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Jahr 2000: Krisengipfel zwischen Pentagon und Moskau

19.02.1999
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Miltitärexperten aus den Vereinigten Staaten und Rußland konferieren in dieser Woche in Moskau unter anderem über Jahr-2000-Computerprobleme bei den Streitkräften der beiden ehemaligen Großmächte aus Zeiten des "Kalten Krieges". Von seiten der Amerikaner wird den Gesprächen große Bedeutung beigemessen. "Es hat zwar schon Diskussionen auf niederer Ebene gegeben, aber dies ist das erst offizielle Treffen zur Koordination der Jahr-2000-Planung", erklärte David Firestein, Sprecher der US-Botschaft in der Kreml-Metropole. Es bestehe durchaus Hoffnung, daß bei den Verhandlungen eine Reihe fester Vereinbarungen zu konkreten Bereichen des Jahr-2000-Problems herauskomme.

Die russische Seite indes scheint eher bemüht, die Bedeutung der Gipfelgespräche herunterzuspielen. Igor Kostyschin, ein Sprecher des Verteidigungsministeriums, erklärte: "Es handelt sich um Routinegespräche der russisch-amerikanischen Beratergruppe für Verteidigungsfragen und nicht um Verhandlungen zwischen den Verteidigungsministerien. Wie soll da ein Vertrag oder Abkommen herauskommen?" Eine noch deutlichere Sprache spricht ein Artikel des Fachjournalisten Pavel Felgenhauer in der "Moscow Times". Dort heißt es: "Das russische Militär wird die US-Delegation zwar herzlich empfangen, aber so wenig Informationen herausrücken wie möglich. Es könnte die Abschreckungswirkung der russischen Nukleararsenale schwächen, wenn bekannt würde, das die hiesigen Computer den amerikanischen weit unterlegen sind." Statt eine ohnehin recht wacklige Partnerschaft zu verbessern, hätten die Versuche einer russischen Jahr-2000-Zusammenarbeit bislang nichts

weiter als gegenseitiges Mißtrauen erzeugt.