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Kahlschlag bei Ericsson: 22.000 Entlassungen reichen nicht aus

09.07.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Verluste des schwedischen TK-Unternehmens Ericsson im zweiten Quartal werden voraussichtlich im Rahmen der befürchteten Erwartung bleiben. Allerdings könnte die verspätete Auslieferung von Infrastruktur zum Aufbau von UMTS-Netzen eine weitere Streichung von mehreren hundert Stellen erfordern. Auch eine Umorganisation im mittleren Management ist Insider-Informationen zufolge nicht mehr auszuschließen.

Der TK-Ausrüster hatte bereits für das erste Quartal eine Gewinnwarnung ausgesprochen und kündigte für das zweite Vierteljahr keine Besserung an. Sollte der Markt in der zweiten Jahrehälfte nicht umschlagen, wird Ericsson 2001 mit roten Zahlen beenden.

Um wieder ins Plus zu kommen, hatte Ericsson ein Maßnahmenprogramm gestartet, das die Entlassung von bis zu 22.000 Mitarbeitern oder einem Fünftel der gesamten Belegschaft beinhaltet. Zusätzlich transferierte das Unternehmen aus mangelnder Nachfrage im 3G-Bereich bereits etliche Angestellte in die Produktion von GSM-Systemen, da für Mobilfunksysteme der zweiten Generation nach wie vor Nachfrage nach Systemen und Verbesserungen besteht.

Hauptursache für den Umsatzrückgang sind Verzögerungen bei der Auslieferung von UMTS-Infrastrukturen. Zwar stellt Ericsson die Ausrüstung bei 34 von knapp über 50 gemeldeten UMTS-Netzen, wegen der aktuellen Konjunkturflaute und dem durch den Kauf von UMTS-Lizenzen verursachten Finanzloch haben aber viele Mobilfunkbetreiber ihre Aufträge eingefroren oder verschoben. Wie aus internen Ericsson-Kreisen verlautet, gibt es bis jetzt nur Bestellungen für schwedische und italienische UMTS-Systeme.

Die endgültigen Zahlen für das zweite Quartal will Ericsson am 20. Juli bekannt geben.