Legacy-Modernisierung

IT und Business besser verzahnen

23.08.2022
Von 
Jürgen Mauerer ist Journalist und betreibt ein Redaktionsbüro in München.
Die größte Herausforderung bei der IT-Modernisierung bilden technologische Zielkonflikte zwischen IT und Business samt mangelndem Lösungsbewusstsein.
Wer IT und Business besser verzahnt, pflastert sich den Weg zu einer modernen IT.
Wer IT und Business besser verzahnt, pflastert sich den Weg zu einer modernen IT.
Foto: VisualArtStudio - shutterstock.com

Die Modernisierung der IT-Infrastruktur mit Technologien wie Virtualisierung oder Daten-Konversion lohnt sich und ist die Voraussetzung, damit Firmen den digitalen Wandel meistern können. Doch insgesamt besteht noch Nachholbedarf bei der Legacy-Modernisierung. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Studie "Legacy-Modernisierung 2022", die CIO, CSO und COMPUTERWOCHE gemeinsam mit den Partnern Confluent, TIMETOACT Group, PKS Software, CAST Software und Workday realisiert haben. Dazu wurden 339 Entscheider aus der DACH-Region zu ihren Ansichten, Plänen und Projekten rund um Legacy-Modernisierung befragt.

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Ein erster Bericht zu den Ergebnissen der Studie befasste sich mit dem Status quo in deutschen Unternehmen. In diesem zweiten Teil stehen die Chancen, eingesetzten Technologien sowie die technischen und organisatorischen Herausforderungen der Legacy-Modernisierung im Mittelpunkt.

Optimierte Geschäftsprozesse und höhere Sicherheit

Grundsätzlich erwartet nur ein Prozent der befragten Firmen keine Vorteile durch die Modernisierung von Bestandssystemen. Wichtigste Motive für eine Erneuerung der IT sind veränderte Anforderungen in Geschäftsprozessen sowie technologische Gründe / IT-Architektur mit jeweils 46 Prozent. Überdurchschnittlich hoch sind hier die Werte bei den großen Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern. Auch hohe Kosten, fehlendes Know-how etwa für Cobol und gesetzliche Vorgaben / Compliance sind grundlegende Beweggründe für die Modernisierung von Bestandssystemen.

Bei den Vorteilen stehen zwei Themen gleichauf mit großem Abstand an erster Stelle: Jeweils knapp die Hälfte der Unternehmen (48 Prozent) erhofft sich durch eine Frischzellenkur für die IT beschleunigte und verbesserte Geschäftsprozesse sowie ein Plus an Sicherheit. Weit dahinter folgen Themen wie die (schnellere) Entwicklung neuer Services und Produkte (33 Prozent), geringere Ausfallzeiten (32 Prozent) und Senkung der Betriebskosten (27 Prozent). Neben Vorteilen wie höherer Skalierbarkeit rechnen die Firmen auch mit einer höheren Agilität und niedrigeren Wartungskosten, wenn sie ihre Legacy-IT modernisieren.

Für Heidi Schmidt, Managing Director und CEO bei der PKS Software GmbH, sparen Firmen durch die Modernisierung Kosten durch optimierte, entschlackte und moderne Systeme, erhalten Sicherheit im laufenden Betrieb und vermeiden lange Behebungszeiten bei Störungen durch Transparenz über die Anwendungen und deren Strukturen. "Zudem binden Firmen das Know-how aller Generationen ein, erhöhen die Nachhaltigkeit und können freiwerdende Gelder für Neuinvestitionen nutzen. Erfahrene Mitarbeiter bleiben länger an Bord und das Unternehmen wird zu einem innovativen Arbeitgeber, der attraktiv für neue Mitarbeiter wird", so Heidi Schmidt.

Zukunftssicher mit Schutz der Investitionen

Laut Dr. Jan Hachenberger, Head of Performance Strategy bei der TIMETOACT Software & Consulting GmbH, leistet die Legacy-Modernisierung einen wichtigen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des Unternehmens: "Entweder durch den weiteren Betrieb des Altsystems auf skalierbaren und leistungsfähigen technischen Plattformen oder durch die Migration in alternative Lösungen. Auf diese Weise gewinnt das Unternehmen ein Stück technische Unabhängigkeit zurück und ist für neue Herausforderungen im sich ständig wandelnden IT-Umfeld gewappnet."

