Freie Technologiewahl

Ist zu viel Auswahl für Mitarbeiter schädlich?

Kommentar  02.09.2022
Von 
 IT-Fachautor aus Saratoga Springs, New York
Seinen Mitarbeitern in Sachen Technologie die freie Wahl zu überlassen, kann sich positiv auf Mitarbeitergewinnung und -bindung auswirken. Hat die Medaille auch eine Kehrseite?
Wer die (Technologie-)Wahl hat, hat die Qual.
Wer die (Technologie-)Wahl hat, hat die Qual.
Foto: Maria Symchych - shutterstock.com

Ich bin seit langem der Meinung, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern in Sachen Technologie die Wahl lassen sollten. So nutzen die Mitarbeiter die Geräte, die sie für ihre Arbeit als optimal geeignet erachten. Das verringert die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeiter abtrünnig werden oder sich ihre eigene Technologiewelt erschaffen (auch bekannt als Schatten-IT) und schafft zudem eine positive Beziehung zwischen IT-Abteilung und dem Rest des Unternehmens. Unternehmen wie IBM und SAP haben entsprechende Modelle, bei denen die Mitarbeiter die Wahl haben, eingeführt, dokumentiert und für erfolgreich erklärt. Aber bedeutet das, dass dieser Weg für jedes Unternehmen funktioniert?

Die wichtigste Frage bei der Entwicklung (oder Ausweitung) eines Mitarbeiterwahlmodells ist, wie viel Auswahlmöglichkeiten Sie zulassen. Bieten Sie zu wenig an, besteht die Gefahr, dass die Vorteile der Maßnahme untergraben werden. Bieten Sie zu viel, riskieren Sie technische Anarchie, die genauso problematisch sein kann wie eine zügellose Schatten-IT. Eine Einheitslösung für alle gibt es nicht - jedes Unternehmen hat eine eigene Kultur, eigene Anforderungen/Erwartungen und eigene Management-Fähigkeiten. Ein Ansatz, der in einem Marketing-Unternehmen funktioniert, würde sich deutlich von dem eines Gesundheitsdienstleisters unterscheiden, ebenso wie eine Regierungsbehörde einen anderen Ansatz als ein Startup benötigen würde.

Die Optionen hängen auch von den Devices ab, die die Mitarbeiter verwenden - Desktop- und Mobile-Geräte erfordern oft unterschiedliche Ansätze, insbesondere im Fall von Unternehmen, die ein BYOD-Programm für Smartphones implementiert haben.

PCs, Macs & Chromebooks

Die meisten Programme, bei denen Mitarbeiter die Technologie-Wahl haben, fokussieren sich auf Desktop-PCs und Laptops. Die Standardauswahl ist in der Regel einfach - Windows-PC oder Mac. Meist erstreckt sich die Auswahl nur auf die Plattform, nicht auf bestimmte Modelle (oder im Falle von PCs auf einen bestimmten Hersteller). Die Konzentration auf nur zwei Plattformen vereinfacht den Management-Aufwand und die Support-Anforderungen. Außerdem können Unternehmen auf diese Weise Mengenrabatte erhalten.

Mit dem Aufkommen von Chromebooks in Unternehmen erweitert sich diese Auswahl. Auch was Betriebssysteme angeht, stehen beispielsweise verschiedener Varianten von Linux oder bestimmte Windows-Versionen zur Wahl. Obwohl Windows 11 schon seit einiger Zeit auf dem Markt ist, sind viele Unternehmen immer noch an Windows 10 gebunden - zum Teil aus Gründen des einfachen Supports und zum Teil, weil viele ältere PCs die Anforderungen nicht erfüllen.

Mit ChromeOS Flex, das ältere PCs und Macs in Chromebooks verwandelt, versucht Google, Unternehmen für sich zu gewinnen. So können Unternehmen weiterhin Rechner mit veralteter oder eingeschränkter Hardware nutzen. Das bedeutet aber auch, Support für ChromeOS-Geräte leisten zu müssen.

