Korn-Ferry-Gehaltsreport 2020

IT-Chefs sind keine Spitzenverdiener

22.10.2020
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Der aktuelle Gehaltsreport von Korn Ferry gibt Aufschluss darüber, welche Führungskräfte was verdienen. Lesen Sie, welche Bereiche noch attraktiver sind als die IT.
Gehaltsvergleich: Korn Ferry fördert in seiner aktuellen Gehaltsstudie die Jahresgehälter von Führungskräften aus verschiedenen Branchen zutage.
Gehaltsvergleich: Korn Ferry fördert in seiner aktuellen Gehaltsstudie die Jahresgehälter von Führungskräften aus verschiedenen Branchen zutage.
Foto: Andrey Popov - shutterstock.com

123.000 Euro beträgt das durchschnittliche Zielgehalt deutscher Führungskräfte im mittleren Management, das sich aus einem festen Gehaltsbestandteil (104.000 Euro) und einer variablen Vergütung zusammensetzt. Das IT-Management verdient 128.000 Euro (Fix: 109.000), so die aktuelle Gehaltsuntersuchung von Korn Ferry.

Am besten zahlt in Deutschland die Chemieindustrie. Hier nehmen mittlere Manager 125.500 Euro (Fix: 110.500 Euro) im Jahr nach Hause, gefolgt von Pharma und Gesundheit mit 124.000 Euro Jahreszielgehalt (Fix: 104.500). Als mittleres Management bezeichnet Korn Ferry "Abteilungsleiter und sehr erfahrene Spezialisten, die einen universitären Hintergrund oder komplexes Wissen haben". In der Konsumgüterbranche verdienen Abteilungsleiter und -leiterinnen 118.000 Euro (Fix: 101.000 Euro), einen Tausender weniger in der Automobilbranche und 116.500 Euro (Fix: 99.000 Euro) im Maschinenbau und der sonstigen Industrie.

Gehälter: Nullrunde 2021?

Damit liegt das Zielgehalt bei den bestbezahlten Managern rund acht Prozent über denjenigen, die in dieser Auswertung das niedrigste Zielgehalt erhalten. "Wegen acht Prozent wechselt niemand die Branche", weiß Christine Seibel, Vergütungsexpertin bei Korn Ferry. "Aber die Unterschiede sind dennoch signifikant. In fast allen Funktionen - ob Vertrieb, Finanzen, Personal oder Produktion - zahlen Chemie und Pharma in Deutschland überdurchschnittlich", so Seibel. Durch die Coronakrise könnte sich der Abstand vor allem zur Pharma- und Gesundheitsbranche mittelfristig sogar noch vergrößern. "Mitarbeiter in stärker betroffenen Branchen müssen aber damit rechnen, im nächsten Jahr eine Nullrunde bei der Gehaltserhöhung mitzumachen, sofern sie nicht befördert werden", glaubt die Vergütungsexpertin

Betrachtet man die unterschiedlichen Job-Familien, so werden mittlere Führungskräfte im Vertrieb im Zielgehalt am besten vergütet. Sie kommen auf ein Jahreszielgehalt von 134.000 Euro (Fix: 112.000 Euro). "Mitarbeiter mit Vertriebsverantwortung liegen seit jeher weit vorn in der Vergütung, weil ihr unmittelbarer Ergebnisbeitrag in vielen Fällen sehr gut messbar ist - anders als in klassischen Stabs- oder Managementfunktionen", analysiert Seibel. Dafür müssten sie lernen, mit Verkaufsdruck umzugehen. Sie werden am schnellsten ausgetauscht, wenn der Erfolg ausbleibt.

"In den vergangenen Jahren hat die Nachfrage vor allem nach technisch versierten Verkaufsprofis deutlich zugenommen", beobachtet die Korn-Ferry-Vergütungsexpertin. Hier liege die Personalnachfrage deutlich über dem Angebot. Auch das sei ein Grund, warum sich die Bezahlung auf hohem Niveau bewege.

Laut dem Korn Ferry Gehaltsreport 2020 verdienen mittlere Manager in der Chemieindustrie am besten, dicht gefolgt von Pharmakonzernen und der Automobilindustrie.
Laut dem Korn Ferry Gehaltsreport 2020 verdienen mittlere Manager in der Chemieindustrie am besten, dicht gefolgt von Pharmakonzernen und der Automobilindustrie.
Foto: Korn Ferry

Korn Ferry: Gehaltsranking 2020

Nach einer Vergütungsauswertung der verschiedenen Unternehmensbereiche - und das branchenunabhängig - kommt Korn Ferry zu folgendem Gehalts-Ranking:

  1. Personal: Zielgehalt 131.500 Euro (Fix 110.500 Euro)

  2. Marketing sowie Finance & Accounting: jeweils Zielgehalt 130.000 Euro (Fix 110.000 Euro)

  3. Produktion: Zielgehalt 129.500 Euro, (Fix 110.000 Euro)

  4. IT: Zielgehalt 128.000 Euro, (Fix 109.000 Euro)

  5. Einkauf und Logistik: Zielgehalt 128.000 Euro, (Fix 107.500 Euro)

  6. Qualitätssicherung: Zielgehalt 126.500 Euro, (Fix 108.000 Euro)

"Zwei Dinge können auf den ersten Blick verwundern", sagt Christine Seibel: "Zum einen sind die Unterschiede gar nicht so hoch, wie man per se bei unterschiedlichen Ausbildungen und Laufbahnen erwarten würde." Das hänge damit zusammen, dass mittlerweile vor allem Konzerne und große mittelständische Unternehmen deutlich ausgewogener und angepasster vergüten, als das mancher vermute.

"Moderne Vergütungssysteme schaffen keine Situationen, in der in einer Abteilungsleiterrunde eine Zwei- oder gar Mehrklassengesellschaft entsteht", ist sie überzeugt. Wer sich zum Beispiel im Studium auf Marketing spezialisiere und zunächst seine Karriere in einer Agentur beginnt, habe auch hinsichtlich des Gehalts einen steinigeren Weg vor sich als derjenige, der unmittelbar nach dem Studium in der Finance-Abteilung eines Konzerns begonnen hat. Für diejenigen aber, die dann später in die größeren Unternehmen wechseln, gleiche sich dieser Malus wieder aus.

"Zum anderen könnte man fragen, warum IT nicht trotzdem weiter vorne in diesem Ranking rangiert. Gerade auch, weil die Nachwuchskräfte so gefragt sind." Ihre Antwort: "IT ist deutlich breiter, als die raren Digital-Talente, die heute gesucht werden und die mit höheren Gehältern rechnen können." IT umfasse vielfach die Betreuung vorhandener Systemarchitekturen, Wartung und viele andere Funktionen, für die es ein adäquates Angebot an Kandidatinnen und Kandidaten gebe. Man könne IT und Digital nicht gleichsetzen.

Für diese Untersuchung hat Korn Ferry 220.000 Datensätze von 503 Unternehmen in Deutschland ausgewertet. Die Auswertung umfasst rund 50 Prozent der Konzerne im Deutschen Aktienindex DAX sowie große Teile von MDAX und SDAX. Insgesamt sind rund die Hälfte der 100 größten deutschen Unternehmen in diese Untersuchung mit einbezogen worden.