Katerstimmung bei Offshore-Kunden

17.12.2003
Von 
Wolfgang Herrmann ist Editorial Manager CIO Magazin bei IDG Business Media. Zuvor war er unter anderem Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO und Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel.
MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach ersten Erfahrungen mit Offshore-Programmierung ist in vielen deutschen Unternehmen die Euphorie verflogen. Kulturelle Unterschiede und Kommunikationsprobleme ziehen vor allem in den Anfangsprojekten unerwartet hohe Zusatzkosten nach sich. Erfolgsentscheidend ist, welche Lehren die IT-Verantwortlichen daraus ziehen.

"Wir haben gerade eine furchtbare Pleite mit Offshore-Anbietern hinter uns", sagt ein Mitarbeiter eines großen deutschen Industrieunternehmens. Ein hochrangiger IT-Manager eines anderen Konzerns lässt seiner Enttäuschung freien Lauf: "Wir und die Inder haben permanent aneinander vorbei geredet." Auf keinen Fall möchten die Herren ihre Namen in der Zeitung lesen. Doch hinter vorgehaltener Hand berichten Insider häufig über die gleichen Probleme: Die Kommunikation mit den Offshore-Dienstleistern klappt nicht wie erhofft, unerwartet oft tauchen - entgegen der Darstellung vieler Anbieter - auch Sprachprobleme auf.

Fotos: Photodisc

Anders als zu klassischen Outsourcing-Vorhaben gibt es bislang kaum Statistiken über gescheiterte Offshore-Projekte. Etliche Experten gehen aber mittlerweile von einer hohen Dunkelziffer aus. Am häufigsten unterschätzen deutsche Unternehmen offenbar kulturelle Faktoren in der Zusammenarbeit mit dem Servicepartner. "Zu Beginn eines Offshore-Projekts geht die Produktivität erst einmal um 20 Prozent zurück", berichtet Wolfgang Franklin, Vorstandsvorsitzender des CIO Forum Deutschland, Österreich, Schweiz. Dies sei zum großen Teil auf kulturelle Unterschiede zurückzuführen.

Was von den Anbietern häufig als Klischee abgetan wird, scheint sich in der Praxis zu bestätigen. Franklin, ehedem Leiter des "Gartner Executive Program", verdeutlicht seine Einschätzung am Beispiel der Spezifikationen für die zu erstellenden Programme. Während europäische Softwareentwickler eine aus ihrer Sicht fehlerhafte oder unnötige Anforderung offen kritisierten, scheuten indische Programmierer meist den Konflikt.