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IT macht US-Arbeitskräfte produktiver als Deutsche

21.01.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Deutsche Arbeitnehmer waren im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 1995 weniger produktiv als ihre amerikanischen Kollegen. Die berichtet das "Handelsblatt" unter Berufung auf eine gestern veröffentlichte Studie des US-Forschungsinstituts Conference Board. Die Deutschen erreichten demnach nur noch 97 Prozent des US-Produktivitätsniveaus, 2003 lagen sie noch um vier Prozent über dem der USA. Die Arbeitsproduktivität misst die Zahl der pro Arbeitsstunde produzierten Güter und Dienstleistungen.

Der Unterschied zwischen den USA und Deutschland sei zwar nicht hoch, aber die Tendenz beunruhigend, heißt es weiter. Seit Mitte der 90er Jahre wachse die Produktivität in den USA schneller als in Deutschland und in der Euro-Zone insgesamt. Das war nicht immer so: Von 1987 bis 1996 lag das Wachstum der Produktivität in Euroland noch doppelt so hoch wie in den USA.

2004 stieg der Output pro Arbeitsstunde in den Vereinigten Staaten um 3,1 Prozent, in Deutschland nur um ein Prozent (damit blieb Deutschland sogar hinter dem Durchschnitt der Euro-Zone von 1,3 Prozent zurück). Allerdings ist das Wachstum der deutschen Produktivität gegenüber 2003 zumindest minimal angestiegen.

"Ursache für den Rückstand ist die Überregulierung", erklärte Bob McGuckin, Autor der Studie. "Deutschland ist nicht in der Lage, die nötigen Rahmenbedingungen für die Verbreitung der neuen Informations- und Kommunikationstechnologie zu schaffen." Das gelte für Europa insgesamt und bremse vor allem die Entwicklung des europäischen Einzelhandels. In den USA hätten Investitionen in IT für eine deutlich höhere Produktivität gesorgt.

Hinzu komme, dass in Deutschland pro Kopf weniger gearbeitet werde, zudem sei die Arbeitslosigkeit höher als in den USA. Allerdings habe Deutschland 2004 die Wende geschafft: Zum ersten Mal seit 1987 stieg die Zahl der gearbeiteten Stunden wieder an - wenn auch nur um 0,2 Prozent gegenüber 2003. In den USA kletterte sie zeitgleich um 1,4 Prozent.

Wohin ein niedriges Produktivitätswachstum führt, zeige die Entwicklung des Wohlstandes, schreibt das "Handelsblatt". Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf in Kaufkraftparitäten habe Deutschland 2004 nur noch 70 Prozent des US-Niveaus erreicht nach 73 Prozent im Jahr 2003.

Die Erweiterung der Europäischen Union um zehn wachstumsstarke neue Mitglieder hat dem Gesamtgebilde der 25 Staaten laut Conference Board neuen Schub gegeben: In den zehn Beitrittsländern stieg die Produktivität um 4,4 Prozent, in der erweiterten Union in der Folge um 1,6 Prozent. "Das sind willkommene Neuigkeiten für die EU", kommentierte Bart van Ark, Co-Autor der Studie.

"Die Ergebnisse von 2004 müssen allerdings weiter verbessert werden, wenn Europa wie in den Zielen von Lissabon vereinbart zur weltweit wachstumsstärksten Region werden will", so der Confernce-Board-Mann weiter. 2004 werde das BIP-Wachstum der EU mit 2,3 Prozent weiter hinter das US-Wachstum zurückgefallen sein, schätzt van Ark. (tc)