Außerdem gibt es die Möglichkeit, über bestimmte Plattformen hinauszugehen. Obwohl einheitliche Hardware die Bereitstellung, Verwaltung und den Support einer Geräteflotte erleichtert, benötigen einige Anwender möglicherweise bestimmte Modelle, Spezifikationen oder Hersteller. Und selbst eine minimale Auswahl an Hardware kann den Aufwand für Bereitstellung und Support beträchtlich erhöhen, insbesondere bei mehreren Herstellern.

Grenzen ziehen

Bestimmen Sie zunächst, welche Betriebssysteme Sie supporten können. Ein wichtiger Teil dieser Entscheidung besteht darin, sich darüber klar zu werden, wie viel zusätzlicher Arbeits- und Kostenaufwand hinter jedem System stehen. Windows-Support ist in den meisten Unternehmen Standard, ebenso wie die Tools für die Bereitstellung und Verwaltung von Windows-PCs.

Um Macs zu unterstützen, müssen Sie in Device-Management-Software investieren, die in der Regel unter einer von drei Bezeichnungen läuft:

  • Enterprise Mobility Management (EMM),

  • Unified Endpoint Management (UEM) oder

  • Mobile Device Management (MDM).

Da für iOS- und macOS-Hardware dasselbe Management-Protokoll zum Einsatz kommt, haben Sie möglicherweise bereits eine Apple-Option. In diesem Fall müssen Sie also nicht in ein zusätzliches Tool für die Verwaltung von Macs investieren (abgesehen von den zusätzlichen Lizenzkosten für die von Ihnen eingesetzten Macs). Auch der Lernaufwand sollte in diesem Fall gering sein. Das bedeutet auch, dass Sie dieselben Benutzer-/Gerätegruppierungen verwenden können, die bereits vorhanden sind und sogar viele derselben Richtlinien - auch wenn möglicherweise noch einige Anpassungen erforderlich sind.

Auch wenn Sie bereits über eine Management-Lösung verfügen, sollten Sie sich nach anderen Optionen umsehen - vor allem, wenn Sie mit dem vorhandenen System nicht zufrieden sind. Sie sollten auch eine Investition in eine Apple-spezifische EMM-Option wie JAMF, Kandji und andere in Betracht ziehen. Der Vorteil dabei: Diese Unternehmen bieten in der Regel Bereitstellungsfunktionen für Macs und iOS-Geräte (sowie von Software und Konfigurationen), die über das hinausgehen, was im MDM-Protokoll von Apple enthalten ist. Wenn Sie eine große Zahl von Macs supporten müssen, können einige Aufgaben und Prozesse reibungsloser und effizienter ablaufen als bei einer Lösung, die für die Unterstützung mehrerer Desktop- und Mobile-Plattformen konzipiert ist. Außerdem wichtig: Sie sollten über ausreichend IT-Mitarbeiter - insbesondere in Helpdesk und Support - mit Mac-Knowhow verfügen.

Wählen Sie mit Bedacht

Es ist essenziell, festzulegen, welche Betriebssystemversionen Sie unterstützen werden. Diese Entscheidung kann abhängen von:

  • der Hardware,

  • Sicherheitsproblemen mit der jeweiligen Plattform,

  • der Aktualität von Updates und

  • dem Prozess der Aktualisierung von Betriebssystem und Software nach der Bereitstellung der Hardware.

Berücksichtigen Sie daher:

  • Ihre Sicherheitsanforderungen,

  • die erwartete Lebensdauer der Geräte,

  • typische Aktualisierungsfristen und

  • wie einfach es sich gestaltet, die einzelnen Versionen der von Ihnen ausgewählten Betriebssysteme zu unterstützen.

