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JavaOne: Sun macht Konzessionen an Open Source

26.03.2002
Sun will seinen Java Community Process (JCP) teilweise für Vorschläge aus der Open-Source-Gemeinde öffnen. Außerdem soll Java die Handywelt erobern und dort Microsofts .Net ausbooten.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Künftige Versionen von Java - sei es für Server (J2EE), Desktops (J2SE) oder mobile Endgeräte (J2ME) - könnten Programmierschnittstellen enthalten, die von der Open-Source-Gemeinde entwickelt wurden. Entsprechende Änderungen am Java Community Process (JCP) will Java-Gralshüter Sun Microsystems heute auf seiner Entwicklerkonferenz JavaOne bekannt geben.

Der JCP soll einem Bericht von "Computerwire" zufolge so modifiziert werden, dass Mitglieder der weltweiten Open-Source-Gemeinde APIs (Application Programming Interfaces) zur Integration in Java-Spezifikationen einreichen können. Im Falle der Ratifizierung solcher Spezifikationen könnten Java-Lizenznehmer solche Schnittstellen dann in ihre Produkte übernehmen. Glen Martin, Senior Product Marketing Manager der Java Software Division, scherzte: "Es könnte eine API für tanzende Wombats geben, und nach ihrer Verabschiedung könnte diese Bestandteil der Java-Enterprise-Spezifikation werden."

Als Geste guten Willens wird Sun außerdem einige Web-Services-JSRs (Java Specication Requests, Vorstufe der Java APIs während des JCP) unter Open-Source-Lizenz veröffentlichen. Welche genau das sein sollen, wollte das Unternehmen nicht verraten. Es stellte indes in Aussicht, dass möglicherweise alle JSRs unter Open-Source-Lizenz gestellt werden könnten. Ferner will das Unternehmen ausgewählte gemeinnützige Organisationen mit Testwerkzeugen und auch finanziell unterstützen, um Java stärker für Open Source zu öffnen.

Allerdings ist Open Source für Sun nicht gleich Open Source - APIs unter der GNU General Public License (GPL) will die McNealy-Firma im JCP nicht dulden, weil diese eine kommerzielle Nutzung der entsprechenden Technik nicht sinnvoll ermöglicht. Genehm ist beispielsweise die Lizenz von Apache, das Sun bei der geplanten Öffnung des JCP beratend zur Seite stand. Sun behält sich auch weiterhin sein Vetorecht bei allen Java-Spezifikationen vor und will über seine Zertifizierung auch weiterhin eine Fragmentierung der Plattform verhindern.

Kriegserklärung gegen mobiles .Net

Zuvor hatte Sun zur Eröffnung der JavaOne gegen Microsofts Web-Services-Initiative ".Net" auf mobilen Endgeräten gewettert. Rich Green, Vice President und General Manager für Java und XML, kündigte neue zwei neue APIs an, mit denen sowohl Carrier als auch Mobilfunk- und PDA-Kunden XML-basierte Web-Services auf mobilen Endgeräten nutzen können. Die Schnittstellen docken an die Java 2 Micro Edition an und ermöglichen das Parsen von Daten sowie Remote Procedure Calls (RPC). Außerdem soll J2ME im Rahmen von "Project Matey" um den Faktor zehn beschleunigt werden.

Green zog ferner gegen Microsofts Ausschluss von Java aus Windows XP zu Felde. Er rief das Publikum auf, alle PC-Hersteller zur Nutzung der inzwischen verfügbaren Java Virtual Machine von Sun für das neueste Windows aufzufordern. Auch Microsofts SSO-Dienst (Single Sign-On) "Passport" bekam auf Kosten der von Sun initiierten und favorisierten Liberty Alliance sein Fett weg.

Green bemühte sich zudem nach Kräften, die Zuhörer von der Popularität von Java zu überzeugen. Er zitierte Zahlen von der ARC Group, die für das kommende Jahr 400 Millionen Java-Client erwartet, und Evans Data mit der Aussage, Java sei mit 56 Prozent die meist genutzte Programmiersprache der Welt. Im mobilen Bereich prognostizierte der Sun-Mann, dieses Jahr würden 75 Millionen Handys mit Java verkauft - zehn Carrier und 15 Endgerätehersteller entwickelten bereits entsprechende Dienste. (tc)