Kai Waehner, Field CTO bei Confluent, ist überzeugt, dass Unternehmen nur wettbewerbsfähig bleiben können, wenn sie flexibel auf sich verändernde Umstände reagieren können. Als wesentliche Voraussetzung dafür sieht er in einer datengetriebenen Welt auch die Flexibilität der Software-Architektur: "Hier ist Entkopplung das Wort der Stunde. Viele aktuelle 'Spaghetti-Architekturen' erlauben keine zeitgemäße Datennutzung. Wer schnell und sinnvoll auf Daten zugreifen und diese verarbeiten kann, erfüllt die Erwartungshaltung der Kundschaft und schafft schneller Innovationen und Services." Zudem rät er Firmen, Daten vom teuren Mainframe in die (hybride) Cloud zu migrieren, um Kosten zu sparen.

Top-Herausforderung: Zielkonflikte bei Technologien

Damit die Modernisierung von Bestandssystemen erfolgreich verläuft und entsprechenden Nutzen bringt, müssen Firmen eine Reihe von Hürden überwinden. Als größte Herausforderung nannten 41 Prozent der Befragten Zielkonflikte bei Technologie mit mangelndem Problembewusstsein /-verständnis für Lösungen - häufig ein Thema im Verhältnis zwischen IT und Business. Hier sind sich Unternehmen jeder Größe und auch die einzelnen Rollen im Unternehmen einig; es gab keine relevanten Unterschiede. Eine enge Zusammenarbeit zwischen der IT-Abteilung und den Fachbereichen ist zentral. Nur wenn IT und Business miteinander verzahnt sind, wird die Modernisierung erfolgreich ablaufen.

"Organisatorisch benötigt man dazu bei Ressourcen und Budget die Unterstützung mehrerer Business- und Technik-Sponsoren'. Denn jeder dieser 'Sponsoren' hat einen gewissen 'Schmerzpunkt', den es zu berücksichtigen oder lösen gilt", sagt Mesut Bakir, Managing Director für Deutschland, Österreich und die Schweiz (D/A/CH) bei der CAST GmbH. "Zudem müssen immer mehrere Wissensträger aus verschiedenen Abteilungen miteinbezogen werden, da die Applikations-Architektur oft nur teilweise oder gar nicht dokumentiert ist, sprich die Applikations-Abhängigkeiten untereinander nicht nachvollziehbar sind." Die Legacy-Modernisierung darf dabei aber laut Bakir das Daily Business nicht beeinträchtigen.

Fokus auf Geschäftsdomänen

37 Prozent der Befragten nennen als Hürde die Schwierigkeit, notwendige Modernisierungskosten gegenüber dem Management adäquat darzustellen. Wenig überraschend sind hier die Werte beim IT-Leiter und der IT-Abteilung mit 43 Prozent überdurchschnittlich hoch. Zu den weiteren etwas größeren Herausforderungen zählen die Komplexität des Themas ("Wo fangen wir an?"), allgemeine Budget-Probleme (24 Prozent) sowie mit jeweils 22 Prozent die Darstellung des Nutzwerts (RoI) von rein technischen Modernisierungsmaßnahmen sowie die Verknüpfung der Modernisierung mit fachlicher Weiterentwicklung (Etablierung von Mehrwerten für das Business).

Zielkonflikte bei den eingesetzten Technologien und die adäquate Darstellung notwendiger Modernisierungskosten gegenüber dem Management sind die Hauptschwierigkeiten im Bereich der IT-Modernisierung.
Zielkonflikte bei den eingesetzten Technologien und die adäquate Darstellung notwendiger Modernisierungskosten gegenüber dem Management sind die Hauptschwierigkeiten im Bereich der IT-Modernisierung.
Foto: Research Services / Research Services

Für Dr. Jens Krüger, Chief Product Architect bei Workday, brauchen Firmen hier am Anfang die Analyse der bestehenden IT-Landschaft und den Mut, Prozesse neu zu bewerten, zu überarbeiten und auch zu standardisieren und reduzieren. Er rät Unternehmen, dabei den Fokus - technisch wie organisatorisch - auf Geschäftsdomänen zu legen und Schritt für Schritt vorzugehen. "Prozesse finden meist innerhalb einer Geschäftsdomäne statt, ebenso wie Berichte, Analysen und Aktionen. Mit einer solchen Domain-orientierten IT-Landschaft, einem Verbund von domänenspezifischen SaaS-Lösungen, lässt sich das volle Potenzial einer cloudbasierten Software ausschöpfen", so Jens Krüger. "Grundvoraussetzung für eine Legacy-Modernisierung ist ein digitales Mindset und der Wille zu Veränderungen. Ohne Vision und Verständnis für digitale Prozesse und Arbeitsweisen kann eine echte digitale Transformation nicht gelingen."

