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John Shoemaker, Ex-Sun-Manager: Scott McNealy hat zu lang gezögert

11.04.2006
John Shoemaker, ehemaliger Leiter von Suns Server-Division, macht Fehlentscheidungen des Firmenlenkers Scott McNealy für die heutigen Probleme verantwortlich.

Es sei in der Vergangenheit nicht gelungen, Suns Unternehmensführung von schnellen und einschneidenden Maßnahmen wie beispielsweise einem umfangreichen Stellenabbau zu überzeugen, berichtete John Shoemaker. Der Manager arbeitete insgesamt 15 Jahre für den kalifornischen Server-Spezialisten, zuletzt bis 2002 als Leiter der Server-Sparte (siehe auch: Sun-Veteran geht in den Ruhestand). Die Verantwortlichen von Sun Microsystems hätten zu langsam und zu behäbig reagiert, als sich die Probleme abzuzeichnen begannen. Während Firmen wie Cisco und Intel schnell tätig wurden, als es mit der IT-Branche nach dem Platzen der Dotcom-Blase bergab ging, habe es Sun versäumt, den Niedergang zu stoppen. Es sei zwar eine harte Entscheidung, auf die Kostenbremse zu treten und Mitarbeiter zu entlassen. Die Versäumnisse in dieser Hinsicht seien jedoch für die heutige Misere des einstigen IT-Stars verantwortlich.

Sun Microsystems beklagt seit Jahren rückläufige Umsätze, vor allem in seinem angestammten Server-Geschäft (siehe auch: Sun verbucht Verluste - Quartalsumsatz plus 17 Prozent). Bis auf wenige Ausnahmen zierten rote Zahlen das Ende der Quartals- und Jahresbilanzen. Die Sun-Verantwortlichen hätten es Experten zufolge versäumt, den Fokus von den teuren Highend-Systemen, mit denen das Unternehmen in den 90ern hohe Margen erwirtschaftet hatte, zügig auf günstigere Standard-Server zu verlagern. In diesem Segment hatten schnell andere Anbieter wie IBM, HP und vor allem Dell die Nase vorn. Auch die Versuche, mit Software beziehungsweise Services zu reüssieren, zeigten bislang wenig Wirkung.

Entlassungen waren in den zurückliegenden Jahren immer wieder ein Thema in Suns Hauptquartier in Palo Alto (siehe auch: Sun entlässt im Highend-Server-Bereich). Allerdings konnte sich das Management nie zu einem radikalen Schnitt durchringen. Die Ankündigungen, Stellen abzubauen, schleppten sich über mehrere Jahre dahin. Insgesamt reduzierte der Server-Spezialist zwischen 2001 und 2005 die Zahl seiner Mitarbeiter um mehr als 13 000. Aktuell beschäftigt das Unternehmen etwas mehr als 30 000 Angestellte. Allerdings gelang es den Verantwortlichen nicht, mit diesen Maßnahmen die Kosten in den Griff zu bekommen. Während sich die Umsätze im gleichen Zeitraum um rund 39 Prozent reduzierten, fielen die operativen Ausgaben nur um 26,5 Prozent.

Die Sun-Verantwortlichen wollten die Schelte ihres ehemaligen Mitarbeiters bislang nicht kommentieren. Vielmehr verwiesen sie auf die Rückkehr des ehemaligen Finanzchefs Michael Lehman (siehe auch: Michael Lehman wird wieder Finanzchef von Sun). Mit dieser Maßnahme hofft der Server-Hersteller offenbar auf frischen Wind. Die Börse reagiert positiv: Seit Lehman das Finanzruder wieder im Griff hat, stieg der Kurs um rund 25 Prozent. Toni Sacconaghi, Analyst von Sanford C. Bernstein rechnet angesichts dieser deutlichen Reaktion auf dem Aktienmarkt mit anstehenden Restrukturierungsmaßnahmen bei Sun. Es sei davon auszugehen, dass Lehmann die Kosten senken wird. Das wirksamste Mittel dafür sei es, Stellen abzubauen. (ba)