Sobald Sie sich für die Plattformen entschieden haben, ist die nächste wichtige Überlegung, welche Hardware-Spezifikationen oder -Modelle Sie anbieten wollen. Vor allem bei PCs sollten Sie diese so weit wie möglich standardisieren. Sich an einen einzigen Anbieter zu halten, ist sowohl für die Beschaffung großer Mengen als auch in Sachen Support-Komplexität von Vorteil, aber selbst dann können die Hardware-Konfigurationen stark variieren. Entscheiden Sie sich für ein solides Arbeitspferd und halten Sie sich so weit wie möglich an Standardkonfigurationen (auch ergeben sich sowohl für die Beschaffung als auch für den Support Vorteile).

Ebenfalls wichtig: der Formfaktor. Das gilt insbesondere für PCs, für die es zahlreiche Desktop-, Laptop-, Tablet- und Hybrid-Optionen gibt. Während eine gute Einzeloption die Anforderungen der meisten Mitarbeiter erfüllen sollte, gibt es berechtigte Gründe, warum einige Benutzer und Führungskräfte etwas anderes benötigen. Wenn Sie ein gutes Gespür für diese Bedürfnisse haben, können Sie im Voraus einige Optionen auswählen.

Alternativ können Sie sich für eine Standardoption entscheiden und dann individuelle Modell-Anfragen auf Einzelfallbasis behandeln. In diesem Fall sollten Sie ein Verfahren einrichten, mit dem die Benutzer ein bestimmtes Modell/eine bestimmte Konfiguration anfordern können (und um die Kosten in Grenzen zu halten, sollten Sie die Genehmigung des Vorgesetzten an dieser Stelle integrieren). Erfragen Sie außerdem die genauen Gründe dafür, warum das Standardmodell nicht den Anforderungen genügt.

Die Mobile-Entscheidung

In vielerlei Hinsicht waren mobile Geräte der Auslöser für den Trend, den Mitarbeitern technologische Wahlfreiheit zu gewähren. Obwohl einige Unternehmen immer noch bestimmte Geräte vorschreiben, haben die Mitarbeiter in der Regel eine breite Palette von Wahlmöglichkeiten, wenn es um Smartphones geht.

Das iPhone ist seit langem das Telefon der Wahl für Unternehmen, vor allem nachdem Apple bereits seit 2008 Exchange Active Sync und Konfigurationsprofile unterstützt und damit begonnen hat, Unternehmensfunktionen zu integrieren. Obwohl Android im Hinblick auf Enterprise-Funktionen einige erhebliche Anlaufschwierigkeiten hatte, sind inzwischen beide Plattformen für Unternehmen geeignet.

Die große Frage bei Smartphones ist, welches Maß an Support für ältere Geräte angemessen ist. Apple bietet für das iPhone länger als jeder andere Smartphone-Hersteller Betriebssystem-Updates und Sicherheits-Patches. Außerdem haben die Geräte den Vorteil, dass die Updates direkt von Apple an jedes iPhone ausgeliefert werden.

Auf der Android-Seite kann der Support für Betriebssystem- und Sicherheitsupdates stark variieren - ebenso wie die Bereitstellung dieser Updates. Googles Pixel-Geräte erhalten regelmäßige Aktualisierungen. Bei anderen Herstellern ist die Situation deutlich uneinheitlicher. Da die Hersteller neue Android-Versionen mit ihrer Hardware und allen Anpassungen, die sie an Android vorgenommen haben, abgleichen müssen, ist es nicht ungewöhnlich, dass Monate vergehen, bis Google ein Update veröffentlicht und die Geräte es erhalten.

Angesichts der Vielzahl verfügbarer Android-Gerätemodelle war es früher eine große Herausforderung, herauszufinden, welche Devices unterstützt werden sollten und welche nicht - mit ein Grund dafür, dass iOS den Unternehmensmarkt so lange dominierte. In den letzten Jahren hat Google mit Android Enterprise eine Reihe von Funktionen entwickelt, die Unternehmen bei der Bereitstellung und Verwaltung von Android-Geräten helfen sollen.

