Karriere mit einer Behinderung

Karriereratgeber 2017 – Rükiye Ray, akquinet

13.12.2017
Vom 13. bis 19. Dezember 2017 beantwortet Rükiye Ray, Integrationsbeauftragte von akquinet, Fragen vor allem von Mitarbeitern mit einer Behinderung und von Arbeitgebern, die Inklusionsprojekte einführen wollen.

Rükiye Ray, selbst Rollstuhlfahrerin, ist seit 2016 bei der akquinet AG verantwortlich für die Inklusion von Mitarbeitern mit einer Behinderung oder Einschränkung in das Unternehmen, darunter auch Auszubildende und Studierende. Ihr Aufgabenspektrum reicht von Erstgesprächen mit Bewerbern vor und während der Einstellung, Hilfe bei Anträgen und bei der Wohnungssuche, über die Beschaffung technischer Hilfsmittel bis zu Behördengängen. Sie ist Ansprechpartner für alle Anliegen rund um Integration und Inklusion.

Rükiye Ray ist Integrationsbeauftragte bei akquinet und betreut vom 13. bis 19. Dezember den Karriereratgeber.
Rükiye Ray ist Integrationsbeauftragte bei akquinet und betreut vom 13. bis 19. Dezember den Karriereratgeber.
Foto: Akquinet AG

Darüber hinaus vertritt Rükiye Ray ihr Anliegen einer besseren beruflichen Inklusion von Menschen mit Behinderung in das Arbeitsleben auch auf externen Veranstaltungen oder in entsprechenden Netzwerken. Zuvor sammelte sie Erfahrungen in der Beratung und Stellenakquise beim Arbeitgeberservice Hamburg, im Amt für Soziale Dienste sowie in der Personalberatung.

Häufige Fragen, die an sie gestellt werden sind unter anderem:

  • Wie offen soll ich mit meiner Behinderung bei einer Bewerbung umgehen? Wie formuliere ich Bewerbungen? Wie stelle ich mich im Erstgespräch vor?

  • Karriere mit einer Behinderung: Wie gehe ich meine Zukunft zielgerichtet an?

  • Duales Studium oder Ausbildung mit einer Behinderung? Wie finde ich geeignete Studiengänge und Unternehmen?

Stellen Sie Ihre Fragen an Rükiye Ray einfach unterhalb dieses Beitrags über unsere Disqus-Kommentarfunktion. Sie werden dann zeitnah beantwortet. (hk)

 

Rükiye Ray

Guten Abend Herr Mayer,
vielen Dank für die interessante Frage.

Eine möglichst hohe berufliche Qualifikation ist gerade für Menschen mit einer
Behinderung entscheidend – davon bin ich überzeugt. In der Beratungsarbeit
konnte ich beobachten, dass Menschen mit Behinderung, einer höheren
Qualifikation und einem fachlichem Expertenwissen, schnell einen Arbeitsplatz
gefunden haben. Wie bei jedem Menschen fördert die Arbeit ein selbstbestimmtes
und erfülltes Leben. Sie ermöglicht persönliche Weiterentwicklung, neue Ideen
und Perspektiven. Für Menschen mit einer Behinderung oder Einschränkung bietet
Arbeit auch die Chance, sich dauerhaft unabhängig von staatlicher Absicherung
zu machen. Für Sie stellt sich nun die Frage, ob eher eine Ausbildung, ein
Studium oder auch ein Duales Studium geeignet und machbar ist. Die Auswahl
sollten Sie je nach Interesse und nach Art der Einschränkung treffen. Lassen
Sie sich nicht zu leicht von Ihren Interessen abbringen. Es gibt beispielsweise
sehr viele gute Fernstudiengänge, die bei einer intensiven medizinischen
Versorgungssituation oder auch Ängsten in Frage kommen können. Generell rate
ich dazu, möglichst früh auch einen Einblick in das Berufsleben zu gewinnen,
wie es ein Duales Studium erlaubt. Hier hat man zugleich einen Arbeitgeber
gefunden und steht damit nicht am Ende des Studiums vor der Suche nach einem
Arbeitgeber.
Ich hoffe, dass ich Ihnen mit meiner Antwort helfen konnte. Ich wünsche Ihnen viel Glück und Erfolg.
Herzliche Grüße aus Hamburg.
Rükiye Ray

Hans Juergen Mayer

Sehr geehrte Frau Ray,

ich stehe noch am Beginn meiner beruflichen Laufbahn. Wie gehe ich meine
Zukunft generell an, was Ausbildung und Studium angeht? Worauf sollte ich
achten? Haben Sie Tipps?

