Keine Devisen, keine Software

09.03.1990

Davon träumen Software-Verantwortliche auch im Westen: Noch einmal von vorn anfangen können, mit einem richtigen Unternehmensmodell und sauber strukturierten Anwendungen, ohne die sprichwörtlichen Altlasten und die daraus entstehenden Konsistenzprobleme. Für die Mehrzahl der DDR-Betriebe könnte dieser Wunschtraum Wirklichkeit werden.

Wolfgang Lassmann, Informatik-Professor in Halle/Wittenberg, setzt im anderen Deutschland nur jedes zehnte DV-taugliche Unternehmen überhaupt Software ein. Angesichts dieses objektiv vorhandenen Bedarfs beschworen Optimisten bereits die Vision eines nahezu unbegrenzten Absatzmarktes für bundesdeutsche Softwarehäuser - sozusagen ein Geschenk des Himmels für diejenigen, die es versäumt haben, sich für den westeuropäischen Binnenmarkt zu wappnen.

In der ersten Euphorie wird gern vergessen, daß die "Revolution im Ostblock" kaum stattgefunden hätte, wenn die Außenhandelsbilanz und damit wohl auch die Versorgungslage in den einzelnen Staaten positiver aussähe. Diese offenkundige Wirtschaftsschwäche dürfte jedoch die Absatzchancen westlicher Produkte im allgemeinen und bundesdeutscher Software-Entwicklungen im besonderen erheblich schmälern.

Ein Zukunftsmarkt für westliche Anbieter wird die DDR nur dann sein, wenn sie deren Erzeugnisse auch bezahlen kann; dazu braucht sie aber Devisen sprich: Exporte.

Zunächst einmal müssen die bislang "volkseigenen" Betriebe also international konkurrenzfähig werden, und - hier schließt sich der Teufelskreis - dabei können sie auf Software-Unterstützung sicher nicht verzichten. qua