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Jetzt offiziell: Linux auf IBM-Mainframes

18.05.2000
Suse und Turbolinux als Partner

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - IBM hat gestern offiziell die Verfügbarkeit des Open-Source-Unix Linux für die Großrechner der S/390-Familie angekündigt. Der Sourcecode liegt bereits seit Januar auf den Servern von Big Blue bereit; die 2100 Anwender der kostenlosen Variante erhalten allerdings weder Service noch Support. Dies soll sich nun ändern: Den Vertrieb von Linux für den Mainframe übernehmen in den USA Turbolinux und in Europa der Nürnberger Linux-Distributor Suse AG. Beide kümmern sich auch in Kooperation mit IBMs Global Services um technischen Support und Middleware-Integration. Weitere Partnerschaften mit Red Hat Software und Caldera befinden sich noch im Verhandlungsstadium.

Ob Linux auf dem "Big Iron" ein Erfolg wird, hängt nicht zuletzt von den Kosten ab. Weder Turbolinux noch Suse haben ihre geplante Preisstruktur bislang bekanntgegeben. Zumindest IBM hat sich bereits zu einigen denkwürdigen Schritten durchgerungen. Unter anderem wird das Unternehmen erstmals in seiner Geschichte eine S/390-Maschine ohne vorinstalliertes Betriebssystem anbieten. Neukunden, die mehr als die hardwareseitig unterstützen 15 Partitionen benötigen, wird man laut "Computergram" zudem eine für sechs bis acht Monate kostenlose Lizenz des "VM"-Betriebssystems anbieten, das eine logische Partitionierung der Mainframe-Hardware in unabhängige Virtual Machines gestattet. Last but not least will IBM auch der bereits installierten Basis bei Linux-bedingten Hardware-Upgrades oder beim Umstieg von früheren Mainframe-Betriebssystemen (OS/390, MVS/ESA, VSE/ESA, VM/ESA) preislich entgegen kommen.

Beobachter zweifeln indes, ob sich die "seriöse" S/390-Kundschaft von den Vorzügen von Open Source überzeugen lässt. "Das wird ein Marketing-Problem - die Linux-Gemeinde und die /390-Kunden sind nicht gerade klassische Bettgenossen", gibt etwa David Floyer, Vice President Research bei ITcentrix Inc., zu bedenken. "Allerdings zeigt IBMs Schritt einen Grad von Fantasie, den ich seit Jahren nicht gesehen hatte. Sie scheinen sich zum ersten Mal mitten im Markt zu bewegen, statt wie üblich zwei, drei Jahre hinterherzuhinken."

Neben dem reinen Betriebssystem plant Big Blue eine ganze Reihe ergänzender Softwareangebote. Dazu gehören

Schnittstellen für die Anbindung an "traditionelle" OS/390-Anwendungen- und Daten, unter anderem für DB2, IMS und MQ Series;

eine S/390-Linux-Version der hauseigenen Datenbank DB2;

der Application Server "Websphere" inklusive Java-Unterstützung, sowie

ein von Tivoli entwickelter Storage-Manager-Client für Backup-, Archivierungs- und Desaster-Recovery-Lösungen.

Die genannten Produkte sollen laut IBM im dritten Quartal in den Betatest gehen und Ende dieses Jahres generell verfügbar sein.