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Justizministerium ermittelt bei AOL Time Warner

01.08.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach der amerikanischen Börsenaufsicht SEC interessiert sich nun auch das US-Finanzministerium (DOJ) für die Bilanzen des Medienkonzerns AOL Time Warner. Auslöser für die Untersuchungen war ein Artikel in der " Washington Post" Anfang Juli. Darin wurde angezweifelt, dass eine Reihe von Transaktionen der Internet-Sparte America Online in den Jahren 2000 und 2001 korrekt verbucht worden sind. So habe der Online-Dienst vor und nach der Übernahme von Time Warner die Einnahmen um über 270 Millionen Dollar geschönt. Um sich besser darzustellen, soll das Unternehmen in den letzten zwei Jahren unter anderem Umsätze zwischen Abteilungen verschoben und Einnahmen für Anzeigen, die im Auftrag von Ebay oder Monster.com verkauft wurden, als eigene verbucht haben.

Der Medienkonzern erklärte dagegen, dass die Bücher nach dem Bilanzierungsstandard US-Gaap makellos geführt worden seien. Die externen Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young hätten dies mehrfach bestätigt.

Der Betrugsverdacht trifft den Konzern in einer schwierigen Phase: AOL Time Warner schlägt sich wegen der schlechten Perspektiven der Internet-Sparte ohnehin schon mit einem sinkenden Aktienkurs herum, gleichzeitig steckt das Unternehmen mitten in einer Umstrukturierung. Am gestrigen Mittwoch brachen die Aktien von AOL Time Warner zeitweise um bis zu elf Prozent ein. (mb)