Ratgeber Karriere

Wer sagt, dass man Karriere planen muss?

Karriereratgeber 2017 - Michael Skerwiderski, Metafinanz

11.10.2017
Vom 4. bis 17. Oktober beantwortet Michael Skerwiderski, Staff Development Manager beim IT- und Business Berater Metafinanz Informationssysteme, im Online-Forum der CW Fragen zu Ihrem beruflichen Weiterkommen.

Kein Plan, sondern die Begeisterung hat ihm seinen Weg geebnet. Als Michael Skerwiderski vor zwölf Jahren zur Metafinanz kam, hatte er sein Wirtschaftsinformatik-Studium an der Bundeswehruni abgebrochen und "draußen", wie er sagt, nachgeholt. Er hatte bereits einige Jahre als Softwareentwickler in verschiedenen Unternehmen gearbeitet. Für Metafinanz arbeitete er mehrere Jahre in Kundenprojekten - als Entwickler, als Projektleiter, als Enterprise Architect. Er übernahm die Führung eines Teams, dann eines ganzen Bereichs mit mehreren Teams.

Michael Skerwiderski beantwortet vom 4. bis 17. Oktober Ihre Fragen im Karriereratgeber.
Michael Skerwiderski beantwortet vom 4. bis 17. Oktober Ihre Fragen im Karriereratgeber.
Foto: Metafinanz

Die Arbeit beim Kunden, im Unternehmen - und das Leben: "Was im Nachhinein so gradlinig aussieht, war in Wirklichkeit ein Weg mit vielen Hürden, eher ein Zickzackkurs", erzählt der Münchner Manager. Metafinanz ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, "und ich bin mitgewachsen", sagt er. Seit einem knappen Jahr ist Skerwiderski Staff Development Manager mit den Schwerpunkten Organisationsentwicklung sowie Karriereberatung. Metafinanz steht seit mehr als 25 Jahren für ganzheitliches Business & IT Consulting. Das Unternehmen hat es sich zur Aufgabe gemacht, Business in neue Modelle für die Wirtschaft 4.0 zu transferieren und seinen Kunden die Basis für eine nachhaltige Wettbewerbsstärke zu bieten. Als Unternehmen der Allianz Gruppe steht Metafinanz als Inkubator für neue Technologien und ist in Abläufen und Veränderungsprozessen von Großkonzernen zu Hause.

Stellen Sie Ihre Fragen an Michael Skerwiderski einfach unterhalb dieses Beitrags über unsere Disqus-Kommentarfunktion. Sie werden dann zeitnah beantwortet. (hk)

 

Michael Skerwiderski

Hallo Georg,

sei nah am Kunden, würde ich als erstes raten. In der Konsumgüterbranche habt Ihr das Thema Kundenorientierung bestimmt längst im Fokus. Zumindest in Richtung Endkunde. Aber wie steht es damit innerhalb des Unternehmens? Betrachten zentrale Organisationseinheiten ihre Aufgaben ebenfalls als Service, den sie ihren (internen) Kunden bieten?

Hier gibt es mittlerweile interessante Methoden, die in den vergangenen Jahren entstanden bzw. weiterentwickelt wurden. Sie helfen, die Bedürfnisse der Kunden besser zu verstehen und die passenden Lösungsansätze abzuleiten.
Methoden, die wir u.a. erfolgreich einsetzen, sind das Design Thinking und Lego Serious Play, mit denen wir gemeinsam mit dem Kunden (intern oder extern) ergebnisoffen an Fragestellungen herangehen und damit zu schnellen Ergebnissen und neuen Perspektiven kommen.

Bzgl. neuer Perspektiven: Wenn es darum geht neue/andere Lösungswege zu finden und zu gehen, ist es sicher sinnvoll, Know-how und Umsetzungskompetenz auch von außen zu nutzen („Wie machen es die anderen?“). Ratsam ist es hier zum einen, erfahrene externe Berater mit dem passenden Methoden-Know-how mit einzubeziehen und zum anderen, sich mit anderen (durchaus auch branchenfremden) Unternehmen zu vernetzen und in Austausch zu kommen (über Digitalisierungs-Konferenzen, Partnerschaften).

