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Kaufhof startet RFID-Pilotprojekt mit SBS

27.06.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Wenn eine Unterhose künftig ihren Produktionsort Textilfabrik verlässt, wird es möglich sein, ihre Laufbahn bis zu dem Moment lückenlos begleiten zu können, an dem sie in der Einkaufstasche des Käufers landet. Erst dann werden sich ihre Spuren verlieren. Möglich macht dies die so genannte RFID-Transponderlösung. RFID steht für Radio Frequency Identification Technology. Gemeint ist ein Transponder, der aus einem Chip und einer Antenne besteht, die ohne Sicht- und Berührungskontakt bis zu einer Entfernung von 70 Zentimetern zu identifizieren ist. Eine solche Transponderlösung wird die Kaufhof AG ab dem 1. Juli 2003 in einem Pilotprojekt testen.

Die Kaufhof AG wird in zwei Filialen in Münster und Wesel zunächst nur mit Artikeln des Modeherstellers Garry Weber prüfen, welche Erfahrungen man sammelt, wenn man jedes einzelne Textilprodukt auf der kompletten Lieferkette vom Hersteller über die Logistik, die Aufbereitung und die Distribution der Ware bis hin zu den Kassen der Kaufhof-Filialen verfolgt. Die RFID-Transpondertechnologie erlaubt es dabei, die Ware mit eingebautem Chip berührungslos und ohne Sichtverbindung zu identifizieren. Kaufhof verspricht sich von dieser Transparenz in der Lieferkette, die Sendungsverluste zu minimieren und die Geschäftsprozesse zu beschleunigen.

Siemens Business Services (SBS) erbringt in dem Pilotprojekt mit rund 20.000 RFID-Chips die Koordination, das Partnermanagement, die Systemintegration sowie die Bereitstellung der Software zur Erfassung der Transponderdaten. Außerdem obliegt SBS die Beratung und die Wirtschaftlichkeitsberechnung, die am Ende des Pilotprojekts im Herbst 2003 stattfinden soll. Die RFID-Chips werden in das Preisetikett der Textilien integriert und erst wieder nach dem Kauf der Ware an der Kasse entfernt. Der Transponder, also der Chip und die Antenne, werden in Papier, Kunststoff oder Keramik verpackt. Ihre Fläche beträgt zum Teil weniger als 1,5 Quadratzentimeter, die Dicke rund 0,3 Millimeter.

Mit der RFID-Technologie lassen sich sowohl der Produktbestand in den Verkaufsniederlassungen als auch das Inventar in den Lagern in Sekundenschnelle abgleichen und steuern. Die Lieferkettentechnik wird derzeit in vielen Branchen und Anwendungsfeldern bewertet. Insbesondere Lebensmittelhersteller suchen nach Lösungen. Grund für das Engagement in dieser Branche ist eine Richtlinie der Europäischen Union, die vorschreibt, dass ab 2005 Waren in ihrem Lieferkettenablauf verfolgt werden können müssen. (jm)