CEBIT 2018

IT-Festival öffnet seine Pforten

11.06.2018
Von 
Martin Bayer ist Chefredakteur von COMPUTERWOCHE, CIO und CSO. Spezialgebiet Business-Software: Business Intelligence, Big Data, CRM, ECM und ERP.
Gespannt blickt die internationale IT-Szene Mitte Juni nach Hannover. Erstmals findet die weltgrößte IT-Messe CEBIT im Sommer statt. Die Veranstalter haben ihr neues Konzept stark auf Festival und Show getrimmt.

Schaufenster der Digitalisierung – so will sich die neue CEBIT vom 11. bis 15. Juni in Hannover präsentieren. Dabei rücken vor allem die Zukunftstechnologien ins Rampenlicht des Messegeschehens. Künstliche Intelligenz (KI) und Blockchain sind "das nächste große digitale Ding", heißt es seitens der Veranstalter. Gemeinsam mit den Ausstellern stellt die CEBIT den Anspruch an sich selbst, die Möglichkeiten der neuen IT nicht nur zu zeigen, sondern in einer Art Festival zu inszenieren.

Die neue CEBIT startet und alle sind gespannt, ob das neue Festival-Konzept bei den Besuchern ankommt.
Die neue CEBIT startet und alle sind gespannt, ob das neue Festival-Konzept bei den Besuchern ankommt.
Foto: Deutsche Messe AG

Unter dem Motto "Let‘s put smart to work" hat sich beispielsweise IBM das Ziel gesetzt, "Digitalisierung zum Erlebnis zu machen". Kundenreferenzen und Anwendungen zu künstlicher Intelligenz (KI), Datenanalyse, Cloud, IT-Sicherheit, Blockchain sowie Internet of Things sowie Quantencomputer stehen im Mittelpunkt des neu designten Messeauftritts. In Pavillon 34/35 können die Besucher erleben, wie IBMs Watson-Technik Astronauten bei ihren Experimenten im Weltraum unterstützen soll. Ferner zeigt IBM den virtuellen Assistenten "Ask Mercedes", der Interessenten Fragen rund um die Konfiguration eines Fahrzeugs beantwortet. Ein weiteres Szenario widmet sich den Strategien und Techniken, mit denen die Hafenbetreiber von Rotterdam ihren Betrieb verbessern wollen.

Mehr Vertrauen mit Blockchain

Neben Security, Internet of Things, KI, Daten und Cloud spielt die Blockchain für IBM, wie auch für andere Aussteller, eine wichtige Rolle. Digitale Transaktionen, die dezentral auf mehreren Rechnern im Web gespeichert und dokumentiert sind, versprechen eine hohe Sicherheit und eine massive Reduzierung des dokumentenbasierten Verwaltungsaufwands. Da sämtliche Informationen transparent für alle Beteiligten einsehbar sind, lassen sich Veränderungen und Manipulationen jederzeit nachvollziehen. Vor allem bei Geschäftsvorgängen, die ein Höchstmaß an Vertrauen, Berechenbarkeit und Transparenz erfordern, dem Abschluss von Verträgen (Smart Contracts) etwa, könnte die Technik ihre Vorteile ausspielen.

Maersk baut mit IBM eine Logistik-Blockchain.
Maersk baut mit IBM eine Logistik-Blockchain.
Foto: Maersk

IBM will in Hannover eine kommerzielle Blockchain-Plattform vorstellen, die als Software-as-a-Service-Lösung angeboten werden soll. Gemeinsam mit der Containerschiff-Reederei Maersk hat IBM eine digitale Plattform für den globalen Handel entwickelt, die den Gütertransport über Landesgrenzen hinweg transparent machen soll. "Mit der Blockchain können wir nahezu alles, was einen Wert hat, digital abbilden, nachverfolgen und effizienter austauschen – ohne zentralen Kontrollpunkt", erklärt Matthias Hartmann, Vorsitzender der Geschäftsführung bei der IBM Deutschland.

