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IT-Gewerkschaften machen Prodi Druck

23.11.1999

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Philip Jennings, Vorsitzender des Verbandes der europäischen Gewerkschaftsverbände (Fiet), hat EU-Kommissionschef Romano Prodi in einem offenen Brief aufgefordert, sich stärker für Europas Weg in die Informationsgesellschaft zu engagieren. Im ersten Teil des Briefes, der auf einem Treffen von europäischen IT-Gewerkschaftlern im französischen Sophia Antipolis verabschiedet wurde, erinnert Jennings an den großen Vorsprung der USA in Sachen IT im allgemeinen und Internet-Nutzung im besonderen. So investierten die Amerikaner pro Einwohner 1075 Euro pro Jahr in IT, in Europa sollen es weniger als die Hälfte sein (445 Euro). Bei der Online-Nutzung schneidet Europa nach Jennings Auffassung noch schlechter ab. Während in Nordamerika 20 Prozent der Bevölkerung im Web surfen, sind es auf dem alten Kontinent nur ein Prozent. Beschämend ist das Ergebnis auch für die Euro-Manager. Nur fünf Prozent nutzen das Web - im

Gegensatz zu 40 Prozent ihrer amerikanischen Kollegen.

Deswegen fordert Jennings die EU-Kommission auf, eine Expertengruppe zu bilden, die Maßnahmen ergreifen soll, damit Europa im Vergleich zu Japan und USA nicht ins Hintertreffen gelangt. Konkret schlägt der Gewerkschaftsboß vor, die Zusammenarbeit und den sozialen Dialog in der europäischen Computerbranche zu fördern und Initiativen ins Leben zu rufen, die für eine permanente Weiterbildung der IT-Mitarbeiter sorgen. Diese Programme sollen helfen, damit es nicht mehr zu Personalengpässen kommt.

So schwebt Jennings beispielsweise vor, europaweite Weiterbildungsrichtlinien einzuführen, eine sogenannte Talentbörse einzurichten, mit Hilfe von Schulung Mitarbeitern aus anderen Branchen, Frauen und älteren Beschäftigten den Zugang zur IT-Industrie zu ermöglichen sowie ein internationales Gewerkschaftsnetz zu gründen.