Bildungsoffensive bei BMW

Jeder BMW-Mitarbeiter soll sich mit Daten auskennen

04.09.2020
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Vom Bandmitarbeiter bis zum Vorstand sollen alle Beschäftigten in der Lage sein, datenbasierte Entscheidungen treffen zu können – lautet die Vorgabe eines ehrgeizigen BMW-Projektes.
Die beiden Initiativen Data Transformation Space und Digital Discovery Space sollen den Mitarbeitern bei BMW das Thema Daten und Analyse nahebringen.
Die beiden Initiativen Data Transformation Space und Digital Discovery Space sollen den Mitarbeitern bei BMW das Thema Daten und Analyse nahebringen.
Foto: BMW AG

Die Ausgangslage ist klar: Digitalisierung verändert grundlegend das Geschäft - auch der Automobilkonzerne. Groß ist auch die Einsicht bei den meisten Unternehmen, dass ein wesentlicher Baustein zur Umsetzung von Digitalprojekten der souveräne Umgang mit Daten ist, sprich, eine immer stärkere Umstellung auf datengetriebene Entscheidungsprozesse stattfindet.

Um diesen Erkenntnissen Rechnung zu tragen hat BMW zwei Initiativen ins Leben gerufen, den Data Transformation Space (DTS) und den Digital Discovery Space (DDS) - die auch gleichzeitig zwei reale (physische) Räume sind, um allen BMW-Mitarbeitern das Thema Daten und Analyse (D&A) nahezubringen. Die größte Herausforderung bestand nun darin, "die Mitarbeiter auf diesem Weg mitzunehmen und zu befähigen", wie die Initiatoren Oliver Ganser, Inga Jürgens und Kai Demtröder aus dem Bereich Qualitätsmanagement sowie Sabine Wilhelm, der Leiterin der BMW-Akademie, es formulierten.

Anlauf-Überraschungen

Dreh und Angelpunkt in der Konzeptionsphase war die Frage, wie sich dieses Vorhaben, das auch im Wettbewerb Digital Leader Award (DLA) eingereicht wurde, innovativ und attraktiv gestalten ließe und sich so ein abstraktes Thema physisch erlebbar machen könne. Und wie das oft bei Projekten der Fall ist, muss man auch gewisse Anlauf-Überraschungen einkalkulieren.

In diesem Fall war es so, dass die Baumaßnahmen zur Gestaltung der "Datenräume" während des laufenden Trainingsbetriebs stattfanden, und weil die Kurse nicht unterbrochen werden durften, mussten die Handwerker in der Nacht ran. Nach der Eröffnung im April 2019 konnten die Initiatoren nicht unbedingt von einem Ansturm auf diese "Spaces" sprechen, die Werbetrommel musste intensiv gerührt werden. Nun aber sei man mit dem Zulauf zufrieden, wie Ganser versichert. Über 250 Besucher täglich informieren sich in normalen Zeiten oder nehmen an Workshops rund um die Themen Daten und Analyse teil.

Vegas Wall

Die Initiatoren haben sich einiges einfallen lassen, um diese beiden Räume attraktiv zu gestalten. Einige Formate sollen hier kurz erwähnt werden:

  • Vegas Wall: eine große LED-Wand am Eingang "empfängt" den Besucher.

  • DTS Counter: erste Infos und "Millie", der Avatar, steht bereit für ergänzende Infos

  • Getting Started: Selbstlernbereich mit Touch Screen;

  • Meet & Greet: hologrammartige Simulation auf der LED-Wand mit BMW-Vorständen in Lebensgröße, die ihre Sicht auf das Thema erläutern;

  • Genius Sessions: Experten informieren zu Tools und zeigen Anwendungsbeispiele

Als Highlight nennen die Initiatoren einen Escape Room mit digitaler Spielerfahrung. Dieser besteht zum großen Teil aus digitalen Elementen, die es ermöglichen, den Raum automatisiert zurückzusetzen. Die Gestaltung basiert auf einem interaktiven Ansatz, der spielerisch komplexe Inhalte vermittelt.

Im Rahmen einer futuristischen Geschichte kommt es zu einem mysteriösen Unfall. Es gilt, den Fall mit Hilfe von Data Analytics und Künstlicher Intelligenz zu lösen. In der technologischen Umsetzung existieren über 25 Möglichkeiten der Spielerinteraktion mit neuartigen Technologien wie Smart Glass, Hologrammen und kapazitiven Sensoren.

"Der Umstieg auf virtuelle Lernformate in Zeiten von Corona ist eine Herausforderung", gibt Akademieleiterin Sabine Wilhelm zu. Man biete Online-Workshops an und habe auch ein angepasstes Format für die DTS-Besucher ausgearbeitet. Als ein positives Beispiel ihres Engagements nennen die Initiatoren erste Ergebnisse aus der Auswertung von Kundendaten.

"Basierend auf die mit Zustimmung der Autokäufer erhobenen Daten zum Nutzenverhalten richten wir unsere Fahrzeuge systematischer auf den Kundennutzen aus", freut sich das Ganser-Team. So könnten dann nicht genutzte Funktionen in den neuen Fahrzeugen entfernt und häufig genutzte dafür verbessert und ausgebaut werden. Demtröders Fazit: "Messbare Erfolge sind da, Veränderungen greifen, der Nutzen von Use Cases ist nachweisbar."