Ratgeber Karriere

Skills in Zeiten der Digitalisierung

Karriereratgeber 2017 - Ivana Židová, GMC Software

28.06.2017
Bis zum 11. Juli 2017 beantwortet die Personal-Managerin Ivana Židová von GMC Software alle Fragen rund um das Thema Skills und Anforderungen an Mitarbeiter in Zeiten der Digitalisierung.

Ivana Židovás Anliegen ist die Suche nach verborgenen Talenten. Genau diese spürt sie bei GMC Software als HR-Expertin für die Region EMEA auf. Sie begeistert sich für Innovationen und die Menschen, die diese vorantreiben. Mit neuen Technologien sucht sie nach neuen Wegen, die Prozesse in der Personalabteilung zu verbessern. Sie kennt sich mit den Herausforderungen der Digitalisierung aus und weiß, mit welchen Fähigkeiten und Kenntnissen Bewerber heute überzeugen. "Die digitale Transformation verändert die Spielregeln. Unternehmen brauchen heute mehr denn je Mitarbeiter, die flexibel im Denken sind", ist sie überzeugt.

Ivana Židová ist HR-Expertin bei GMC Software.
Ivana Židová ist HR-Expertin bei GMC Software.
Foto: GMC Software

Die Lösungen von GMC Software ermöglichen es Mitarbeitern eine abteilungsübergreifende individualisierte Omnichannel-Kommunikation zu entwickeln und diese auch umzusetzen - sei es Print, Online oder Mobil. GMC Software ist ein Tochterunternehmen der Neopost Digital Company mit über 20jähriger Branchenerfahrung und mehr als 1.800 Kunden im Bereich Druckdienstleister, Banken und Versicherungen sowie im Gesundheitswesen.

Stellen Sie Ihre Fragen an Ivana Židová einfach unterhalb dieses Beitrags über unsere Disqus-Kommentarfunktion. Sie werden dann zeitnah beantwortet. (hk)

 

Ivana Židová

Hallo Frau L.

hat man Kinder und beide Elternteile arbeiten, ist man auf flexible Arbeitsmodelle angewiesen, das wissen auch die meisten Unternehmer. Dennoch herrscht oft Unsicherheit, wie das Thema ins Bewerbungsgespräch eingebunden werden kann, auch wenn das Unternehmen Home-Office aktiv anbietet. Der Arbeitgeber kennt den Kandidaten noch nicht und kann daher erstmal nur spekulieren, wie er sich als neuer Mitarbeiter im Home-Office präsentieren würde. Für den Bewerber ist es hingegen ein Tanz auf dem Hochseil, da man nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen, das Thema mit zu großem Nachdruck oder an der falschen Stelle ansprechen möchte, um beim potentiellen Arbeitgeber keinen negativen Eindruck zu hinterlassen.

Mein Tipp: Der Ton macht die Musik.
Ein Bewerbungsgespräch ist ein Kennenlernen. Dabei ist die Art wie man etwas sagt genauso wichtig, wie der Inhalt. Die Frage nach dem Home-Office lässt sich auf zwei Arten stellen. Als Forderung: „Ich muss/möchte ins Home-Office.“ Oder als Frage, auf die weiter aufgebaut werden kann: „Besteht in Ihrem Unternehmen auch die Option von Zuhause aus zu arbeiten?“

Bewerbungsgespräche sind immer sehr individuell, jedoch gibt es bestimmte Bestandteile, die fast immer vorkommen. Etwa die Frage nach Freizeitaktivitäten und die Fragen an das Unternehmen. An diesen beiden Stellen könnte man die Frage nach dem Home-Office einflechten. Erwähnen Sie Aktivitäten mit Ihren Kindern und die Schichtarbeit Ihres Mannes, dann haben Sie die Gründe, warum Sie ins Home-Office möchten, schon einmal unverfänglich ins Gespräch eingebracht.

Des Weiteren empfehle ich, rücken Sie Ihre Erfahrung als Vertriebsmitarbeiterin ins richtige Licht und erklären Sie, warum das Unternehmen von dieser profitieren würde, auch wenn Sie im Home-Office wären und wie Sie sicherstellen können, dass Sie jederzeit erreichbar wären. Sie können außerdem von Ihrer letzten Tätigkeit erzählen, wenn Sie dort beispielsweise auch schon im Home-Office tätig waren und Beispiele nennen, wie Sie gearbeitet haben.

Ihr Ziel ist es, dem Arbeitgeber zu zeigen, dass Sie am Ende des Tages Ihre Aufgaben erledigt haben und erreichbar sind, egal ob Sie nun im Unternehmen am Schreibtisch oder Zuhause sitzen.

Beste Grüße,
Ivana Židová

Erdbeermuffin323

Sehr geehrte Frau Židová,

ich möchte Sie gerne um ihre Einschätzung bitten:

Ich habe langjährige Erfahrung als Vertriebsmitarbeiterin im
IT-Bereich. Mit der Geburt meiner Kinder bin ich in Elternzeit gegangen (2
Jahre). Nun habe ich allerdings die Befürchtung, dass ich den Anschluss auf dem
Arbeitsmarkt verlieren könnte, wenn ich zu lange Zuhause bleibe.

