreteren, operativeren Fragen auseinandersetzen müssen als ihre Chefs. Während die Kurse für die Führungsetagen als Präsenzseminare stattfinden, findet das Corporate AI Programm bis zu 70 Prozent online statt.

Modular können die Kurse zusammengestellt werden. So können Lerneinheiten von einer mehrtägigen Schulung bis zu einer berufsbegleitenden 18-monatigen Ausbildung reichen, die einem Master vergleichbar sei. Perspektivisch sollen auch Schüler und Studenten Zugriff auf das Netzwerk erhalten.

https://aibusinessschool.com