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Kartellbehörde könnte Libertys Kabelpläne kippen

09.11.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die noch ausstehende Entscheidung des Bundeskartellamtes über die geplante Fusion des Kabelbetreibers Primacom und der deutschen Tochter des niederländischen Kabelkonzerns UPC könnte auch Auswirkungen auf die Kabelpläne des US-Konzerns Liberty Media haben. Sollte das Amt den Zusammenschluss der bisherigen Konkurrenten untersagen, so stünde auch das Geschäftsmodell von Liberty in Frage.

Der US-Konzern hatte im Zusammenhang mit dem Kauf der Fernsehkabelnetze der Deutschen Telekom keinen Hehl daraus gemacht, künftig auch kleinere deutsche Kabelnetzbetreiber übernehmen zu wollen, um dadurch auch in den Besitz der direkten Zuleitungen zu den Kunden (Netzebene 4) zu gelangen (Computerwoche online berichtete). Ohne weitere Zukäufe in diesem Segment sei das Kabelprojekt in Deutschland nicht wirtschaftlich zu betreiben, argumentiert der Konzern. Um diese "Letzte Meile" geht es auch bei der Fusion von UPC und Primacom. Das Kartellamt befürchtet, dass der geplante Zusammenschluss zu Wettbewerbsverzerrungen in diesem Marktsegment führen könnet. Zudem ist Liberty ohnehin mit rund 16 Prozent an UPC beteiligt.

Sollte das Kartellamt im Falle UPC/Primacom auf einer Beibehaltung der kleinteiligen Strukturen auf der Netzebene 4 beharren, könnte auch Liberty seine Ausbaupläne begraben. "Wenn wir die Märkte so abgrenzen, werden wir sie im Liberty-Fall nicht anders abgrenzen", bestätigte ein Kartellbeamter den Präzedenzcharakter einer solchen Entscheidung. Und dies hätte wiederum Folgen für die Deutsche Telekom: Ohne diese Expansionsmöglichkeit könnte Liberty wahrscheinlich aus dem 5,5-Milliarden Euro-Vertrag mit der Telekom wieder aussteigen. (jw)