Als Mutter ist es mir leider nur schwer möglich, klassische
Arbeitszeiten einzuhalten. Mein Mann arbeitet im Schichtdienst - ich bin also
auf flexible Arbeitszeitregelungen und -modelle angewiesen. Am besten wäre es
für mich, wenn ich regelmäßig oder sogar dauerhaft aus dem Home-Office heraus
arbeiten könnte.

Vorausgesetzt, der Arbeitgeber bietet diese Option an – wie
kann ich das Thema bereits im Bewerbungsgespräch ansprechen?

Mit freundlichen Grüßen
Gina L.

Ivana Židová

Hallo Phimü,

anders als noch vor ein paar Jahren sind Lebensläufe, die mehrere Abteilungs-, Job- oder Branchenwechsel beinhalten, mittlerweile keine Ausnahme mehr. Zwar gibt es mit
Sicherheit viele Arbeitgeber, die Vorurteile gegenüber Bewerbern hegen, deren
beruflicher Werdegang nicht linear verlaufen ist. Es gibt aber wiederum auch
solche, die die Vorzüge eines solchen Lebenslaufs zu schätzen wissen.

Wir bei GMC Software haben die folgende Erfahrung gemacht: Haltung und Neugierde sticht Fachwissen. Zwar sind qualifizierte und spezialisierte Arbeitskräfte nach wie vor gefragt, aber im Rahmen der zunehmenden digitalen Transformation spielen umfassende Erfahrungen und der „Blick über den Tellerrand“ eine immer wichtigere Rolle.

Als Bewerber mit einem breitgefächerten Lebenslauf bei einem Unternehmen, wie beispielsweise dem unserem, sollten Sie also idealerweise über vielfältige Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen, aber auch Lernbereitschaft, Eigenmotivation und
Flexibilität mitbringen. Anders als andere Unternehmen sucht GMC keine angepassten Karrieristen, sondern Menschen mit Charakter, die zur Unternehmenskultur passen.

Wichtig ist, dass Sie bei der Präsentation Ihres Lebenslaufs nicht den Eindruck erwecken, dass Ihnen für die Berufsstationen das Durchhaltevermögen gefehlt hat oder kein „roter Faden“ erkennbar ist. Wie bei jeder Bewerbung gilt: Sie sollten selbstbewusst mit Ihrem Lebenslauf umgehen und zeigen, dass Sie sich durch die unterschiedlichen Stationen weiterentwickelt haben.

Arbeiten Sie bei den kürzeren Stationen ihres beruflichen Werdegangs den Mehrwert für Ihren neuen Arbeitgeber heraus, beispielsweise indem Sie hinzugewonnene Qualifikationen und Kompetenzen, sowie besondere Erfolge auflisten. Es sollte für den
Personalentscheider ersichtlich sein, was Sie können, welche Erfahrungen Sie in
ihrem Berufsleben auf- und ausgebaut haben und was Sie in ihrem potenziellen
neuen Beruf beitragen können.

Beste Grüße,
Ivana Židová

Phimü

Hallo Frau Zidova,

ich habe während meiner beruflichen Laufbahn bereits
verschiedenste Abteilungen in unterschiedlichen Unternehmen kennengelernt.
Beispielsweise habe ich jeweils mehrere Jahre im Marketing, aber auch der Produktentwicklung
gearbeitet, und war zudem für eine kurze Zeit selbstständig.

Ich höre immer wieder, dass es heute auf einen durchgängigen
Lebenslauf ankommt, wenn man auch im fortgeschrittenen Alter Chancen auf dem
Arbeitsmarkt haben möchte. Wie ist Ihre Meinung zu diesem Thema? Würden Sie
jemanden mit einem Patchwork-Lebenslauf einstellen?

Ivana Židová

Hallo Herr J.

Die Digitalisierung bedeutet Veränderung, sowohl für Unternehmen, als auch für deren Mitarbeiter. Begriffe wie Künstliche Intelligenz, Roboter und Prozessautomation bedeuten dabei für die einen technischen Fortschritt und Arbeitserleichterung. Andere
sehen ihre Jobs in Gefahr und fürchten durch günstigere Technik ersetzt zu werden.

Die neuen Technologien werden einen Einfluss auf den Arbeitsmarkt haben. Doch
der Wandel folgt einem langsamen Prozess. Man darf nicht erwarten, dass es
einen Stichtag X geben wird und von da an bestimmte Jobs plötzlich nur noch von
Maschinen erledigt werden. Vielmehr wird neue Technik meistens ausführlich
getestet, bevor sie in ein Unternehmen eingeführt wird.

Wer offen für neue Entwicklungen ist, dem bietet sich durch die Digitalisierung große Chancen. Denn mit neuer Technik kommen neue Arbeitsplätze. Man braucht qualifizierte Menschen, die sich um die Wartung und Weiterentwicklung der Systeme kümmern.

