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Jetzt offiziell: Microsoft will Navision kaufen

07.05.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die bereits recht konkreten Gerüchte (Computerwoche online berichtete) aus der vergangenen Woche haben sich bestätigt: Microsoft hat ein Übernahmeangebot für alle Anteile des dänischen Mittelstands-ERP-Anbieters (Enterprise Resource Planning) Navision unterbreitet. Die Aktionäre sollen dabei wahlweise 300 Dänische Kronen (umgerechnet 40,36 Euro) oder deren Äquivalent in Microsoft-Aktien für jeden Anteilschein erhalten. Die Offerte entspricht einem Premium von 36,7 Prozent auf den letzten Navision-Kurs vor Bekanntgabe der Verhandlungen und einem Premium von 41,2 Prozent auf den durchschnittlichen Kurs der vorhergehenden 180 Tage.

Der Vorstand von Navision hat einstimmig entschieden, die geplante Übernahme zu befürworten. Nordea Securities und Schroder Salomon Smith Barney berieten die Dänen bei den Verhandlungen.

Eine ganze Reihe von Gründen habe Navision dazu bewogen, die Offerte des Gates-Konzerns zu akzeptieren. Unter anderem nennt das Unternehmen in seiner diesbezüglichen Erklärung die globale Marke, Branchenführerschaft und langfristige Vision Microsofts sowie die Tatsache, dass Navisions Headquarter zum Hauptzentrum für Entwicklung und Geschäft von Microsoft Business Solutions in der EMEA-Region und damit zum größten Produktentwicklungszentrum außerhalb der USA werden soll. Allerdings gebe es auch mögliche Nachteile zu bedenken. Hier führt Navision das Risiko der Integration in die Microsoft-Organisation und Umsetzung geplanter Synergien sowie Währungsrisiken und höhere Transaktionskosten für die dänischen Aktionäre an. 60,5 Prozent des stimmberechtigten Kapitals hätten dem Angebot aber bereits zugestimmt, heißt es weiter.

Navision veröffentlichte ferner seine Bilanz zum Ende März abgeschlossenen dritten Quartal. Der Umsatz sei um 17 Prozent auf umgerechnet 51,1 Millionen Euro gestiegen; das Lizenzgeschäft habe im Jahresvergleich sogar um 20 Prozent zugelegt. Der operative EBITA-Gewinn habe aktuell 6,1 Millionen Euro betragen, dies entspreche einer EBITA-Marge von zwölf Prozent. Für das bisherige Geschäftsjahr liege die operative Marge bei fast 20 Prozent, die Erwartungen für das Gesamtgeschäftsjahr blieben unverändert. Die Branchenflaute ging aber auch an den Dänen nicht spurlos vorüber: Als Nettogewinn weist Navision aktuell umgerechnet 3,3 Millionen Euro aus nach 4,9 Millionen Euro im Vorjahresquartal. (tc)