Hersteller, die in die Android-Enterprise-Rubrik aufgenommen werden möchten, müssen sich bereit erklären, bestimmte Sicherheits- und Verwaltungsfunktionen zu implementieren und ein gewisses Maß an Support zu bieten. Google verwendet die Daten dieser Hersteller, um eine durchsuchbare Liste autorisierter Android-Enterprise-Geräte zu erstellen, die nach einer Vielzahl von Kriterien sortiert werden kann. Darunter die ursprüngliche Android-Version, Hardware und Speicherplatz, Unterstützung von Netzbetreibern und das ursprüngliche Veröffentlichungsdatum. Das ist ein nützliches Tool, um festzustellen, welche unternehmenseigenen Geräte Sie anbieten und/oder welche Geräte Sie im Rahmen eines BYOD-Programms unterstützen wollen.

Es scheint einen Trend zu geben, Android in erster Linie als Smartphone-Plattform zu betrachten, obwohl es eine Reihe von Android-Tablets auf dem Markt gibt. Die meisten haben einfach nicht den Bekanntheitsgrad, den iPad, Surface oder Kindle Fire genießen.

Weitere Device-Optionen

Zusätzlich zu den traditionellen Desktop- und Mobile-Plattformen nimmt die Nutzung von Computern in Unternehmen und Bildungseinrichtungen explosionsartig zu. Smart TVs (oder Boxen/Sticks, die Streaming und andere Funktionen bieten) sind in vielen Konferenzräumen, Besprechungszimmern, Klassenzimmern und Büros zu finden.

Die Apple TV Set-Top-Box bietet umfangreiche Konfigurations- und Verwaltungsfunktionen in tvOS, einschließlich Einrichtung, Zugriffsbeschränkungen, Netzwerkverbindungen, Gerätenamen und Apps. Wie bei anderen Apple-Produkten in dieser Liste sollte jeder Anbieter, der das MDM-Protokoll von Apple unterstützt, in der Lage sein, eine Flotte von stationären Apple TV-Geräten oder Geräten für Mitarbeiter und Führungskräfte zu verwalten. Jenseits von Apple TV ist die Situation undurchsichtiger, obwohl EMM-Anbieter verschiedene TV-Plattformen unterstützen, vor allem Android TV.

Trotz des Geschäftspotenzials virtueller Assistenten in Unternehmen ist der Markt für intelligente Lautsprecher fast ausschließlich auf Consumer ausgerichtet. Das Gleiche gilt für Infotainment-Plattformen für Fahrzeuge wie Apple CarPlay und Android Auto. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie sich nicht für grundlegende geschäftliche Aufgaben verwenden lassen. So können Sie etwa Siri bitten, Nachrichten zu lesen und zu beantworten, oder Google Assistant anweisen, ein Meeting zu planen oder eine Aufgabenliste zu erstellen.

Ohne direkte Unternehmensintegration nutzen diese Plattformen einfach ihre Verbindung zur Identität eines Benutzers in ihrem jeweiligen Ökosystem, um Aufgaben auszuführen und die Ergebnisse an die Geräte des Benutzers weiterzuleiten, so dass sie im Wesentlichen als Abkürzung für die Erledigung einer Aufgabe auf einem Smartphone oder einem PC dienen.

Die Zusammenarbeit mit Mitarbeitern, Managern und Führungskräften, um die ideale Kombination von Tools bereitzustellen ist für fast jede IT-Abteilung zu einer Hauptaufgabe geworden, insbesondere nach zweieinhalb Jahren der Remote- und Hybridarbeit. Das birgt enorme Möglichkeiten - sowohl für die Benutzer als auch für IT-Mitarbeiter. Doch auch hier gilt es, auf Ausgewogenheit zu achten. Wie diese im Einzelfall aussieht, differiert je nach Unternehmen. Planen Sie entsprechend. (fm)

Dieser Beitrag basiert auf einem Artikel unserer US-Schwesterpublikation Computerworld.