Blockchain-Smoothie

SAP (Halle 27, Freigelände Pavillon P44) mixt einen Smoothie mit Blockchain-Zutaten. Besucher sollen über eine interaktive Touchscreen-Demo nachvollziehen können, wie das Getränk aus fair gehandelten Bestandteilen entsteht. Über miteinander verbundene 3D-Elemente lasse sich die Herkunft der Inhaltsstoffe verfolgen und kontrollieren. Auch bei DXC Technology (Freigelände, Stand R62) geht es ums Trinken. Der Servicespezialist zeigt einen Getränke mixenden Roboter, der seine Bestellungen über eine Blockchain erhält. Materna (Halle 15, Stand G54) stellt sein Projekt "Citizen Blockchain" vor. Für eine Feinstaub-Landkarte sollen die Bürger künftig Daten aus privat betriebenen Luftmess-Stationen bereitstellen und im Gegenzug digitale Tokens erhalten. Diese könnten per App verwaltet und online eingelöst werden.

CEBIT-Vorstand Oliver Frese: "Nichts bleibt wie es war"

Bei aller Begeisterung über die Möglichkeiten der Blockchain dürften in den Diskussionen, etwa auf dem CEBIT Blockchain Summit am Messefreitag (15. Juni), auch die Schattenseiten zur Sprache kommen. So warnte der niederländische Ökonom und Blockchain-Experte Alex de Vries wiederholt vor dem gigantischen Energiebedarf der Technik. Seinen Berechnungen zufolge benötigt das System der Blockchain-basierten Krypto­währung Bitcoin derzeit etwa 67 Terawattstunden pro Jahr. Das entspreche dem jährlichen Strombedarf der Schweiz. Und der Energiehunger wird laut de Vries weiter steigen. Angesichts der Diskussionen um Klimaschutz und Erderwärmung ist das Konfliktpotenzial offensichtlich.

Facebook-Kritiker Jaron Lanier eröffnet Konferenztag

Dass die CEBIT-Veranstalter auch solche Diskussionen auf der Messe sehen wollen, zeigt die Besetzung des Konferenzprogramms am ersten Ausstellungstag (11. Juni). Der Auftritt von Jaron Lanier, auf Virtual Reality spezialisierter Informatiker, Autor und Künstler, verspricht eine lebhafte Debatte, weil er die Machtkonzentration in Händen großer Online-Konzerne wie Amazon, Facebook und Google massiv kritisiert.

Auch wenn die großen Internet-Konzerne traditionsgemäß einen Bogen um die CEBIT machen – auf der Ausstellerliste finden sich trotzdem namhafte IT-Anbieter. Und die haben ihren Messeauftritt gegenüber den Vorjahren teilweise umgekrempelt, getreu dem CEBIT-Motto: die "Digitalisierung zum Erlebnis machen".

Software AG - das eigene IoT basteln

"Mitmachen statt zusehen", heißt es beispielsweise bei der Software AG. Am Stand C44 in Halle 17 legen die Darmstädter ihr CEBIT-Schlaglicht auf IoT-Showcases. Das reicht von Smart Devices im intelligenten Heim bis hin zur vernetzten Fabrik der Zukunft. Auch die Besucher sollen sich aktiv einbringen können. Beispielsweise können sie im Showcase Logistik 4.0 eine Bestellung bearbeiten und per iPad einen Legokran steuern, um in einem Warenhaus die bestellten Güter auszuwählen. An jedem Messetag veranstaltet der Softwarehersteller zudem von 10 bis 14 Uhr den Workshop "Industry 4.easy". Teilnehmer dürfen hier ihr eigenes Internet der Dinge mit Hilfe kleiner Devices zusammenbauen.

Atos (Halle 13, Stand C74) setzt seinen CEBIT-Schwerpunkt auf den "Workplace of the Future". Beispielhaft sollen typische Szenarien eines mobilen Arbeitstags in Szene gesetzt werden. Atos-Berater nehmen die Rolle von Projekt-Managern ein und durchlaufen gemeinsam mit den Besuchern am Messestand mehrere mögliche Stationen eines Arbeitstags.