Die Veränderungen, die mit der Digitalisierung schon da sind und noch kommen, stehen unserer Meinung nach noch am Anfang. Wichtig - egal mit welcher Methode und mit wie viel Beratung - wird sein, offen dafür zu bleiben. Haltet Euch auf dem Laufenden und probiert Dinge aus.

Viel Erfolg
Michael

Michael Skerwiderski

Lieber Andreas,

ja, das ist für uns ein Thema. Unsere Kunden spüren einen starken Veränderungsdruck in Richtung digitale Welt (neue digitale Prozesse und Geschäftsmodelle). Damit wir hier erfolgreich beraten und unterstützen können, müssen wir Vorreiter sein. Ein „Digital Skillset“ allein reicht hier nicht mehr aus. Es braucht auch einen „Digital Mindset“, und damit eine echte Veränderung in der Unternehmenskultur und Zusammenarbeit.

Auch haben sich die Erwartungen der Menschen an ihre Rolle in der Arbeitswelt deutlich gewandelt. Klassische Unternehmensmodelle („Command & Control“) verlieren an Akzeptanz. Gefordert wird mehr Raum für Verantwortung und Mitgestaltung für jeden Einzelnen („Collaboration & Communication“). Momentan wird dies diskutiert unter den Stichpunkten „Selbstorganisation“ oder „Agiles Unternehmen“.

In der metafinanz haben wir uns deshalb Anfang des Jahres auf den Weg gemacht: Weg von klassischen Hierarchien und zentralen Geschäftseinheiten, die wir nicht mehr für zukunftsweisend halten - hin zu kleinen, schlagkräftigen Teams, die nah am Kunden sind und ihre Wertschöpfung über Teamarbeit und Kooperationen beziehen.
Drei Leitsätze, die uns bei dieser Transformation begleiten:

* Management wird zu Coaching
* Mitarbeit wird zu Mitgestaltung
* Das Team ist der Star

Und zurecht fragst Du jetzt, wie der einzelne in solch einer Unternehmensorganisation noch Karriere machen kann. Denn die bekannte Karriereleiter kann es als Vehikel ja nicht mehr sein.

Unserer Ansicht nach haben sich die wesentlichen Treiber, die in der persönlichen beruflichen Laufbahn eines Menschen eine Rolle spielen nicht geändert:
Der Wunsch nach Macht, nach Position und nach einem angemessenen Einkommen. Was sich hier ändert/ändern wird, sind allerdings die Mechanismen, die dahinterstehen:

* Macht und Position bedeuten in der neuen Welt Gestaltungswille und Übernahme von Verantwortung, Ansehen und Reputation. Das funktioniert nicht mehr über Beförderungen, sondern über Aufbau von Kompetenz, Persönlichkeit und Vernetzung. Wir fördern das u.a. über die o.g. Teams (Business Areas), die als Unternehmer im Unternehmen agieren können und sollen. Und über Open Space Events, an denen jeder Mitarbeiter teilnehmen und neue Themen und Ideen einbringen und mit anderen diskutieren und weiterentwickeln kann.
* Einstellungsgehälter und Gehaltserhöhungen werden in Zukunft weniger von einzelnen Führungskräften (oder über eine Kaskade) sondern in Peer-Groups entschieden. Bei uns üben wir das schon in sog. Tandem-Meetings (Teamlead und Karrierecoach).

Zusammengefasst heißt das: Jeder ist für seine Karriere selbst verantwortlich. Die Aufgabe des Unternehmens ist es dabei, die Unterstützung zu bieten und den Rahmen zu schaffen, dass Karriere möglich ist. Bei uns in der metafinanz machen das die Karriereberater. Den Weg gehen muss der Einzelne dann selbst.

Wenn Dir dieses Arbeitsumfeld zusagt, schau Dich doch mal auf unserer Website um. Dort findest Du noch mehr Informationen über uns und die aktuellen Stellenanzeigen. Gerne kannst Du mich auch direkt kontaktieren.

Georg Schoppa

Hallo Michael,

ich arbeite bei einem großen Konsumgüterhersteller in einer verantwortlichen Position in der Supply Chain.

