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Strategien für effiziente Cloud-Nutzung

Keine Angst vor Vendor-Lock-in

18.12.2020
Wer Cloud-Services nutzt, macht sich vom Provider abhängig. Strategien, diesen Vendor-Lock-in zu vermeiden, greifen jedoch oft zu kurz und verfehlen das eigentliche Ziel einer Cloud-Transformation. Hier hilft eine Cloud-Migration mit Augenmaß.

Die Abhängigkeit von einem Hersteller oder Lieferanten ist kein Phänomen des Cloud-Zeitalters. Als Hard- und Software noch gekauft und nicht als Service konsumiert wurde, wussten die Anbieter schon, wie sie Kunden an sich binden können. Probate Mittel sind proprietäre Lösungen, inkompatible Schnittstellen und lange Wartungsverträge.

Vendor-Lock-in in der Cloud kann teuer werden. Eine kluge Migrationsstrategie sollte daher auch die Abhängigkeiten vom Provider berücksichtigen.
Vendor-Lock-in in der Cloud kann teuer werden. Eine kluge Migrationsstrategie sollte daher auch die Abhängigkeiten vom Provider berücksichtigen.
Foto: Tang Yan Song - shutterstock.com

Auch in der Cloud kann ein Vendor-Lock-in durch langfristige Verträge entstehen. Viele Provider bieten bei deren Abschluss deutlich günstigere Konditionen. Ein Wechsel ist in so einem Fall erst zum Ende der Vertragslaufzeit möglich.

Eine andere Facette des Vendor-Lock-in ist der sogenannte "Skill-Lock-in". Um eine Cloud-Infrastruktur wie AWS oder Azure optimal nutzen zu können, ist viel Know-how notwendig, das mühsam im Unternehmen aufgebaut werden muss. Dieses Wissen wird bei einem Provider-Wechsel weitgehend nutzlos, die Investition ist verloren.

Schließlich hängt der Grad der Bindung auch vom gewählten Bereitstellungsmodell ab. Während sich Applikationen in einem Infrastructure-as-a-Service-Modell (IaaS) noch recht einfach migrieren lassen, ist dies bei Software-as-a-Service (SaaS) wesentlich schwieriger. "Der Trend geht immer mehr zu fertigen Services im SaaS-Modell", sagt Alexander Freudenberg, Business Manager Datacenter bei der Bechtle AG, "damit nehmen auch die Abhängigkeiten zu."

Schwere Daten - der Rückzug wird teuer

Der häufigste Fall von Vendor-Lock-in dürfte allerdings durch die sogenannte Datengravidität (Data Gravity) eintreten. Viele Unternehmen transferieren Daten im Tera- oder gar Petabyte-Bereich in eine Cloud-Infrastruktur. Solch eine Migration unterstützen Cloud-Provider tatkräftig. Amazon Web Services (AWS) bietet beispielsweise mit Snowmobile einen Transfer bis in den Exabyte-Bereich (= 109 GB). Der Transport erfolgt per Sattelschlepper und Container.

Will man seine Daten allerdings zurückholen, ist die Kooperationsbereitschaft meist verhaltener. Der Rücktransfer ist nicht nur komplex und langwierig, sondern in der Regel auch teuer. Während für die Migration in die Cloud keine oder geringe Gebühren anfallen, lassen sich die Anbieter den Rückweg nämlich teuer bezahlen.

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Mit der Abhängigkeit vom Provider sind noch weitere Risiken verbunden, warnt Freudenberg: "Bei Preiserhöhungen oder wesentlichen Änderungen im Service-Angebot hat der Anwender kaum eine Wahl, als die neuen Bedingungen zu akzeptieren." Besonders problematisch sei es, wenn Services komplett abgekündigt werden: "Dann muss der Nutzer rasch eine andere Lösung für seine Daten und Applikationen finden."

Der Preis der Vermeidung

Manche Unternehmen streben daher eine Cloud-agnostische Infrastruktur an, um einen Vendor-Lock-in zu vermeiden.

Mit Containern, Open-Source-Lösungen und offenen Standards soll eine Umgebung geschaffen werden, die sich möglichst nahtlos von einer Cloud-Infrastruktur in eine andere transferieren oder sogar ins eigene Rechenzentrum zurückholen lässt. Das erfordert jedoch viel Know-how in neuen Technologien, das gerade in mittelständischen IT-Teams meist nur spärlich vorhanden ist.

Unter dem Strich zeigt sich: Völlige Unabhängigkeit vom Cloud-Provider ist zwar ein schönes Ziel, der Preis dafür ist allerdings hoch. Wer auf absolute Kompatibilität setzt, kann viele Services nicht nutzen, ist weniger agil und flexibel.

Sinnvolle Taktik in Bezug auf Vendor-Lock-in

Freudenberg empfiehlt daher eine Cloud-Migration mit Augenmaß: "Es geht ja nicht darum, alles im Sinne von Lift-and-Shift in die Cloud zu überführen, sondern dass man die Services nutzt, die Vorteile im Cloudbetrieb bieten oder die man im eigenen Rechenzentrum nicht aufbauen kann oder will."

Und bevor man über komplizierte Strategien nachdenkt, um einen Vendor-Lock-in zu vermeiden, rät der Bechtle-Experte, erst einmal Erfahrungen mit der Cloud zu sammeln. "Typische Einstiegsszenarien sind Webserver, Cloud-Backup oder Datenbankservices", zählt Freudenberg auf, "solche Lösungen kann man notfalls relativ schnell zu einem anderen Provider umziehen."

Mit Bechtle Clouds bietet das Unternehmen Anwendern eine Plattform mit einer großen Auswahl unterschiedlicher Services an. Die Bechtle-Systemhäuser vor Ort beraten sie bei der Entwicklung und Umsetzung einer Cloud-Strategie und begleiten sie während des gesamten Transformationsprozesses von der Planung bis zum abschließenden Monitoring. "Anders als reine Consulting-Unternehmen beraten wir Kunden nicht nur, sondern setzen die erarbeitete Strategie auch um und verantworten das Ergebnis", betont Freudenberg.

Wer große Datenmengen in der Cloud verarbeitet, kann über eine Speicherung auf eigener, dedizierter Hardware in der Nähe eines großen Internetknotens nachdenken. Das bietet Bechtle im eigenen Rechenzentrum in Frankfurt an - am Standort des deutschen Knotens DE-CIX. "Über eine breitbandige Direktverbindung kann man dann mit Compute Ressourcen eines Hyperscalers auf diese Daten zugreifen - und muss sie nicht bewegen, wenn man den Provider wechselt", erläutert Freudenberg die Vorteile.

Solche Möglichkeiten zeigen: Mit einem Provider-unabhängigen Partner wie Bechtle und der richtigen Cloud-Strategie lässt sich ein Vendor-Lock-in minimieren, ohne das eigentliche Ziel der Cloud-Transformation aus den Augen zu verlieren - nämlich das eigene Business fit und wettbewerbsfähig für die Zukunft zu machen.

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