Rosige Aussichten?

IT-Freelancer haben hohe Einkünfte

Schreibt und bearbeitet Karrierethemen - in der Digitalredaktion von COMPUTERWOCHE, CIO-Magazin, ChannelPartner und Tecchannel. Ihre Schwerpunkte sind IT-Arbeitsmarkt, Recruiting, Freiberufler, Aus- und Weiterbildung, IT-Gehälter, Work-Life-Balance, Employer Branding, Führung und und und.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Hofft auf mehr Frauen in der IT.
Fast 4.700 Euro verdienen deutsche IT-Selbständige netto im Monat. Zudem verfügt mehr als die Hälfte über Wertpapiere und Immobilien. Doch wie gut haben Freiberufler für ihr Alter vorgesorgt? Wie die Vermögenslage und Altersvorsorge der IT-Freelancer konkret aussehen, beleuchtet eine aktuelle Studie.

Die Spanne der Stundensätze von IT-Freiberuflern geht von 50 bis 130 Euro: Im Schnitt kommen die IT-Selbständigen in Deutschland auf 83 Euro pro Stunde und auf monatliche Einkünfte von rund 4.700 Euro nach Abzug von Steuern, Krankenversicherungsbeiträgen sowie Betriebsausgaben. Jeder Zehnte kann sich sogar über ein Nettoeinkommen von mehr als 8.000 Euro im Monat freuen.

Nur knapp jeder achte solo-selbständige IT-Experte verdient weniger als 2.000 Euro im Monat netto. Kein Wunder also, dass die 87 Prozent der deutschen IT-Freelancer ihre wirtschaftliche Lage als sehr gut oder gut einschätzen und 95 Prozent sich als zufrieden bis sehr zufrieden mit ihrem Einkommen bezeichnen. Nur etwa fünf Prozent sind (eher) unzufrieden mit ihren Einkünften.

Zwei Drittel der IT-Freiberufler besitzen Immobilien und mehr als jeder Zweite hält Wertpapiere.
Zwei Drittel der IT-Freiberufler besitzen Immobilien und mehr als jeder Zweite hält Wertpapiere.
Foto: Andrey_Popov - shutterstock.com

Das geht aus einer aktuellen Studie hervor, für die das Institut für Demoskopie Allensbach mehr als 1500 freiberufliche IT-Spezialisten aus Deutschland befragte. Beauftragt wurde die Untersuchung von der Allianz für selbständige Wissensarbeit (ADESW) e.V., in der die Freiberufler-Vermittleragenturen organisiert sind. Diese machen sich in der aktuellen politischen Diskussion um Altersarmut und Altersabsicherung von Freiberuflern stark für eine differenzierte Betrachtung zwischen hochqualifizierten freiberuflichen Wissensarbeitern und geringqualifizierten Freelancern.

Der Untersuchung zufolge lebt übrigens Dreiviertel der Studienteilnehmer in einer festen Partnerschaft oder Ehe und kommt beinahe zur Hälfte auf ein gemeinsames Haushaltsnettoeinkommen von über 6.000 Euro. Zuversichtlich blicken die IT-Freelancer auch in die Zukunft: So rechnet die Hälfte der Studienteilnehmer mit einer guten Auftragslage, 39 Prozent sogar mit einer sehr guten.

IT-Freiberufler stehen auf private Vorsorge und Immobilien

Was die Altersvorsorge anbelangt, setzen Freiberufler offenbar weniger auf Rentenkassen. So zahlen nur 13 Prozent der Befragten freiwillig in die gesetzliche Rentenkasse ein mit Monatsbeiträgen von durchschnittlich 433 Euro. Aus ihrer Zeit als Angestellte haben zwar über 80 Prozent der Studienteilnehmer Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung erworben, diese betragen im Schnitt allerdings nur 672 Euro pro Monat.

Ferner besitzen 17 Prozent der IT-Freiberufler Leistungsansprüche aus einer betrieblichen Altersvorsorge, die vermutlich ebenfalls aus der Zeit vor ihrer Selbständigkeit stammen. Hinzu kommt ein Mix aus privaten Vorsorgemodellen wie der Rürup-Rente, der Riester-Rente und weiteren privaten Rentenversicherungen.

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Selbständige ITler haben neben ihren beruflichen Einkünften häufig weitere Einnahmequellen: Mehr als jeder Zweite besitzt Wertpapiere und jeweils knapp 40 Prozent eine Kapitallebensversicherung und Sparguthaben. Zwei Drittel der Solo-Selbständigen gehören Immobilien und jeder zweite Befragte bezieht daraus Einnahmen (Vermietung, Verpachtung). Das Nettogesamtvermögen beträgt bei 22 Prozent der befragten IT-Freelancer über 500.000 Euro.

Geringqualifizierte sind bedroht

Fügt man alle Bausteine der Vermögensbildung zusammen, so sind 84 Prozent der Studienteilnehmer offensichtlich ausreichend für ihr Alter abgesichert und sorgen eigenständig und ausreichend vor, findet Carlos Frischmuth, Vorstandsvorsitzender des ADESW. Dementsprechend plädiert er: "Zur Bekämpfung von Altersarmut sollten sich die Entscheidungsträger im Bundestag auf den Anteil der Freiberufler konzentrieren, denen diese Armut tatsächlich droht: Den Geringqualifizierten, deren Selbständigkeit offensichtlich aus der Not geboren ist."