In den nächsten Jahren wird Automation vor allem für Aufgaben eingesetzt werden, die hoch repetitiv sind. Durch die Abgabe dieser Aufgaben hat der menschliche Mitarbeiter, der sich vorher damit beschäftigen musste, nun mehr Zeit für hochwertigere und
kreative Aufgaben, die kein Computer leisten kann.

Wer dem technischen Wandel offen gegenüber steht und Flexibilität und Bereitschaft beweist, etwas Neues zu lernen, dem bieten sich völlig neue Karrierechancen. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass aller Fortschritt Zeit benötigt und man sich so langsam mit den neuen Möglichkeiten auseinandersetzen und schauen kann, welche Chancen sich für die eigene Person bieten.

Ich persönlich bin gespannt und freue mich darauf, was die Zukunft bringen wird.

Beste Grüße,
Ivana Židová

Hugo J.

Guten Tag Frau Zidova,

als Projektleiter bei einem mittelständischen Unternehmen
aus dem Bereich Software-Entwicklung verfolge ich mit großem Interesse die
Diskussionen rund um die Anforderungen und Fähigkeiten, die die Digitalisierung
an die Mitarbeiter von heute stellt.

Gerade jetzt, wo Begriffe VR/AR, Künstliche Intelligenz,
Roboter und Prozessautomation bzw. Automatisierung im Allgemeinen in aller
Munde sind – wie bewerten Sie die Entwicklung?

Worauf müssen Unternehmen und Mitarbeiter sich in den
kommenden Jahren einstellen, wo liegen Ihrer Ansicht nach die Risiken und
Chancen der Digitalisierung?

Grüße,

Hugo

Ivana Židová

Hallo Rumble

Vielen Dank für Deine Frage.

Spezialisierungen und fundiertes Fachwissen
sind auch heute immer noch sehr wichtig, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen,
wenn nicht sogar noch wichtiger als früher. Gerade, wenn man als
Berufseinsteiger am Anfang seiner Karriere steht, bildet ein ausgeprägtes
Fachwissen die Basis, auf der im Laufe des Berufslebens neue Erfahrungen und
Kenntnisse aufbauen.

Auf welches Gebiet und Themenspektrum man sich spezialisieren möchte, hängt natürlich stark vom angestrebten Beruf und der Branche ab.

Durch den digitalen Wandel ist die Nachfrage nach Spezialisten gestiegen, besonders für Bereiche, die durch die Digitalisierung bereits heute einen starken Wandel durchleben oder völlig neu entstehen. Über kurz oder lang wird der digitale Wandel jedoch jede Branche und nahezu alle Berufszweige erfassen. Das führt dazu, dass in Zukunft eine andere Art Spezialist gefragt sein wird. Früher reichte es, sich nur innerhalb seines Arbeitsgebiets auszukennen ohne einen Blick über den eigenen Schreibtisch hinaus auf den Aufgabenbereich des Kollegen und anderer Abteilungen werfen zu müssen.

Durch die immer stärkere Vernetzung von Abteilungen und Branchen, sowie eine starke Prozess-Orientierung innerhalb von Unternehmen, braucht es heute ein abteilungsübergreifendes Verständnis für die Aufgaben und Prozesse angrenzender Abteilungen, sowie ein allgemeines Verstehen für die Bedürfnisse der Kunden.

Im Informationszeitalter und dem Daten-Highway sollte man Grundwissen und Interesse für die umliegenden Bereiche mitbringen. Um auf dem aktuellen Stand zu bleiben, ist geistige Flexibilität gefragt. Wenn Du Dich heute in Deinem Studium auf ein bestimmtes Gebiet spezialisierst, kann dieses Wissen durch neue Erkenntnisse und Entwicklungen bei Deinem Abschluss bereits wieder überholt sein. Daher solltest Du informiert bleiben und aktuelle Trends im Blick behalten.

Daher empfehle ich Dir, suche Dir eines oder mehrere Themengebiete, die Dich interessieren und für Deinen Berufswunsch relevant sind und vertiefe dieses Wissen. Behalte aber gleichzeitig das „global picture“ im Auge und stelle Dir immer wieder die Frage, in welcher Art neue Entwicklungen innerhalb deines Spezialgebietes auch für andere Abteilungen relevant sein könnte und im Umkehrschluss, wie sich die Entwicklung auf anderen Gebieten auf Deinen Tätigkeitsbereich auswirken könnte.

Alles Gute für Dein Studium,

Ivana Židová

Rumble

Hallo Frau Zidova,

Sie meinen, dass Unternehmen heute Leute brauchen, die
flexibel denken können. Meinen Sie damit, dass Spezialisierungen auf ein Gebiet
heute einfach nicht mehr gefragt sind? Ich befinde mich gerade mitten im
Studium der Wirtschaftsinformatik und stehe jetzt vor der Wahl, auf welchem
Gebiet ich mich spezialisieren will. Was würden Sie empfehlen: Mich auf ein
oder zwei Themen zu beschränken und diese zu vertiefen oder mich lieber breiter
aufstellen, so dass ich von verschiedenen Bereichen Ahnung habe?

Viele Grüße

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