Aber auch viele mittelständische Softwarehäuser, die der CEBIT über viele Jahre die Treue gehalten und sich 2017 teilweise irritiert vom neuen Messekonzept gezeigt hatten, wollen dem IT-Festival eine Chance geben. Godesys (Halle 17, Stand C64, Loft 2) präsentiert seine Kampagne "#digitalnormal". Der Mainzer ERP-Anbieter will ergründen, was digitale Normalität ist, und darüber informieren, "womit sich Unternehmer im Moment beschäftigen, um ehrlich und umfassend zu beschreiben, welche Hürden auf dem Weg zum digitalen Unternehmen warten". Bei CAS (Halle 16, Stand J18) soll gezeigt werden, wie stark sich Kunden- Management-Software in den vergangenen Jahren verändert hat. Heute dreht sich an dieser Stelle viel um intelligente Assistenz­systeme und Automatisierung. In ihrem Future Lab zeigen die Karlsruher ein Virtual-Reality-Szenario, um Produkte auf neue Art und Weise zusammenstellen zu können.

Roboter helfen bei Operationen

Neben bodenständigen Themen wie ERP und CRM wird auch die Science-Fiction in Hannover nicht fehlen. Beispielsweise zeigt das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) in Halle 27 die jüngste Generation seiner Roboterfamilie "ARMAR". Die Systeme erkennen automatisch, wann ein Techniker Hilfe benötigt, und greifen ihm dann unter die Arme. Zu den Highlights der Fraunhofer-Gesellschaft (Halle 27) zählt die AR-Brille "3D-ARILE", die Ärzte bei Tumoroperationen unterstützt. Und das Deutsche Forschungszentrum für Künst­liche Intelligenz präsentiert ebenfalls in Halle 27 sein Forschungsprojekt "Recupera-Reha". Mit einem Exoskelett in Leichtbauweise soll Menschen mit neuromotorischen Einschränkungen beispielsweise nach einem Schlaganfall geholfen werden.

Auf der CEBIT 2018 werden auch viele An­wenderunternehmen ausstellen. Volkswagen (Halle 25, Stand A23 und Freigelände Q60) präsentiert im Bereich Future Mobility seine Konzepte für die digitale Mobilität und hat "eine Weltpremiere auf vier Rädern" angekündigt, die sich um das autonome Fahren drehen soll. Die Deutsche Bahn (Halle 25, Stand A37) stellt die "smarte Bahnsteigkante" vor. Sie soll den Fahrgästen vor Einfahrt des Zuges anzeigen, wo sich die Türen zum Wagen mit dem reservierten Platz befinden werden. Und die Deutsche Bank stellt ihr API-Programm (dbAPI) in der Halle der Start­up-Plattform Scale11 vor. Andere Unternehmen sollen über die Schnittstelle Bankdaten für ihre eigenen Anwendungen nutzen können, um neue Ser­vices für die Kunden zu entwickeln.

Die CEBIT will sich 2018 also moderner, anwendungsnäher und freundlicher präsentieren. Das Themenspektum beginnt bei Klassikern wie ERP und Rechenzentrum, es endet bei Zukunftstechniken wie Blockchain und künstlicher Intelligenz. Neben Vorträgen, Präsenta­tionen und Diskussionen soll es zur Auflockerung Startup-Pitches, Business-Speed-Datings, Live-Demos, einen "Founders Fight Club" sowie FuckUp Nights geben – und nicht zuletzt Festival, Streetfood, Party und Show, wie die CEBIT-Veranstalter versprechen.

CEBIT-Programm 2018

In diesem Jahr findet die CEBIT vom 11. bis zum 15. Juni auf dem Messegelände in Hannover statt.

Die IT-Messe beginnt am Montag, 11. Juni, mit einem Konferenztag. Ab 10 Uhr wird der Take-off-Monday von Keynote-Speakern wie Jaron Lanier, BDI-Präsident Dieter Kempf und der Siemens-Personalchefin Janina Kugel eingeleitet. Im Laufe des Tages finden verschiedene Foren, Gipfel und Talks statt wie das Future Work Forum, das Bitkom Innovation Camp, ein Breitbandgipfel, der VOICE-Politik-Talk und der CEBIT Executive Talk. Um 18.30 Uhr beginnt die offizielle Welcome Night. Bundeskanzlerin Angela Merkel fehlt zwar aus terminlichen Gründen, wird aber durch Bundesforschungs­ministerin Anja Karliczek und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, beide CDU, vertreten. Die Eröffnungs-Keynote hält IBM-Chefin Virginia Rometty.