Ob die Lage der IT-Selbständigen trotz guter aktueller Einkünfte auch in Zukunft so rosig bleibt, gilt es abzuwarten: Denn nur etwa die Hälfte der Befragten geht davon aus, dass sie im Alter gut abgesichert ist. 41 Prozent rechnen damit, dass sie zwar mit ihren finanziellen Mitteln auskommen werden, aber sparsamer leben müssen. Jeder Zehnte befürchtet Geldknappheit im Alter.

 

bearnheart

Sie merken anscheinend nicht, dass Sie sich gerade als Manipulator outen, der sich Manipulation schön redet:
"... heraussuchen der passenden Zielgruppe aus der richtigen Richtung für einen bestimmten Zweck zur idealen Zeit mit der bestmöglichen Interpretation zu einem optimierten Ergebnis."

Und das machen Sie gar nicht mal so gut, denn es merkt jeder. Linienmanager, Verkäufer, Politiker, Trickbetrüger oder Unternehmensberater werden Sie damit nie.

Oder war das Sarkasmus?

Sie würden "... nicht direkt "Denkfehler" sagen, ...". Ganz objektiv und neutral hat man dort Äpfeln mit Birnen verglichen, indem einfach Zahlen in der Raum gestellt wurden, ohne eine gemeinsame Basis mit anderen Zahlen zu schaffen. Denn hier vergleicht das jeder mit anderen Zahlen für verfügbares Nettoeinkommen - z.B. des eigenen oder des durchschnittlichen Angestellten.

Das ist objektiv ein grober Fehler. Und für grobe Fehler gibt es nur 2 Ursachen:
Absicht (Manipulation) oder Unabsicht (Inkompetenz).

Daniel Hoppe

Statistiken sind immer interessant (oder besser: Die Hintergründe und Ziele der Beteiligten)!
Ich würde nicht direkt "Denkfehler" sagen, sondern es eher als heraussuchen der passenden Zielgruppe aus der richtigen Richtung für einen bestimmten Zweck zur idealen Zeit mit der bestmöglichen Interpretation zu einem optimierten Ergebnis.

Für mich persönlich wären schon alleine der Befragungszeitraum (1) und der Informationsweg (2) Ausschlusskriterien für „repräsentativ“.

(1) Die Befragung fand zum Großteil in einer Zeit statt, in der 2017 die höchste Feriendichte in Deutschland herrschte (in BY und BW waren sogar während des gesamten Befragungszeitraumes Ferien), das bedeutet: möglicherweise haben weniger Eltern von Schulkindern teilgenommen.

(2) Die Befragung wurde über die Personaldienstleister gesendet. Möglicherweise sind Teilnehmer davon ausgegangen, dass Informationen zu hohen Stundensätze und hohen Auslastungen in den Statistiken, die eigene Position stärken könnten.

bearnheart

Die Überschrift ist Propaganda.

Über die Studie kann ich nur lachen. Da sind gar nicht die monatlichen Ausgaben für die Altersversorgung abgezogen worden. Und das ist ja nicht wenig. Damit ist das Netto natürlich viel zu hoch angegeben.

Außerdem ist hier nicht untersucht worden, in wievielen Stunden das Nettoeinkommen erwirtschaftet wurde. Der Auftraggeber erwartet nämlich, dass man Vollzeit vor Ort ist, und dann muss man noch Zeit für Reisen, Umsatzsteuer und Weiterbildung etc. zusätzlich erbringen, also alles, was ein Angestellter nicht oder innerhalb der Arbeitszeit hat.

Die Denkfehler sind so gravierend, dass ich mich fragen muss, welche Qualifikation die Verantwortlichen haben, oder ob sie gemietet wurden, um Stimmung zu erzeugen. Controller oder andere Leute mit mathematisch-logischem Bildungshintergrund sind das nicht.

Verglichen mit Angestellten ist der Nettostundensatz ausschlaggebend.

Ab 150 km Entfernung vom Wohnort ist man mindestens bei 20-30 €/h für Reiseaufwand (Kosten + Zeit) zusätzlich zum Stundensatz. Und da ist die billige Variante Bahn und nicht die teure Variante Auto eingerechnet und alle Zeit, die man während der Reise für sich nutzen kann, raus gerechnet und die nicht nutzbare Zeit schöngerechnet.

Wenn man sich die erzielbaren Stundensätze für die IT-Freelancer auf GULP anschaut (Stundensatzkalkulator, Trendanalyzer), die die all-in Stundensätze - also inkl, Reiseaufwand - enthalten, dann sieht man schon mit bloßem Auge, dass bei einem Durchschnitt von ca. 80 €/h und abzüglich Reiseaufwand das nicht aufgehen kann.

Wenn man das noch mit der ITK-Entgeltstudie vergleicht und zu den Bruttogehältern die AG-Anteile hinzurechnet, merkt man, dass das für die meisten IT-Freelancer nicht aufgehen kann.

In der ITK-Entgeltstudie der IG Metall sind nicht nur Metaller, sondern auch zigtausende (!!) andere Tarifverträge und 40% tarifungebundene Mitarbeiter enthalten, was dem Bundesdurchschnitt entspricht.

Die im Artikel erwähnte Studie ist nur Stimmungsmache.

Und es wurde entweder nicht gemerkt (Inkompetenz) oder stillschweigend gebilligt (Manipulation).

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