Die Digitalisierung und der Einsatz von digitalen Technologien in der Supply Chain zur Verbesserung und Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit stehen stark im Fokus und werden im Unternehmen intensiv diskutiert. Gerne würde ich in diesem Bereich zusammen mit meinem Team weiter Wissen aufbauen, um digitale Veränderungsprozesse noch besser zu verstehen und noch aktiver mitzugestalten zu können.

Welche Ansätze siehst Du, um unsere Organisation schneller und zielgerichteter in diese Richtung weiterentwickeln zu können?

Andreas Menzig

Michael, ok, ihr beschäftigt euch mit dem Thema Digitalisierung. Es wird doch viel diskutiert, dass es dabei nicht nur um IT oder digitale Prozesse/Geschäftsmodelle geht, sondern auch stark um die Veränderung der Unternehmenskultur, bzw. Art und Weise der Zusammenarbeit. Ist das für euch auch ein Thema? Und falls ja, wie funktioniert bei Euch Karriere?

Michael Skerwiderski

Liebe Kerstin,

einfach zu behaupten, dass es leicht ist, Arbeit und Freizeit (nicht nur in der Beratungsbranche) unter einen Hut zu bekommen, wäre Augenwischerei. Und das gilt für beide Seiten: Für den Arbeitnehmer, der wie Du, außerberuflichen Interessen nachgehen will oder auch privaten Verpflichtungen nachkommen muss. Für den Arbeitgeber, der den individuellen Bedürfnissen vieler Mitarbeiter gerecht werden möchte (im Einklang mit dem Business!).

Nichtsdestotrotz ist es kein Ding der Unmöglichkeit. Was hier zählt, ist, gemeinsam an passenden Lösungen zu arbeiten. Schließlich handelt es sich um individuelle Bedürfnisse, für die man individuelle Antworten braucht.

In der metafinanz hat sich im Laufe der Jahre ein bunter Strauß an Maßnahmen entwickelt. Oft standen am Anfang die Ideen und Wünsche der Mitarbeiter, am Ende ergab sich ein Angebot, das sich an alle richtet:

* Sabbaticals für jene, die die Arbeit mal länger ruhen lassen wollen (ob für Reisen, Bildung oder einfach nur um Zeit für die Familie haben)
* Home-Office um z.B. die Fahrtzeit ins Büro zu sparen oder für kranke Kinder (oder Eltern) da zu sein
* Flexible Arbeitszeiten und -orte: Wann und wo wir unsere Arbeit erledigen kann je-der selbst bestimmen
* Organisierte Freizeitangebote: Gemeinsame Sportevents (von Mountainbiken über Kickern bis zum Schachspielen)
* Services, die im Alltag helfen: Reinigungsservice, Vermittlungsservice für Kinderbe-treuung, Ernährungsberatung
* Beratungsangebote für brenzlige Lebenssituationen

Unsere Mitarbeiter schätzen und nutzen das Angebot auch. Nicht alle alles und jeder anders. Entscheidend ist, jeden individuell zu beraten und zu begleiten, um das Beste für sie oder ihn zu ermöglichen.

Auch wenn Lösungen dann schnell gefunden sind: Es geht nicht immer gleich alles und sofort, denn als Beratungsunternehmen sind wir überwiegend bei unseren Kunden im Einsatz. Aber mit ein wenig Vorlaufzeit und Planung lassen sich viele Wünsche verwirklichen.

Kerstin Wehrheim

Hallo Michael,
IT Berater haben nicht den Ruf, einen geregelten und zeitlich festgelegten Arbeitstag zu haben. Allerdings ist mir mein Privatleben ebenso wichtig und ich denke, eine gute Balance, die Möglichkeit außerberuflichen Interessen und Hobbys nachgehen zu können, kann auch eine Bereicherung für Alle sein. Außerdem denke ich, wird dieser Punkt auch gerade für viele jüngere Leute immer wichtiger. Wie lässt sich das gut vereinbaren? Wie lebt ihr das und wie setzt Ihr dieses doch altbekannte Thema konkret um?
Viele Grüße Kerstin

Michael Skerwiderski

Liebe Nadja,

mein erster Gedanke, nachdem ich Deinen Post gelesen hatte: Sehr gut!
Du hast erkannt, dass für Dich persönlich eine Veränderung notwendig ist und hast Dich auch schon auf den Weg gemacht.

