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Antitrust-Prozeß

James Gosling weiter auf dem heißen Stuhl

04.12.1998
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Antitrust-Prozeß

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Java-Erfinder James Gosling wurde gestern von den Microsoft-Anwälten ordentlich in die Mangel genommen. Im Mittelpunkt der Attacken stand die von Sun proklamierte Plattformunabhängigkeit der Internet-Programmiersprache getreu dem Motto "Write once, run anywhere". Aktuelle Presseberichte wurden mit Suns Marketing-Versprechen verglichen, um zu demonstrieren, daß Java für plattformübergreifende Projekte zu langsam und zu inkompatibel sei. Gosling tat die meisten Vorwürfe als olle Kamellen ab und wies darauf hin, daß spätestens mit dem neuen Java Development Kit (JDK) 1.2 die meisten Probleme beseitigt seien.

Bei einigen der hauseigenen Marketing-Aussagen war Gosling allerdings sichtlich unbehaglich. Er räumte ein, daß diese wohl ein allzu optimistisches Bild von der einfachen Cross-Platform-Entwicklung malten und gestand ein, daß es mit älteren Java-Versionen wohl Probleme mit der Kompatibilität von Quell- und ausführbarem Code gegeben habe. Dies sei vor allem nach den Veränderungen des Security-Modells in der Version 1.2 der Fall gewesen. Ein weiteres Problem für die Entwicklergemeinde sei die Veränderung beim Zugriff auf plattformspezifische GUI-Elemente gewesen, die erst über das "Abstract Windowing Toolkit" (AWT) und später dann über die "Swing"-Klassenbibliotheken, die inzwischen in den "Java Foundation Classes" (JFC) aufgegangen sind, realisiert wurden. "Wir sind nicht perfekt, das stimmt", gab Gosling zu.

Der Java-Erfinder gab ferner zu, bereits 1996 großen Respekt vor den Entwicklungskapazitäten von Microsoft bekommen zu haben, nachdem er einen ersten Eindruck von den in Redmond laufenden Entwicklungen für eine Java Virtual Machine bekommen hatte. "Wirklich beängstigend war der Aufwand, den sie in die Sache stecken", hatte Gosling damals in einer Sun-internen E-Mail geschrieben. "Sie haben ein ganzes *Team* für die Debugger-API, und ein weiteres *Team* nur für die Garbage Collection, wo bei uns jeweils nur ein Bruchteil einer Person zuständig ist. Es wird ziemlich schwierig werden, sich davon nicht überrollen zu lassen."