VDI-Studie

KI in Deutschland: Viel Forschung, wenig Nutzung

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Aus Sicht des VDI zählt Künstliche Intelligenz (KI bzw. AI) zu den Schlüsseltechnologien der kommenden Jahre. Eine Umfrage des Branchenverbands unter seinen Mitgliedern ergab allerdings, dass der Einsatz von KI in der deutschen Industrie noch in den Kinderschuhen steckt.
Künstliche Intelligenz bildet zukünftig die Grundlage für die Realisierung von hochautomatisierten beziehungsweise autonomen Systemen.
Künstliche Intelligenz bildet zukünftig die Grundlage für die Realisierung von hochautomatisierten beziehungsweise autonomen Systemen.
Foto: Phonlamai Photo - shutterstock.com

In einer aktuellen Umfrage unter 900 Mitgliedern des VDI gaben knapp 60 Prozent an, KI derzeit lediglich zur Analyse von Daten zu nutzen. Dieses Bild verschiebt sich jedoch bei einem Blick in die nahe Zukunft. "In fünf Jahren", so VDI-Direktor Ralph Appel zum Auftakt der Hannover Messe 2018, "dominiert zwar immer noch die Datenanalyse, aber es wird laut den Umfrageergebnissen damit gerechnet, dass KI wesentlich intensiver - genauer gesagt um den Faktor 3 - häufiger genutzt wird." Allein die Nutzung von KI im Bereich 'Dialog Mensch und Maschine' steige von 5,6 Prozent auf 38 Prozent.

In fünf Jahren wird KI wesentlich intensiver genutzt werden.
In fünf Jahren wird KI wesentlich intensiver genutzt werden.
Foto: VDI

Aus Sicht von Appel stellt dies ein klares Indiz für das hohe Potenzial von KI in der industriellen Anwendung dar. "Künstliche Intelligenz ist deshalb so wichtig, weil sie zukünftig die Grundlage für die Realisierung von hochautomatisierten beziehungsweise autonomen Systemen ist", sagte der VDI-Direktor bei der Vorstellung der Studie. Die Entwicklung dieser Systeme, wie etwa in der Mobilität, im Smart Home oder in der industriellen Produktion, sei ohne Künstliche Intelligenz (KI) nicht möglich.

KI hat Potenzial als neuer Jobmotor für Deutschland

Auch außerhalb der Industrie schätzen die Befragten das Potenzial, insbesondere bei den Themen autonomes Fahren in Zusammenhang mit Verkehrsverflüssigung und bei der Assistenzrobotik, hoch ein. "Spätestens hier wird dann auch in der Bevölkerung die Frage laut, inwieweit uns Roboter oder Assistenten mit KI die Arbeit wegnehmen", so der VDI-Direktor weiter.

Der VDI geht fest davon aus, dass das nicht passieren wird, da die aktuelle und wahrscheinlich auch mittelfristige Engpass-Situation auf dem Arbeitsmarkt nichts anderes erwarten lässt. Im Gegenteil, so Appel; "Wenn wir die digitale Transformation und die Möglichkeiten der KI richtig bewerten und angehen, wird daraus ein Jobmotor für Deutschland." Der VDI-Direktor merkte jedoch in diesem Zusammenhang an, dass der erwartete Prozess nicht reibungslos vonstatten gehen werde, vielmehr würden Jobs wegfallen, aber es werde neue Jobprofile geben.

KI als Entscheidungsunterstützung

Ob KI künftig zu einem Kontrollverlust führen könnte, liegt nach Ansicht des VDI in den Händen der Entwickler und Anwender. Appel zufolge sei es die Aufgabe von Ingenieuren und Informatikern, einen Kontrollverlust nicht zuzulassen. Dafür brauche man ein eigenes Verständnis über Kriterien im Umgang damit. Entscheidungen die von KI-Systemen vorgeschlagen oder getroffen würden, müssten für den Anwender plausibel und transparent sein.

"Hierfür müssen die aktiven Player in die Pflicht genommen werden. KI-Systeme sollten als Unterstützung eingesetzt werden, nicht als Ersatz menschlicher Intelligenz oder Leistung", erklärte Appel. Der VDI-Direktor fügte hinzu, dass menschliche Kreativität dem Deep Learning (DL) wegen der immer noch sehr granulären Datenbasis nach wie vor überlegen sei: "DL kann nur in Kombination mit Smart Data greifen, die Zukunft liegt in hybriden Anwendungen."

Deutschland hinter USA und China

Für Kurt Bettenhausen, Vorsitzender des interdisziplinären VDI-Gremiums Digitale Transformation, ergeben sich aus den Ergebnissen der Umfrage drei Kernbotschaften:

- Hinsichtlich der Grundlagen ist Deutschland bei KI gut aufgestellt.

- Fehlende Digitalisierung in der Produktion verhindert den Einsatz von KI-Technologien.

- Digitalisierung und KI sind überwiegend nicht Chefsache.

So gaben knapp 64 Prozent der Befragten an, dass in ihrem Unternehmen die Voraussetzungen zur Nutzung von KI fehlen würden - für Bettenhausen ein klarer Hinweis dafür, dass Industrie 4.0 noch nicht überall ausreichend einbezogen und umgesetzt sei.

Was die Grundlagen für den Einsatz von KI betrifft, sieht der hauptberufliche Siemens-Manager die deutsche Industrie dagegen gut aufgestellt. Außerdem scheine die Anwendung in wirtschaftlich für Deutschland besonders wichtigen Bereichen wie die Fabrikautomation und die Fahrzeugindustrie - Stichwort automatisiertes bzw. autonomes Fahren - gut zu gelingen. Mit diesen drei Bereichen brauche sich der Technologiestandort nicht zu verstecken, so Bettenhausen, auch wenn Deutschland aus Sicht der Befragten in Sachen KI nur auf Platz 3 hinter den USA und China landete.