Social Media Recruiting

Job-Kandidaten in sozialen Netzen ködern

03.06.2022
Von 
Julia-Eva Sima ist freie Journalistin in Mainz.
Immer mehr Unternehmen suchen Mitarbeiter auch via Instagram und Twitter - ein Trend, der sich Social Media Recruiting nennt. Mehr darüber lesen Sie hier.
Unternehmen können durch Social Media Recruiting nicht nur kostengünstig ihre Arbeitgebermarke stärken sowie einen Talent-Pool aufbauen, sondern durch Active Sourcing in den sozialen Netzen auch gezielt nach Kandidaten suchen.
Unternehmen können durch Social Media Recruiting nicht nur kostengünstig ihre Arbeitgebermarke stärken sowie einen Talent-Pool aufbauen, sondern durch Active Sourcing in den sozialen Netzen auch gezielt nach Kandidaten suchen.
Foto: Kachka - shutterstock.com

Verwenden Personaler den Begriff Social Media Recruiting, Social Recruiting oder E-Recruiting, ist damit gemeint, dass sie verschiedene digitale Herangehensweisen und Kanäle auswählen, um Kandidaten im Netz zu erreichen. Das geschieht häufig auf Plattformen wie Xing und LinkedIn. Aber auch die in eher privatem Umfeld bekannten Social-Media-Kanäle wie zum Beispiel auf Facebook, Instagram (Instagram Recruiting) oder Twitter, eignen sich, um Kandidaten zu rekrutieren oder die Arbeitgebermarke zu stärken. Im Social Media Recruiting kann man dabei verschiedene Ansätze unterscheiden:

  • Man nutzt das Recruiting, um die Arbeitgebermarke zu stärken. Das Employer Branding, wie man diese Maßnahme auch nennen kann, wird verbessert, indem man sein Unternehmen im Netz positiv präsentiert. Gerade die jüngere und junge Generation der Arbeitnehmer ist auf dem digitalen Kanal einfacher zu erreichen. So kommt man mit interessanten Talenten in Kontakt und kann im besten Fall einen Talent-Pool aufbauen, auf den man bei den nächsten Personalsuchen zurückgreifen kann.

  • Auf den beruflichen Plattformen wie Xing oder LinkedIn kann man geeignete Kandidaten direkt ansprechen. Das Active Sourcing lässt sich hier recht einfach bewerkstelligen, da man auf diesen Plattformen Kandidaten nach unterschiedlichen Merkmalen filtern kann. Das spart dem Personaler Zeit. Außerdem lassen sich hier, wie auf den eher privat orientierten Plattformen wie YouTube, Facebook und Instagram, zusätzliche Informationen über den Kandidaten finden. Personaler müssen bei dieser Art der Personalauswahl natürlich immer die Datenschutzvorgaben im Blick behalten.

Warum sich Social Media Recruiting lohnt

Das Recruiting in den sozialen Netzwerken kann eine richtig gute Ergänzung zu der herkömmlichen Personalgewinnung sein. Denn vor allem die junge Generation erreicht man über diese Kanäle viel besser als mit anderen, althergebrachten Maßnahmen. Doch Social Media Recruiting lohnt sich noch aus weiteren Gründen:

  1. Spezifisches Targeting: Die Plattformen haben unterschiedliche Möglichkeiten, die gewünschten Kandidaten ganz gezielt anzusprechen. So können Unternehmen sich schon bei der gewünschten Zielgruppe präsentieren, bevor diese überhaupt einen neuen Job sucht. Wird der Wunsch nach einem neuen Arbeitgeber dann stärker, sind die Firmen dank ihrer Aktivitäten auf den Plattformen schon beim Bewerber präsent.

  2. Direkte Kommunikation: Bewerber oder Interessierte haben die Möglichkeit, über die Plattform in einen direkten Austausch mit dem Arbeitgeber zu treten - auf Wunsch sogar vollkommen unverbindlich. Für Unternehmen ist das Fluch und Segen zugleich. Denn wer hier nicht prompt und wertschätzend kommuniziert, wird von dem Kandidaten wohl keine Bewerbung erhalten.

