Rollenwechsel in der IT-Abteilung

IT - der neue primus inter pares?

10.10.2019
Von Sabine Walter
Die digitale Revolution bietet IT-Organisationen die Chance, sich vom Dienstleister zum strategischen Vordenker zu entwickeln. Wie kann das gelingen?

Die IT hat bei der Sicherung und dem Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen eine zentrale Rolle. Daher hat sie jetzt die Chance aus dem Schattendasein des Dienstleisters herauszutreten und als primus inter pares eine unternehmerische und gestaltende Rolle bei Geschäftsmodellen und Geschäftsprozessen einzunehmen.

IT-Abteilungen haben die Chance, aus dem Schatten ins Licht der Unternehmensgestaltung zu treten.
IT-Abteilungen haben die Chance, aus dem Schatten ins Licht der Unternehmensgestaltung zu treten.
Foto: ronstik - shutterstock.com

Neue Rolle annehmen und verinnerlichen

Die Ergebnisse der von der Stuttgarter Unternehmensberatung Horváth & Partners im Jahr 2018 durchgeführte Studie "Adaptive IT - Die IT-Organisation im Wandel" sind ernüchternd:

  • 6 % stimmen der Aussage zu, dass die IT-Organisation proaktiv Innovationen für Fachbereiche erarbeitet.

  • 15% stimmen vollständig zu, dass die IT aktuell Gestalter der digitalen Transformationim Unternehmen ist.

  • 16% der IT-Organisationen denken in den Geschäftsprozessen des Gesamtunternehmens.

Diese drei Aussagen zeigen, dass die IT-Organisationen noch nicht verinnerlicht haben, welche zentrale Rolle sie in der Sicherung und dem Ausbau der Wettbewerbsfähigkeit einnehmen. Die IT darf sich als interne Beratung verstehen. Sie analysiert sowohl Geschäftsprozesse als auch Geschäftsmodelle und setzt sie in Bezug zu Benchmarks. Als Vordenker und Trendscout entwickelt sie auch Konzepte für neue beziehungsweise verbesserte Prozesse und Geschäftsmodelle oder Produkte und Dienstleistungen. Selbstverständlich ist dann das Beobachten der Märkte und Technologien Teil dieser neuen Rolle. Die Bereitstellung der Infrastruktur, der reibungslose Betrieb und das Managen von Providern und Partnern ist Pflicht statt Kür.

Die Rolle leben und ausstrahlen

Dieser Rollenwandel muss einhergehen mit einem Kompetenzwandel. Die IT wird ihre neue Rolle nur erfolgreich ausfüllen, wenn die Mitarbeiter und Führungskräfte zusätzlich zu einem Technologie- und IT-Verständnis folgende Kompetenzen haben:

  • fundiertes Geschäftsverständnis

  • Strategisches Denken und unternehmerisches Handeln

  • Projekt- und Dienstleistermanagement

  • Kommunikative Überzeugungskraft

  • Moderationskompetenz

  • Critical thinking

Die IT wird mehr denn je die Kunden- und Marktbrille aufsetzen müssen, um Innovationen zu entwickeln, die wesentlicher Teil der Gesamtwertschöpfung des Unternehmens sind. Lösungsfokussiertes Denken muss das problemorientierte Denken ablösen. Dazu gehört, dass die IT gemeinsam mit den Fachbereichen oder sogar aus den Fachbereichen heraus wettbewerbsfähige Lösungen entwickelt. Für Silo-Denken ist kein Raum mehr.

Imagewandel herbeiführen und Akzeptanz schaffen

Geschäft und IT lassen sich nicht länger entkoppeln. IT ist längst zum Schlüsselelement der Geschäftsentwicklung geworden. Folglich ist dieser Bereich von Menschen zu führen, die "Geschäft denken". Nur sie werden den tiefgreifenden Wandel, der in den IT-Organisationen nötig ist, einleiten und erfolgreich durchführen können. Nur sie werden unternehmerisch denkende Mitarbeiter anziehen und für die neue Rolle im Unternehmen streiten können.

Und da dieser Kompetenzwandel vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels nur schwer durch Neueinstellungen zu schaffen ist, geht es vor allem darum, bestehende Mitarbeiter - aus der IT und aus Fachbereichen - dahin zu entwickeln, dass sie in ganzheitlichen Lösungen denken und für deren Entwicklung zu einhundert Prozent Verantwortung übernehmen.

Fazit: IT-Organisationen, die diese Chance nicht ergreifen oder Unternehmen, die ihrer IT keinen Raum geben, diese neue Rolle einzunehmen, können der Zukunftsfähigkeit ihres Unternehmens schaden.