Wichtig ist: Du besitzt bereits wertvolles Wissen und Erfahrung zu einer Branche. Denn ohne fachliche Kompetenz kann man auch die digitale Revolution nicht mitgestalten.

Und jetzt kommt das Dilemma: Über erste Schulungen hast Du zwar schon Know-how aufgebaut. Aber Dir ist klar, dass das erworbene Wissen jetzt angewendet werden muss („Der Fisch muss ins Wasser“). Das geht bei Dir aber scheinbar nur über einen beruflichen Wechsel. Aber wo ist der neue Arbeitgeber, der bereit ist, Dir das Vertrauen entgegenzubringen, dass Du in der beruflichen Praxis zügig den Schritt vom Kenner zum Könner gehen kannst und vielleicht später sogar zum Experten wirst?

Ich glaube, dass Du dieses Dilemma über einen persönlichen Invest in Form von Zeit und Geld überwinden wirst (z.B. über Praktika oder Projekt-Hospitanzen).
Und warum nutzt Du nicht Dein Netzwerk, das Du über die Jahre bestimmt aufgebaut hast? Auf diesem Wege bieten sich oft Chancen, da man hier weniger mit Zertifikaten/Zeugnissen und mehr mit seinen Erfahrungen und seiner Persönlichkeit punkten kann.

Wenn Du nach konkreten Unternehmen fragst, schau Dich in Deiner Branche um (FinTechs?) und beobachte doch mal die Startup-Szene, da das Arbeiten dort vielleicht eher Deinen Wünschen entspricht (flache Hierarchien, schlanke Prozesse).
Mein Rat zum Skillaufbau: Nutze den Schatz (Bankenhintergrund), den Du schon hast. Gerade die Finanzindustrie ist im Umbruch. Konzentriere Dich in diesem Zusammenhang auf Zukunftsthemen wie Blockchain, Security oder künstliche Intelligenz.

Gerne biete ich Dir an dieser Stelle auch ein persönliches Gespräch an.
Und vielleicht ergibt sich ja auch die Möglichkeit bei uns in die Welt der digitalen Revolution einzutauchen.

Viele Grüße,
Michael

Nadja Schnabel

Hallo,
ich bin eine Beraterin/Spezialistin aus der Restrukturierung mit 10 Jahre Bankenhintergrund und komme damit aus einem Bereich der gefühlt 'alten Welt': Viele detaillierte, historisch gewachsene Prozesse, großteils gesetzlich bedingte Vorgehensweisen insb. Regulatorik, somit viel Dokumentationspflichten, Datenpflege und Schnittstellen mit vielen Bereichen. Nun bin ich 29, technikaffin und mag keine Ineffizient und stundenlanges, unmenschliches Eintippen von Daten in Einzelsysteme und Entscheidungen analog durch alle Hierarchiebenen. Deshalb möchte ich gerne weiter Wissen aber vorallem praktische Fertigkeiten sammeln, um diese Prozesse zu verknüpfen, automatisieren, digitalisieren zB digitale Assistenten für die erforderliche Dokumentation, die Datenpflege, Datenteilung und -bearbeitung einzubinden und den Prozess für den Mitarbeiter wieder auf die 'menschliche' Arbeit fokussieren. Ich mache momentan Kurse bei udemy um mein Wissen über Datenbanken, APIs, SQL, Phyton, Machine Learning etc aufzubauen.
Mein Problem ist, dass meiner Spezialistenrolle in ein Unternehmen zu wechseln, wo ich praktische Anwendungsfelder und Fähigkeiten in den o.g. Felder bekomme, ist anscheinend unmöglich. Ich bringe zwar Wissen über die Finanzwelt mit, aber eben nicht die praktischen Fähigkeiten oder Informatikscheine.
Meine Frage: Welches Vorgehen/Unternehmen/Skillaufbau etc empfehlen Sie bzw wie kann ich vorgehen, wenn ich doch die digitale Revolution mitgestalten möchte und eine erste praktische Chance brauche?

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