Viele Grüße,
Hans Jürgen Mayer

Rükiye Ray

Guten Tag Frau Mittag,
eine spannende Frage.

Man kennt das unangenehme Gefühl falscher Rücksichtnahme auf die eigene
Behinderung genauso wie die Scheu der neuen Kollegen, die Behinderung offen zu
thematisieren, gerade wenn sie nicht so offensichtlich ist. Was denken die
anderen, wenn ich mehr im Homeoffice als sie bin oder geringere Arbeitszeiten
habe? Gerade wenn man neu in Arbeitsgruppen hineinkommt, ist es wichtig,
schnell eine positive und vertrauensvolle Team-Atmosphäre zu schaffen. Dies
gilt insbesondere für Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung. Für
einen optimalen Einstieg gibt es leider kein Rezept. Es ist ein Zusammenspiel
aus eigener Offenheit und Wahrnehmung der Bedürfnisse der anderen sowie auch
umgekehrt der Gruppenmitglieder. Eine entscheidende Rolle kommt der Teamführung
zu, die durch klare Kommunikation, Sensibilität für die Stimmungslage aller
Mitglieder und gute Teambildungsmaßnahmen entscheidend zum Erfolg beiträgt. Hier
sollten Sie bei Bedarf gerade in der Startphase den Kontakt suchen.
Ich hoffe, dass ich Ihre Frage beantworten konnte. Für weitere Rückfragen stehe ich Ihnen gerne jederzeit zur Verfügung.
Herzliche Grüße
Rükiye Ray

Diana Mittag

Guten Tag Frau Ray, das Wichtigste ist es ja bei einer neuen Arbeitsstelle, im Team gut anzukommen. Wie gelingt es mir, optimal in die Team- bzw. Projektarbeit einzusteigen? Wie werde ich von den Kollegen akzeptiert?

Rükiye Ray

Sehr geehrte Frau Saarrücke
gerne beantworte ich Ihre Frage.

Wie Sie als Bewerber den möglicherweise
künftigen Arbeitgeber über Ihre Behinderung informieren, liegt in Ihrer
Entscheidung. Gesetzlich sind Sie dazu nicht verpflichtet Ihre Behinderung
anzugeben. Wenn es ein staatlicher Arbeitgeber ist, beispielsweise eine
Behörde, ist das Einreichen des Schwerbehindertenausweises bzw. eines
Gleichstellungsbescheides oft von Vorteil. Denn hier werden Bewerber mit
Behinderung bevorzugt eingestellt und daher sehr häufig zu den
Vorstellungsgesprächen eingeladen. Bei anderen Arbeitgebern sollte man vorher
prüfen, welche Philosophie das Unternehmen lebt. Wie zeigt es sich auf der
Webseite, wie äußern sich Angestellte? Arbeiten dort Menschen mit einem Handicap?
Spätestens im Bewerbungsgespräch rate ich dazu, die Behinderung zu
thematisieren. Idealerweise erklärt man auch kurz, welche Einschränkungen man
hat, so dass das Gegenüber einen Anknüpfungspunkt für Nachfragen hat. Je
offener man von Beginn an selbst mit seiner Behinderung umgeht, desto mehr hat
auch das Arbeitsumfeld die Chance dazu. Nachträgliche Unklarheiten und
Konflikte werden vermieden und von Anfang eine gute Basis für eine vertrauensvolle
Zusammenarbeit gelegt.
Mit freundlichen Grüßen
Rükiye Ray

Anita Saarbrücken

Sehr geehrte Frau Ray, wie offen soll ich mit meiner Behinderung bei einer Bewerbung umgehen? Wie formuliere ich Bewerbungen? Und wie stelle ich mich im Erstgespräch vor? Was raten Sie? Freundliche Grüße, Anita Saarbrücken

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