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Kein Sex: Yahoo zieht den Schwanz ein

17.04.2001
Terry Semel wird neuer CEO und Chairman

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nachdem die US-Presse in der vergangenen Woche eigentlich längst bekannte Verkaufsaktivitäten in Sachen Pornografie und Sex an die große Glocke gehängt hatte (Computerwoche.de berichtete), liefen Amerikas bigotte Moralhüter offenbar Sturm. Die Folge: Der Portalriese wird in den kommenden Wochen alle kommerziellen Angebote und Werbebanner "nur für Erwachsene" aus seinem Angebot verbannen und auch keine neuen Verträge abschließen. President und COO (Chief Operating Officer) Jeff Mallett erklärte, es seien "unglaublich viele" Beschwerden eingegangen. Deswegen habe man sich zur Bereinigung des Angebots entschlossen. Finanzielle Einbußen sind offenbar nicht zu befürchten, da mit den anrüchigen Produkten nur wenig umgesetzt wurde. John Corcoran von CIBC World Markets schätzt, dass 16 bis 20 Prozent der

Yahoo-Einnahmen über E-Commerce generiert werden. Nur ein Bruchteil davon entfalle wiederum auf Sex-Produkte. "Hier geht es wohl vor allem darum, einen Image-Verlust zu vermeiden", glaubt der Analyst.

Im nicht-kommerziellen Bereich ist Yahoo übrigens bisher weniger prüde - wer sich überzeugen möchte, braucht nur einmal einen Blick auf die "Club"-Listen in Deutschland oder den USA zu werfen.

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Update: Die Nachfolge von Timothy Koogle als Chef des Unternehmens ist geklärt: Neuer Chief Executive Officer (CEO) und Chairman von Yahoo wird der frühere Warner-Brothers-Manager Terry Semel. Koogle, der eigentlich Chairman (Vorsitzender des Verwaltungsrats) bleiben sollte, agiert bis Ende August als Vice Chairman und verbleibt anschließend im Vorstand. President und COO (Chief Operating Officer) Jeff Mallett und Finanzchefin Susan Decker behalten ihre Posten und berichten direkt an Semel, der übrigens privat auch eine Million Yahoo-Aktien erworben hat.