Baustoffhersteller Xella

Kernsanierung in der IT

31.08.2020
Von 
Jens Dose ist Redakteur des CIO Magazins. Neben den Kernthemen rund um CIOs und ihre Projekte beschäftigt er sich auch mit der Rolle des CISO und dessen Aufgabengebiet.
Innerhalb von vier Jahren modernisierte CIO Michael Baars die IT der Xella Group und trennte sich vom Outsourcing-Partner. Der neue IT-Chef Florian Ziegler führt die Transformation seit April fort.
Florian Ziegler ist CIO der Xella Group: "Selbst ohne die Opti­mierung ließ sich mit Microsoft Azure ein im Vergleich zu den früheren Outsourcing-­Kosten be­eindruckender Business­ Case rechnen."
Florian Ziegler ist CIO der Xella Group: "Selbst ohne die Opti­mierung ließ sich mit Microsoft Azure ein im Vergleich zu den früheren Outsourcing-­Kosten be­eindruckender Business­ Case rechnen."
Foto: Xella Group

"Bei meinem Antrittsgespräch am 3. April 2016 zeigte mir der CFO der Geschäftseinheit Xella Baustoffe Deutschland eine ausgedruckte E-Mail", erinnert sich Michael Baars, ehemaliger CIO der Xella Group. "Das war ein bisher unbearbeitetes Ticket an den Helpdesk des damaligen Dienstleisters, das im September 2015 gestellt worden war."

Die IT des Duisburger Baustoffherstellers hatte es damals mit vielen unzufriedenen Benutzern zu tun. "Neben dem Helpdesk verantwortete dieser Dienstleister allerdings auch die gesamte restliche Infrastruktur und hat einen desaströsen Job gemacht," ärgert sich Baars. Auch Florian Ziegler, Baars Nachfolger als CIO, berichtet von schlechten Erfahrungen mit dem amerikanischen Outsourcing-Partner: "Wir hatten regelmäßig größere Ausfälle der Infrastruktur und Verfehlungen im Umfeld der IT-Security."

Nur weg vom IT-Dienstleister

Anfangs versuchte Baars noch, gemeinsam mit dem damaligen Servicepartner die größten Brandherde in der IT einzudämmen. Doch auch hier habe der Dienstleister keine Lösungen liefern können. "Nachdem das fehlgeschlagen war, hatte die Xella das Vertrauen in den Outsourcing-Partner komplett verloren und dessen Dienstleistungen auditieren lassen," sagt Baars. Das Ergebnis: Dem Dienstleister konnten 70 schwerwiegende Verstöße in der Erfüllung der Vertragspflichten nachgewiesen werden. "Das objektive Ergebnis des Audits führte entsprechend zu der strategischen Entscheidung, die Zusammenarbeit so schnell wie möglich durch eine ordentliche und außerordentliche Kündigung vorzeitig zu beenden," so Baars.

Daneben hatte das Team um Baars auch Schwierigkeiten im Backoffice. Die Angestellten arbeiteten auf mehreren teils veralteten Office- und Windows-Versionen und es gab vier unterschiedliche Citrix-Farmen. Eine neue Infrastrukturstrategie sollte die Probleme lösen. Gemeinsam mit einem anderen Dienstleister definierte Baars die künftige IT-Landschaft. Als Basis dient Microsoft Azure. Auf der Cloud-Plattform laufen nun alle Anwendungen, die zuvor im eigenen RZ betrieben wurden. Darüber hinaus fiel die Entscheidung, Office 365 einzuführen. Damit mussten die Systeme konzernweit auf Windows 10 umgestellt werden.

Erst migrieren, dann optimieren

Laut Vertrag hatte Xella nur ein Jahr Zeit für den Abschied vom alten Dienstleiter. Daher konnten bei der Migration nur knapp 40 Prozent der IT-Landschaft auf aktuelle Betriebssystem-, Datenbank- und Applikations-Releases gebracht werden. Die restliche Infrastruktur verschob das IT-Team in einem Lift-and-Shift-Ansatz in die Azure Cloud und erstellte eine Roadmap, um die Altsysteme schrittweise zu optimieren. Baars: "Das war zwar nicht die eleganteste Lösung, aber aus Zeitgründen die einzige Möglichkeit. Nach der erfolgreichen Transition zum neuen Dienstleister kann Xella aus einer Position der Stärke heraus nacharbeiten."