Ginni Rometty, CEO und Chairman von IBM, wird die Eröffnungs-Keynote halten.
Ginni Rometty, CEO und Chairman von IBM, wird die Eröffnungs-Keynote halten.
Foto: IBM

Die Ausstellung selbst öffnet am Dienstag, 12. Juni, und dauert bis Freitag, 15. Juni. Klassische CEBIT-Themen findet der Besucher im Bereich d!conomy: In den Hallen 11 bis 13 geht es um "Host, Connect & Secure your Business", in den Hallen 14 bis 17 um "Digital Business & Digital Administration". Disruptive Technolgien haben ihren Platz im Bereich d!tec in den Hallen 25 bis 27. Auf dem Freigelände soll im d!campus Technologie inszeniert sowie für die Besucher anfassbar und erlebbar werden. Dort gibt es mit Scale11 auch wieder einen Startup-Bereich mit Formaten wie dem Founders Fight, Expert Panels und Speeddating sowie einen Karrierebereich. Am 15. Juni schließt die CEBIT mit dem Digital Friday. Neben Veranstaltungen für Mittelständler und Entwickler gibt es die CEBIT!signals, eine Influencer-Marketing-Konferenz, auf der über 1000 Blogger, Kreative, Marketing- und PR-Profis erwartet werden.

Geöffnet hat die CEBIT täglich von 10 bis 23 Uhr, am Freitag schließt sie um 17 Uhr. Und auch der Termin für die darauf folgende CEBIT steht bereits: 24. bis 28. Juni 2019.

So feiert die CEBIT

Emotionales Herzstück der neuen CEBIT ist der d!campus. Von Dienstag, 12. Juni, bis Freitag, 15. Juni treten hier Musikgrößen und Künstler auf, dazu kommen spannende Showcases. "Hier trifft Technologie auf Erlebnis, Net­working auf Street Food und Business auf Festival", beschreiben die Messeveranstalter ihr Festival Line-Up. Einige Punkte aus dem Show­programm von Festival Stage und DJ Stage:

Dienstag, 12. Juni: Um 15 Uhr gibt es eine Modenschau mit Wear­ables. Um 17 Uhr rocken die Roboter von Compressorhead die Bühne. Hauptact sind Mando Diao um 20.30 Uhr.

Jan Delay ist der Top-Act am Messe-Mittwoch.
Jan Delay ist der Top-Act am Messe-Mittwoch.
Foto: Jan Delay

Mitwoch, 13. Juni: Nach dem KI-Talk um 16.30 Uhr folgen um 17 Uhr die FuckUp Nights. Höhepunkt am Messe-Mittwoch ist um 20.30 Uhr Jan Delay, der auf der Festival Stage die Jägermeister Blaskapelle ablöst.

Donnerstag, 14. Juni: Ein anderes Großereignis wirft seinen Schatten auf die CEBIT. Um 17 Uhr wird das Eröffnungsspiel der Fußball-WM Russland – Saudi Arabien live übertragen. Um 20.30 Uhr spielen Digitalism Electro-House-Tunes.

Freitag, 15. Juni: Am Digital Friday zeigen die besten Drohnen-Piloten Highspeed-Action und liefern sich Rennen. Am Abend erobert die CEBIT dann die Innenstadt von Hannover. Um 18 Uhr steigt die Abschlussparty am Kröpcke. Die britische Pop- und Soul-Sängerin Emma Lanford tritt auf, gefolgt von der Band MUNIQUE und dem britischen Songwriter Tom Gregory. Um 21 Uhr soll ein Überraschungsgast auf die Bühne kommen. Wer das ist, wird im Lauf des Abends bekannt gegeben.