Cloud bietet Flexibilität

Die wichtigste Methode bei der Modernisierung der Bestandssysteme ist Virtualisierung (40 Prozent), gefolgt von der Erweiterung von Bestandsanwendungen durch neue (Micro-)Services und Daten-Konversion mit jeweils 34 Prozent. Weiterhin wichtig für die Modernisierung sind aktuell Container-Techniken und Künstliche Intelligenz. Auch die Cloud spielt eine zentrale, wenn nicht sogar die wichtigste Rolle bei der Modernisierung.

Fast ein Viertel der Firmen (24 Prozent) setzt bei der Modernisierung der Legacy-IT auf jeden Fall auf Cloud Computing, speziell PaaS. Überdurchschnittlich hoch sind hier die Werte bei den Führungskräften auf Vorstandsebene, den großen Unternehmen und der IT-Abteilung. 27 Prozent der befragten Unternehmen setzen wahrscheinlich auf Cloud-Ressourcen, um ihre IT-Infrastruktur zu modernisieren. 26 Prozent setzen zur Modernisierung vielleicht auf die Cloud. Nur drei Prozent der Unternehmen beziehen ihre IT-Infrastruktur ganz sicher nicht aus der Cloud, neun Prozent eher nicht (16 Prozent mittlere Unternehmen), und vier Prozent haben sich noch nicht entschieden.

Der Einsatz der Public Cloud nimmt weiter zu - auch im Zuge von IT-Modernisierungsprojekten.
Der Einsatz der Public Cloud nimmt weiter zu - auch im Zuge von IT-Modernisierungsprojekten.
Foto: Research Services / Patrick Birnbreier

Dazu Kai Waehner von Confluent: "An 'Cloud first' oder sogar 'Cloud only' kommen die meisten Unternehmen nicht mehr vorbei, da es ja auch von den Vorreitern aller Branchen vorgelebt wird, wobei hier auch oft Hybrid-Cloud-Architekturen im Einsatz sind, je nach Anwendungsfall. Die Cloud bietet die notwendige Skalierbarkeit und Flexibilität und ist bei Bedarf schnell verfügbar." Dank der gut aufgestellten Marketplaces der großen Cloud-Vendoren können Firmen laut Kai Waehner schnell ein Best-of-Breed-Stack aufsetzen.

Do-it-yourself bei der Modernisierung

In den meisten Unternehmen setzt die interne IT-Abteilung die Modernisierung der Anwendungen selbst um (36 Prozent) oder beauftragt einen konzerneigenen Service Provider oder Dienstleister (32 Prozent). Nur 18 Prozent der Firmen beauftragen einen externen Dienstleister mit der Modernisierung der Anwendungen, 13 Prozent setzen auf eine Kombination aus interner IT-Abteilung und teilweiser Hilfe durch spezialisierte Dienstleister. Bei den externen Partnern haben Cloud Provider (41 Prozent) klar die Nase vorn, vor allem bei den großen Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern. Nur 21 Prozent der kleinen Firmen hingegen entscheiden sich für einen Cloud Provider. Ein Drittel der Firmen setzt auf Berater beziehungsweise Service Provider.

Die drei wichtigsten Kriterien bei der Auswahl eines Dienstleisters für die Modernisierung von Systemen, Anwendungen und Prozessen sind ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis (31 Prozent), technisches Wissen (26 Prozent) und das Vertrauen in den Anbieter (24 Prozent).

Jetzt im Shop: die Studie "Legacy-Modernisierung 2022"
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Foto: Research Services: Patrick Birnbreier

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Studiensteckbrief

Herausgeber: CIO, CSO und COMPUTERWOCHE

Platin-Partner: Confluent GmbH

Gold-Partner: PKS Software GmbH; TIMETOACT Software & Consulting GmbH

Silber-Partner: CAST GmbH; Workday GmbH

Grundgesamtheit: Oberste (IT-)Verantwortliche von Unternehmen in der D-A-CH-Region: strategische (IT-)Entscheider im C-Level-Bereich und in den Fachbereichen (LoBs), IT-Entscheider und IT-Spezialisten aus dem IT-Bereich

Teilnehmergenerierung: Persönliche E-Mail-Einladung über die Entscheiderdatenbank Entscheiderdatenbank von CIO, CSO und COMPUTERWOCHE sowie - zur Erfüllung von Quotenvorgaben - über externe Online-Access-Panels

Gesamtstichprobe: 339 abgeschlossene und qualifizierte Interviews

Untersuchungszeitraum: 11. bis 18. Mai 2022

Methode: Online-Umfrage (CAWI)

Fragebogenentwicklung & Durchführung: Custom Research Team von CIO, CSO und COMPUTERWOCHE in Abstimmung mit den Studienpartnern