  3. Geringe Kosten: Dadurch, dass sich Social Media Recruiting gezielt einsetzen lässt, lassen sich die Kosten nicht nur besser kalkulieren, sondern die Maßnahmen sind insgesamt häufig auch kostengünstiger als Maßnahmen zur Personalbeschaffung außerhalb von Social Media. Mit recht geringem Einsatz lässt sich auf den Plattformen eine große Zielgruppe erreichen.

Bewertungsplattformen im Blick behalten

Was Arbeitgeber nicht vergessen sollten: Nicht nur sie können im Netz nach Kandidaten oder zusätzlichen Informationen zu dem Bewerber suchen. Auch die Arbeitnehmer nutzen die zahlreichen Möglichkeiten des Internets, um etwas über ihren potenziellen Arbeitgeber herauszufinden.

Für Beschäftigte ist die Bewertungsplattform Kununu dabei häufig die erste Anlaufstelle. Auf dieser Plattform finden Sie Informationen zu dem jeweiligen Unternehmen - und zwar aus Sicht seiner Mitarbeiter oder Bewerber. So können Mitarbeiter zum Beispiel das Führungsverhalten der Vorgesetzten bewerten, sich über das Betriebsklima austauschen und sogar Daten zu ihrem Gehalt eingeben. Andere Arbeitnehmer, die sich bei diesem Unternehmen bewerben möchten, können daher zunächst auf der Bewertungsplattform nachschauen und sich ein Bild davon machen, ob sich die Bewerbung überhaupt lohnen könnte.

Es reicht also nicht, als Unternehmen nur aktiv in den sozialen Netzwerken vorzugehen. Arbeitgeber sollten auch diese Art von Plattformen im Blick behalten. Denn Studien zeigen immer wieder, dass Bewerber diese Bewertungsplattformen nutzen und bei offensichtlichen Widersprüchen zwischen der eigenen Außendarstellung und der Bewertung durch die eigenen Mitarbeiter besonders misstrauisch werden - und sich in der Folge nicht bewerben.

Kurzum, Unternehmen, die diesen Kanal nicht genügend beachten, könnten es schwer in der digitalen Welt haben. Denn alle gut geplanten Maßnahmen der Personalabteilung bringen nicht viel, wenn die aktuellen oder ehemaligen Mitarbeiter das Gegenteil vom dem behaupten, wie sich das Unternehmen selbst im Netz präsentiert.

Social Media Recruiting braucht eine Strategie

Unternehmen, die Bewerber und neue Mitarbeiter im Netz finden möchten, müssen sich im ersten Schritt - wie bei jeder anderen geplanten Maßnahme auch - eine passende Strategie überlegen. Leitfragen können dabei sein:

  • Welche Zielgruppe möchte ich erreichen?

  • Möchte ich das Netzwerk nutzen, um ganz allgemein zu informieren oder will ich über die Plattform aktiv Kandidaten ansprechen?

  • Welche Einblicke in die Arbeitsabläufe sollen meine Follower erhalten?

  • Wie kann ich meine Firmenphilosophie am besten in dem jeweiligen Medium transportieren?

  • Mit welchen Kennzahlen kann ich messen, ob die jeweilige Strategie erfolgreich war?

Wichtig ist in diesem Schritt außerdem, dass Arbeitgeber die Maßnahmen im Netz nicht losgelöst von anderen Maßnahmen zur Personalgewinnung betrachten dürfen. Idealerweise arbeiten die Abteilungen im Unternehmen eng zusammen und stimmen sich ab, welche Handlungen geplant sind und wie sie ausgeführt werden sollten. So lässt sich der größtmögliche Nutzen aus dem Social Media Recruiting ziehen. (pg)